Und er wartete. Als die Hitze am heftigsten stach und das Leben auf der Straße und vor dem Hotel einschlief, setzte sich der lahme Bettler auf allen Vieren in Bewegung. Dicht bei Peter Voß kam er vorbei. Seine Hände stützte er auf zwei Griffbrettchen, das Sammelholz hielt er zwischen den Zähnen. Peter Voß nahm sofort seine Verfolgung auf. An der dritten Straßenecke aber gab es für ihn eine große Ueberraschung. Der Bettler sprang urplötzlich auf seine zwei gesunden Beine, steckte die Handstützen und die Sammellöffel ein, riß das Pflaster von seinem linken Auge und trabte mit einer bewundernswerten Schnelligkeit davon.
Na warte, du Kujon! dachte Peter Voß und sauste hinter ihm drein. Jetzt hab ich dich!
Und er erwischte ihn glücklich, als der so wunderbar schnell geheilte Krüppel in einem niedlichen Häuschen verschwinden wollte. Der harmlose Betrüger erschrak furchtbar, als er sich ertappt sah. Er konnte genug Englisch, um die Drohungen seines Entlarvers zu verstehen, und zitterte vor Angst. Als Peter Voß ihn erst so weit hatte, zog er sanftere Saiten auf und machte ihm begreiflich, daß er ihn auf ein paar Stunden vertreten müsse, um eine Wette zu gewinnen.
„Tausend Dollar!“ rief Peter Voß und hantierte mit allen zehn Fingern durch die Luft, um dem Bettler diese schwindelerregende Zahl begreiflich zu machen. „Die Hälfte sollst du haben!“
Das wirkte. Der falsche Krüppel zog Peter Voß in sein Häuschen und entwickelte eine fabelhafte Schnelligkeit und Geschicklichkeit, aus dem Fremden sich selbst zu machen. Er schor ihn kahl, schmierte ihn mit einer braunen Salbe ein, klebte ihm das linke Auge zu und behängte ihn mit seinen Lumpen.
„Starker Tobak!“ sagte Peter Voß, als er sich in einem Spiegelscherben betrachtete. „Ich sehe nicht gerade zum Verlieben aus. Wenn sie nur nicht in Ohnmacht fällt.“
Dann ließ er sich von dem Mann einen Bleistift geben und schrieb auf die eine Seite des Bettelbretts: „Liebe Polly: Erschrick nicht zu sehr. Ich bin Dein Mann Peter Voß.“
Das Mann unterstrich er dreimal. Den Bleistift steckte er ein. Dann ließ er sich von dem Bettler an die Straßenecke bringen, wo unbedingt mit dem Kriechen begonnen werden mußte. Er krümmte seine Finger zu abenteuerlichen Gebilden, packte damit die Handstützen, nahm den Gabenlöffel, mit der Schrift nach unten, zwischen die Zähne und kroch mit einer Gewandtheit und Sicherheit durch das inzwischen wieder erwachte Straßengewühl, als wenn er sich seit seinem ersten Lebensjahr nicht anders als auf allen Vieren fortbewegt hätte.
Etwas mühsam! dachte er und spuckte einem Kurumaya, der ihm zu nahe gekommen war, auf die staubigen Füße.
Endlich hockte er auf dem blankgescheuerten Parkettplatz vor dem Tokio-Hotel. Seine Miene war so wirkungsvoll und seine Maske war so echt, daß sich auch der dickfellige Holländer, der eben von seiner Ausfahrt zurückkam, nicht des Mitleids erwehren konnte.