„Diese schnöde Absicht habe ich allerdings!“ lächelte er. „In Rußland kann ich dir nichts nützen, denn ich kann ebensowenig Russisch wie du. Und dann mein Asthma. Ich glaube auch, ich kann dir viel mehr nützen, wenn ich hier bleibe. Ich werde nämlich das Gefühl nicht los, daß Dodd hier irgendwo auf der Lauer liegt und nur auf deine Abreise wartet. Denn anders ist euer Zusammentreffen in Berlin nicht zu erklären.“

„Aber wie?“ rief sie erschreckt. „Er wird seine Spur gefunden haben.“

„Oder das Telegramm!“ sprach er leise und deutete auf die Tür. „Die Martha Zippel gefällt mir nicht mehr. Sie geht seitdem herum wie das leibhaftige böse Gewissen. Der Sache muß ich auf den Grund kommen.“

„Er hat sie bestochen!“ rief Polly. „Sie horcht an den Türen, sie spioniert uns aus.“

„An eine Bestechung glaube ich nicht!“ sprach er und wiegte das Haupt. „Viel eher glaube ich, daß sie unter seinem psychischen Druck steht. Am Ende hat er ihr die Heirat versprochen.“

„Dazu ist er fähig!“ fuhr Polly auf. „Liebeserklärungen gehören anscheinend zu seinem Geschäft.“

„Machen wir die Probe aufs Exempel!“ erwiderte der Rat und drückte auf die Glocke.

Obschon die Haushälterin draußen gehorcht, aber leider nichts erhorcht hatte, verging doch eine geraume Zeit, bis sie eintrat.

„Wir haben eben ein Telegramm erhalten,“ sprach er und hob das Papier vom Schreibtisch, „aus New York. Es kommt von einem gewissen Herrn Dodd, Bobby Dodd, derselbe Herr, der vor einigen Wochen hier war. Er zeigt uns seine Verlobung an. Und läßt Sie schön grüßen, Fräulein Zippel.“

Die Angeredete erblaßte weder, noch wurde sie rot. Bobby Dodd in New York? Das war ein Irrtum. Der wohnte im Hotel „Zum goldenen Kreuz“ auf dem Strienauer Ringe und hatte sie erst gestern abend, als der Herr Landgerichtsrat und sein Besuch im Konzert waren, in der Küche besucht. So dumm war sie noch lange nicht, um auf solche Lügen hereinzufallen! Sie hielt ihre Augen schon offen, damit der Herr Rat nicht ins Unglück rannte. Und so bedankte sie sich ruhig und kühl für den fingierten Gruß und verschwand wieder in die Küche. Das eine war sicher. Ein Telegramm war angekommen. Und davon mußte sie Dodd in Kenntnis setzen. Aber erst mußte sie es haben. Der Papierkorb war ihr erst morgen früh beim Aufräumen erreichbar.