„Hm!“ lächelte der Anwalt verständnisinnig. „Sie haben das schon dem Untersuchungsrichter gegenüber behauptet. Ich habe die Akten soeben eingesehen.“
„Wer hat Sie mit meiner Verteidigung beauftragt?“ forschte Peter Voß.
„Wer sonst als Ihre Frau!“ rief der Anwalt. „Ein entzückendes Frauchen. Sie muß Sie sehr lieb haben, denn sie ist felsenfest von Ihrer Unschuld überzeugt. Nun, ich habe ihr den schönen Traum nicht zerstört. Sie wird Ihnen treu bleiben, auch wenn Sie lebenslänglich ins Zuchthaus müßten. Sie würde dieses Urteil stets für einen Justizirrtum halten.“
„Ich auch!“ rief Peter Voß.
„Gut, gut!“ lachte der Anwalt. „Mir brauchen Sie nichts vorzumachen. Ich soll also auf Ihren Freispruch plädieren. Wird gemacht! Aber woraufhin? Etwa auf Ihre famose Behauptung, daß Sie die Millionen nicht gestohlen haben? Mir müssen Sie schon reinen Wein einschenken. Also im Vertrauen gesagt, wo haben Sie die Millionen versteckt?“
„Das ist doch rein um mit Keulen drein zu schlagen!“ schrie Peter Voß in komischer Verzweiflung und reckte die geballten Fäuste gegen die Wand.
„Dazu ist nicht der geringste Grund vorhanden, mein Lieber!“ beruhigte ihn der Anwalt. „Sie werden von mir unmöglich verlangen können, daß ich mich lächerlich mache. Sobald ich jedoch auf Ihren Freispruch plädiere, mache ich mich unsterblich lächerlich. Sie haben die Millionen gestohlen. Ich komme soeben von der Lektüre Ihrer Akten. Es ist ein schönes Bündel. Es liegen die von Ihnen geführten Geschäftsbücher der Firma Stockes & Yarker dabei. Sie sind musterhaft geführt. Das wird Ihnen sogar der Staatsanwalt bestätigen. Auch die Berichte Bobby Dodds liegen dabei. Sie lesen sich wie ein spannender Roman, wenn nur der Stil nicht gar zu trocken wäre. Und aus all den Beilagen geht mit unverrückbarer Gewißheit hervor, daß Sie und kein anderer die Millionen gestohlen haben. Auf welche Ausrede hin soll ich Ihren Freispruch erzielen können? Wie wollen Sie diese Beweise entkräftigen?“
„Sehr einfach!“ versetzte Peter Voß, der inzwischen eingesehen hatte, daß er von seinem aufs beste getrockneten Pulver diesem Anwalt gegenüber ein wenig losbrennen mußte. „Ich habe den Diebstahl nur fingiert.“
Der Anwalt lächelte ungläubig.
„Ich bin Kassierer bei der Firma Stockes & Yarker gewesen,“ erklärte Peter Voß; „der Chef dieser Firma, übrigens ein braver Mann, hat in der Zeit meines Kassiererseins zwei Millionen Dollar verspekuliert. Nicht auf einmal, sondern im Laufe einiger Jahre. Ich war der einzige, der über den Vermögensstand der Firma genau orientiert war. Der Inhaber der Firma hat sich immer auf mich verlassen. Die Firma ging dem sichern Ruin entgegen. Ich hatte eine gute, vortrefflich bezahlte Stellung, die ich unbedingt verloren hätte, wenn die Firma aufgeflogen wäre. Ich begann deshalb die Bücher zu fälschen, allerdings erst im letzten Quartal, da uns das Wasser bereits an der Kehle stand. Ich hoffte immer noch auf einen guten Coup. Aber der Chef war ein ausgemachter Pechvogel.“