Als Bobby Dodd das Telegramm erhielt, zögerte er nicht länger, seine Auslagen zu vergrößern, und mußte die überraschende Beobachtung machen, daß die Beamten eigentlich schon lange darauf gewartet hatten. Nun ließen sie sich rein um die Finger wickeln. Ihr schnöder Verdacht war wie weggeblasen. Sie waren auch so ehrlich, ihm zu gestehen, daß sie über Iwan Basarow nicht das geringste wußten, gaben ihm aber die Versicherung, daß er ohne Zweifel nach Petrokowskji zurückgeschickt werden würde. Der Polizeipräsident gab ihm sogar eine Empfehlung an den Direktor dieser Strafanstaltsmine mit, der sein Kriegskamerad war.
Warum sollte er ihm nicht auch etwas von dem Gelde der revolutionären Nihilisten zukommen lassen! Denn ein Nihilist blieb Bobby Dodd trotz alledem!
Sogar der amerikanische Konsul, übrigens ein Stockrusse, hielt ihn für alles andere eher als für einen Detektiv. Seine Legitimation sah man an und dachte sich das Beste. Dafür war man eben in Rußland.
Bobby Dodd reiste nach Dui zurück und gab nach wenigen Tagen bei dem Direktor des Strafbergwerks Petrokowskji seine Empfehlung ab. Schnurrbartzwirbelnd empfing er den Fremden, musterte ihn mit militärisch durchdringendem Blick und nahm mit gnädigem Kopfnicken den Hundertrubelschein entgegen, den ihm Bobby Dodd für die Wohlfahrtskasse des Bergwerks zur beliebigen Verwendung überreichte. Auch für diesen Direktor, dem der Polizeipräsident von Wladiwostok ganz privatim längst ein paar orientierende Zeilen geschrieben hatte, war Dodd ein Nihilist. Allein dieser Eisenfresser, dem seine militärische Untüchtigkeit in der Schlacht von Mukden diesen Verbannungsposten eingetragen hatte, besaß nicht im entferntesten die Kunst der Verstellung, um sich gegen Dodd auf die Dauer behaupten zu können. Vorläufig jedoch schöpfte dieser noch keinen Argwohn.
„Können Sie sich eines Sträflings erinnern, der Iwan Basarow hieß?“ fragte er den Direktor.
„Iwan Basarow!“ rief der Bramarbas und sprang auf. „An diesen hundsgemeinen Kerl sollte ich mich nicht erinnern können! Das ist der abgefeimteste Spitzbube, den ich jemals unter den Fingern gehabt habe. Er hat in Petersburg Bomben fabriziert und revolutionäre Blätter gedruckt. Und hier hat er einen Aufstand angezettelt, hat mir drei Aufseher invalid geschlagen, das heißt nicht er, sondern die vierzehn, die mit ihm ausgerissen sind. Denn er ist ein feiger Hund. Nicht einen einzigen habe ich zurück bekommen. Alle sind sie über die japanische Grenze gegangen. Und diese gelben Affen liefern natürlich nicht aus.“
„Es ist ein Iwan Basarow vor mehreren Wochen in Moskau verhaftet worden!“ berichtete Dodd weiter.
„Was Sie sagen!“ schrie der Direktor voll ehrlicher Wut. „Sie haben ihn wieder erwischt? Sie werden ihn hierher zurückschicken? O, wie werde ich diesen Schurken zwiebeln! Ich presse ihm die Seele aus dem Leibe. Ich habe eine vorzügliche Methode. Ich mache einen stumpfsinnigen Kadaver aus ihm. Der wird mir nie wieder eine Verschwörung anzetteln.“
„Sie werden die Knute gebrauchen?“ forschte Dodd, von diesen echt russischen Drohungen sichtlich unangenehm berührt, und schaute zum Fenster hinaus, das den Blick auf den Gefängnishof und die Aussicht auf das nahe Meer freigab.
„O nein!“ wehrte der Direktor ab. „In meinem Bezirk wird nicht geprügelt. Ich bin kein Anhänger dieser Knutenkultur. Meine Methode ist eine viel raffiniertere. Ich habe sie selbst erfunden. Sie wirkt todsicher. Ich habe sie schon zweimal mit dem besten Erfolg angewendet.“