„Es wäre mir sehr interessant, diese Methode kennen zu lernen!“ versetzte Dodd.

„Sie sollen sie kennen lernen!“ erwiderte der Direktor und griff nach der Wodkaflasche. „Bleiben Sie hier. Seien Sie mein Gast. Der erste Transport ist mir bereits angekündigt. Vielleicht ist dieser Schuft schon dazwischen. Ich werde ihn sofort vornehmen. Ich werde Ihnen meine Methode an ihm demonstrieren. Es ist eine ganz einfache, eine simple Methode sozusagen. Nicht ein Fünkchen Gewalt wird angewendet. Aber ich garantiere Ihnen, daß der Kerl schon am dritten Tage mit dem Kopf gegen die Wand rennt, um sich das Leben zu nehmen. Die beiden andern haben es auch getan.“

Dodd überlegte. Da diese Methode von Gewaltmitteln absah, war sie ihm nicht unsympathisch. Je unerträglicher sich für Peter Voß die Gefangenschaft gestaltete, um so eher würde er Farbe bekennen und sein wahres Gesicht zeigen. Dann war noch immer Zeit, den Direktor in das Doppelspiel einzuweihen. Am einfachsten wäre es natürlich gewesen, wenn der Direktor den falschen Iwan Basarow, auf Grund seiner genauen Personalkenntnis des richtigen, einfach zurückwies. Doch das war sehr wenig wahrscheinlich. Dieser Direktor war trotz seiner gepriesenen Methode nicht viel mehr als ein harmloser Dummkopf. Der Umschwung mußte bei Peter Voß beginnen. Denn dessen falsche Behauptung, Iwan Basarow zu sein, war unter den Umständen, in denen er sich augenblicklich befand, von einer nicht zu erschütternden Beweiskraft. Sogar das Zeugnis seiner Frau hätte dagegen nichts ausrichten können.

Dodd nahm die Einladung des Direktors nicht an, versprach aber wiederzukommen, und kehrte nach Dui zurück. Hier erstattete er Polly, die ihn mit begreiflicher Unruhe erwartete, wahrheitsgetreu Bericht. Nur von des Direktors Methode verriet er nichts.

„Wir müssen ihn sofort zu befreien suchen!“ rief sie außer sich. „Schon auf dem Wege zum Bergwerk.“

„Ganz unmöglich!“ wies er den Vorschlag zurück. „Einen Gefangenen gegen seinen Willen zu befreien, ist so gut wie ausgeschlossen. Außerdem wird er als wieder eingefangener Flüchtling besonders scharf bewacht werden. Ich habe keine Lust, an seiner Seite in jenem Bergwerk zu arbeiten. Und bis zur nächsten japanischen Grenze sind über zwei Tagereisen. Die ganze Grenze ist mit Kosaken besetzt. Ehe wir uns nicht mit ihm in direkte Verbindung gesetzt haben, läßt sich nichts machen.“

„Also warten!“ seufzte sie und nahm die amerikanische Zeitung auf, die Dodd aus Wladiwostok mitgebracht hatte.

Es war eine sehr alte Nummer, worin der Kurs der amerikanischen Kupferpapiere wieder um einige Cent tiefer notiert war, obschon sie längst zum Stehen gekommen waren.

„Sie studieren die Kurse?“ fragte Dodd überrascht. „Spekulieren Sie?“

„Ein wenig!“ erwiderte sie und legte das Blatt weg.