Peter Voß erkannte daraus, daß eine weitere Unterhaltung vorläufig zwecklos sei, und ging zu Polly, die auf dem Promenadendeck in einem langen Stuhle saß.
„Mr. Dodd!“ empfing sie ihn mit einem bezaubernden Lächeln und reichte ihm die zarte Hand, die er an den Mund führte, wobei er ihr zärtlich in den kleinen Finger biß. „Was macht der Gefangene?“
„Er scheint Sehnsucht nach Ihnen zu haben!“ versetzte Peter Voß. „Wollen Sie ihn nicht trösten gehen?“
„Nein!“ erwiderte sie sehr abweisend. „Ich will ihn nicht wiedersehen, er hat meine Liebe für immer verscherzt. Ich sehe es nun ein, einen Millionendieb liebt man nicht.“
Die Passagiere, die Dodds Spaziergänge beobachteten und deren Neugier befriedigt werden mußte, begnügten sich mit der Erklärung, daß der Mann verrückt geworden sei. Sie bedauerten seine arme Frau und fanden es verständlich, daß sie sich von Peter Voß, aus dem sie geschwind einen Irrenarzt machten, etwas trösten ließ. Kapitän Flintwell, der sie am liebsten selbst getröstet hätte, fand Peter Voßens Verhalten etwas merkwürdig.
„Sie sind ziemlich vertraut mit Mrs. Voß!“ meinte er anzüglich.
„Was bleibt mir anderes übrig?“ lächelte Peter Voß. „Auch bei ihr versuche ich es in Güte. Sie ist, wie Sie ja wissen, seine Komplicin, sie weiß ganz sicher den Versteck des Geldes, aber sie ist noch zäher als er.“
„Hm!“ machte der Kapitän nachdenklich. „Aber warum hat sie ihn denn verraten?“
„Sie kennen eben die Weiber nicht, Herr Kapitän!“ belehrte ihn Peter Voß wohlwollend. „Das ist ein besonderes Kapitel in der Weltgeschichte. Sie hat ihn verraten, weil sie ihn los sein will. Sie will die zwei Millionen ohne ihn verzehren. Sie wird sich jedenfalls siebenunddreißig Liebhaber anschaffen, sobald ihr Mann im Zuchthaus sitzt. Und dann hat sie doch gleich einen ganz famosen Scheidungsgrund.“
Dem Kapitän traten ob solch tiefer Verworfenheit die Haare kreuzweis zu Berge. Sie begaben sich erst bei der vierten Flasche Sekt in ihre Gewohnheitslage zurück.