In der Office der Bankfirma Stockes & Yarker in St. Louis war Feierabend gemacht worden. Nur zwei elektrische Lampen brannten noch, und zwar vor dem gewaltigen, sechstürigen Geldschrank, der in der Mitte des größten Saales stand.

Jim Stockes, der Inhaber der Firma, und Peter Voß, sein erster Kassierer und Buchhalter, saßen davor und schauten hinein und hatten längst festgestellt, daß die zwei Millionen Dollar, die morgen an Dick Patton, den Baumwollkönig von Missouri, gezahlt werden sollten, nicht darin waren.

„Mr. Stockes, Sie sind ein Dieb!“ sagte Peter Voß mit der größten Gemütsruhe, die ihm als amerikanisiertem Hamburger zur Verfügung stand, und strich sich seinen braunen, halblangen, wohlgepflegten Vollbart. „Sie haben innerhalb zweier Jahre zwei Millionen verspekuliert. Sie haben die grundsolide Firma Stockes & Yarker darum bestohlen. Man sollte Sie von Rechts wegen einsperren!“

Jim Stockes nickte zerknirscht. Er kannte Peter Voßens Sprechweise und nahm keinen Anstoß mehr daran. Im übrigen hatte er bitter recht.

„Jede Ihrer Spekulationen, vor der ich Sie warnte,“ fuhr Peter Voß unbeirrt fort, „ist mißglückt. Es wird Ihnen nichts übrig bleiben, als die Depositen anzugreifen.“

„Niemals!“ rief Stockes und hob abwehrend die Hände. „Ich werde morgen Konkurs anmelden und übermorgen eine Chance als Kornumstecher bei den Elevatoren suchen. In ein paar Jahren bin ich wieder oben.“

Dabei hatte Mr. Stockes das fünfzigste Jahr bereits hinter sich. Aber er war ein Amerikaner und obendrein ein Junggeselle.

„Mr. Stockes!“ sagte Peter Voß ganz ernst und dämpfte plötzlich seine Stimme. „Sie werden morgen nicht Konkurs anmelden.“

„Sie wissen einen Ausweg!“ rief Jim Stockes ungläubig. „Ach, es gibt keinen. Es ist ausgeschlossen. Die verdammten Kupferpapiere. Ja wenn ich ein paar Monate Aufschub erlangen könnte. Sie steigen wieder, sie müssen steigen, sonst geht die ganze Industrie zum Teufel. Aber Dick Patton ist ein Dickkopf. Er wird es nicht einsehen. Ich sage Ihnen, lieber Voß, ich bin fertig.“

„Da es keinen Ausweg gibt,“ sprach Peter Voß verschmitzt lächelnd, „müssen wir einen machen. Bitte, schauen Sie in dieses Fach. Was erblicken Sie? Vier Pakete zu je fünfhundert Tausend-Dollarnoten, also in Summa zwei Millionen.“