Aber sie war leider da. Sie hatte sogar, um nur recht aufzufallen, über die Toppen geflaggt.

Schade! dachte er, warf dem Lloyddampfer einen Abschiedsblick zu und ging in eine Hafenschenke, um sich in aller Ruhe zu überlegen, wie er sich weiter durch die Welt schlagen könnte, ohne Dodd in die Hände zu laufen. Zunächst mußte er sich über den Kursstand der amerikanischen Kupferpapiere orientieren. Zu dem Zweck blätterte er in der englischen Tokio-Times, suchte aber darin vergeblich die Kupferkurse, für die sich die japanische Oeffentlichkeit offenbar nicht mehr interessierte, weil sie gar zu tief standen. Dagegen fand er etwas anderes, was für ihn noch interessanter war, nämlich seinen Steckbrief. Die genaue Beschreibung seiner Physiognomie und seiner früheren Kleidung ließ nichts zu wünschen übrig. Als Unterschrift trug der Steckbrief: Bobby Dodd, Tokio, Tokio-Hotel.

Hm! dachte Peter Voß, der sich in dem abgelegten Maschinistenanzug, dem die Uniformknöpfe fehlten, durchaus sicher fühlte. Ich muß doch mal sehen, ob Polly noch bei ihm ist!

Mit der Eisenbahn fuhr er die kurze Strecke nach Tokio hinauf und hatte bald das Hotel gefunden. Von dem gegenüberliegenden Teehause aus hielt er das Portal des Hotels unter scharfer Beobachtung. Als Deckung diente ihm eine große amerikanische Zeitung, in deren Kurszettel er sich vertiefte. Da aber diese Nummer schon vor drei Wochen gedruckt worden war, konnte sie ihm über die Kupferpapiere, die tatsächlich in den letzten Tagen leise angezogen hatten, noch nichts Erfreuliches mitteilen.

Da sauste eine Jinrikscha, eine von einem Kurumaya, dem Wagenmann, gezogene zweirädrige Karre, die in Tokio die Stelle der Droschke vertritt, die Straße herauf und hielt vor dem Hotel. Ein Mann stieg aus, der Peter Voß sehr bekannt vorkam.

Es war kein anderer als Bobby Dodd, sein Verfolger. Er schien sehr große Eile zu haben, denn er vergaß sogar, dem lahmen Bettler, der neben dem Hotelportal hockte, ein Almosen zu geben, obschon ihm dieser arme Mann sein löffelförmiges Sammelbrett dicht unter die Nase hielt. Mit langen Schritten schoß Dodd ins Hotel.

Peter Voß war nicht überrascht und handhabte die schützende Zeitung mit gesteigerter Vorsicht. Gleich darauf sah er Polly, wie sie ein Fenster im zweiten Stock aufstieß und neugierig auf das bunte Straßengewühl herunterschaute. Peter Voßens Herz tat einen Freudensprung. Zum Anbeißen schön war sie. Sie lächelte sogar und schien gänzlich unbekümmert zu sein, als sei ihr Mann soeben Mitinhaber der Firma Stockes & Yarker geworden.

Tausend Möglichkeiten schossen durch sein Hirn, wie er sich ihr gefahrlos nähern könnte, aber alle verwarf er, getreulich seinem Grundsatz, lieber tausend Prozent Vorsicht zu viel als ein Prozent zu wenig aufzuwenden.

Neben dem Hotel standen einige Jinrikschamänner mit ihren leichten Gefährten. Wenn er mit einem die Rollen tauschte, dann würde er, wenn Polly erschien, sich herandrängen, um mit ihr im rasenden Tempo davonzufahren, bis die Gegend einsam genug war, daß er ihr um den Hals fallen konnte. Da aber in diesem Moment ein mindestens drei Zentner schwerer holländischer Pflanzer aus dem Hotel trat und schnaufend auf eines der Wägelchen kroch, sah Peter Voß auch von diesem Plane ab. Es war ihm überdies schon was Besseres eingefallen. Der alte, lahme, kahlköpfige Bettler schien ihm für einen Rollentausch geeigneter zu sein. Fast jeder Hotelgast, der aus dem Portal trat, legte dem Unglücklichen etwas auf das breite Sammelbrett. Der Mann brauchte gar nicht den Mund aufzutun. Peter Voß beobachtete ihn längere Zeit sehr genau und prägte sich seine Gesten und seine bejammernswerte Miene ganz genau ein. Er sah auch wirklich rein zum Erbarmen aus. Ueber dem linken Auge klebte ihm ein schwarzes Pflaster, und die Finger seiner Hände waren von irgendeiner schrecklichen Krankheit nach den verschiedensten Richtungen krumm gezogen.

Der Kerl hat eine gute Einnahme! dachte Peter Voß und überzählte in Gedanken seine wenigen Jenstücke. Was er wohl dafür verlangt, um mich ein paar Stunden an seinen Platz zu lassen? Ich könnte ihm ja auch die Hälfte der Einnahme geben!