*Berlin,*
Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung
Harrwitz & Gossmann.
1873.

[Page II: blank]

[Page III]

Meinem lieben Freunde und hochverehrten Lehrer dem *D^R. KARL KAHLBAUM* Director der Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthskranke in Görlitz als ein Zeichen aufrichtigster Dankbarkeit zugeeignet.

[Page IV: blank]

[Page V]

Wenn ich Dir, lieber Kahlbaum, das vorliegende Büchelchen auf den Weihnachtstisch lege, so weiss ich freilich, dass ich Dir mit demselben keine unerwartete Ueberraschung bereite; denn Du hast ja um das Entstehen des kleinen Werkes gewusst und an ihm von Anfang an den lebhaftesten Antheil genommen. Doch hoffe ich Dir damit trotzdem eine kleine Freude zu bereiten. Vor Allem aber möchte ich Dir mit der Widmung dieses Buches einen geringen Theil des Dankes abtragen, den ich Dir in so reichem Maasse schulde für das herzliche Interesse, das Du stets an mir und meiner geistigen Ausbildung genommen, für die freundliche Theilnahme, die Du meinen Studien geschenkt, für Deine stete Bereitschaft, auf meine Pläne und Arbeiten einzugehen und mich dabei mit treuem Rathe zu unterstützen. — Unter Deiner Leitung bin ich in einen Beruf voll Ernst und Mühe eingetreten, Du hast in mir von Anfang an ein wahres wissenschaftliches Interesse für denselben zu erwecken gewusst und mir in rückhaltslosester Weise die reichen Schätze Deines Wissens und Deiner Erfahrungen aufgeschlossen. Vorzüglich bin ich auch dafür dankbar, dass Du mich auf die Anknüpfungspunkte achten gelehrt hast, die unsere Specialwissenschaft, die Psychiatrie, mit den anderen Gebieten des Wissens in Zusammenhang erhalten und mich namentlich auf die Psychologie als eine mir bis dahin ziemlich fremde, für die Psychiatrie aber unent-

[Page VI]

behrliche Wissenschaft hingewiesen hast. Von Dir werde ich am wenigsten den Vorwurf zu fürchten haben, dass ich mich mit meiner vorliegenden Arbeit zu weit von unserem Specialgebiete entfernt habe; zumal Du weisst, dass dieselbe eigentlich die Frucht meiner Vorstudien zu einer Psychologie des gesunden und kranken Gefühlslebens ist. Das vorliegende Thema bot durch die in ihm sich vollziehende enge Verknüpfung der Physiologie mit der Psychologie den besten Ausgangspunkt, um das eben erwähnte Gebiet nach der naturwissenschaftlichen und experimentellen Methode zu durchforschen. Wenn meine Arbeit, wie ich hoffe, nicht ganz erfolglos gewesen ist, so scheint mir das hauptsächlich für die Richtigkeit der eingeschlagenen Methode zu sprechen. Schon Wundt hat in seinen „Beiträgen zur Theorie der Sinneswahrnehmungen" [1] der ausgedehnten Anwendung des Experiments in der Psychologie lebhaft das Wort geredet und ich verdanke dem eben erwähnten Buche eine nicht unerhebliche Förderung und Klärung meiner Ideen. Als ferneres Hilfsmittel, um die Psychologie mit Erfolg weiter auszubauen, betrachtet Wundt die Erweiterung der bisherigen Beobachtungsmethoden durch Heranziehung der Statistik, der Entwicklungsgeschichte der Seele und der vergleichenden Psychologie, welch letztere Wissenschaft zum Theil in Gestalt der Völkerpsychologie vor Allem durch die unermüdlichen und gründlichen Forschungen von Lazarus und Steinthal [2] für die allgemeine Psychologie schon von grösster Bedeutung geworden ist. — Durch Dich habe ich endlich den hohen Werth der Psychiatrie als Hilfswissenschaft der Psychologie schätzen gelernt. Sowie die krankhaften Erscheinungen an den körperlichen Organen oft einem exacten physiologischen Experimente gleichkommen, durch welches der Physiologe über bis dahin unentschiedene Fragen genauen Aufschluss erhält, so kann uns auch eine krankhafte

[1] Leipzig u. Heidelberg 1862. [2] Zeitschr. f. Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft. Berlin 1859-72.