Um neun Uhr abends kam das langersehnte Telegramm in Strienau an, eine halbe Stunde später hatte es der Landgerichtsrat entziffert. Es lautete: „Erwarte Dich umgehend Hotel Esplanade Berlin, Zimmer 200-240. Peter.“

Polly packte sofort ihre Koffer und wollte noch mit dem Abendzug abreisen.

„Aber Kind!“ rief der Onkel beinahe eifersüchtig. „So eilt die Sache denn doch nicht.“

Also wurde die Reise auf den nächsten Morgen festgesetzt. Polly bestellte das Frühstück bei Martha Zippel, und zwar eine halbe Stunde früher als sonst.

Die lag schon längst auf dem Sprunge, das Telegramm zu erwischen. Der Landgerichtsrat zerriß es dreimal und warf es in den Papierkorb. Es hatte seine Schuldigkeit getan.

Die Haushälterin schlief diese Nacht ebenso schlecht wie Polly; bei Polly war die freudige Aufregung der Grund, bei Martha Zippel das böse Gewissen.

Zwei Stunden vor Polly erhob sie sich und schlich zum Papierkorb, den sie seit Wochen unter strengster Aufsicht hielt. Jeden Tag leerte sie ihn. Diesmal lag nichts weiter darin als die acht Stücke des zerrissenen Telegramms. Schnell ließ sie diese wohl beschädigte, aber durchaus nicht vernichtete Posturkunde in der Tasche verschwinden.

Dann lief sie mit dem Marktkorb davon.

Zehn Minuten später pochte sie an Bobby Dodds Hotelzimmertür. Er putzte sich gerade die Zähne.

„Sie fährt heut morgen nach Berlin!“ flüsterte sie hastig und legte das Telegramm auf den Tisch.