einem andern Grunde. Es kommt deshalb in jedem einzelnen Falle einerseits darauf an, alle möglichen Auffassungsweisen in's Auge zu fassen, und die einander entsprechenden angenehmen und unangenehmen Gefühle zu sondern, andererseits aber auch die den Umständen entsprechenden hauptsächlich wirkenden Factoren, die einem vorliegenden Beispiele seinen eigentlichen Charakter gehen, herauszuheben. Natürlich habe ich zunächst, da es mir darauf ankam, die Elemente des Komischen zu demonstriren, solche Beispiele wählen müssen, die möglichst einfach sind. In einer Anekdote der gewöhnlichsten Art stecken häufig 6-8 verschiedene Gefühlsquellen.

Es würde jetzt weiter die Frage entstehen, ob die angenehmen wie unangenehmen Gefühle aus *jeder* der oben angegebenen Ursachen in den komischen Contrast eingehen können. Wäre dies der Fall, so würden wir durch einfache Combinirung der möglichen Quellen der beiden Gefühlsgegensätze verschiedene Formen des Komischen herleiten können. Die Erfahrung lehrt, dass dies nicht unbedingt der Fall ist und als Grund dafür müssen wir eine Thatsache anführen, deren Beweis erst später folgt, dass nämlich jene beiden entgegengesetzten Gefühle in einem bestimmten Verhältnisse der Stärke zu einander stehen müssen, und zwar so, dass keines vor dem andern das unbedingte Uebergewicht erlangt. Es würde nämlich sonst das stärkere Gefühl ohne Weiteres das schwächere auslöschen, zum Verschwinden bringen und höchstens dadurch von seiner eigenen Kraft etwas einbüssen; ein Kampf der beiden Gefühle aber, wie wir ihn zum Zustandekommen des Lächerlichen als nothwendig erkennen werden, könnte nicht entstehen. Nehmen wir diese Thatsachen von der nothwendig erforderlichen, annähernd gleichen Stärke der beiden Gefühle vorläufig als feststehend an, so müssen wir in Erinnerung an das oben Gesagte eine Quelle derselben sofort streichen. Wir sahen nämlich schon oben, dass die erleichterte Association einer gegebenen Vorstellung mit einer erst nach den Normen der Ideenassociation zu weckenden in der Regel ein kaum merkliches Gefühl hervorruft und es wird uns deshalb natürlich scheinen, dass dasselbe etwa einer Verletzung der ideellen Normen nicht das Gleichgewicht halten kann. Vielmehr muss in solchem Fall das angenehme Ge-

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fühl, um überhaupt in den komischen Contrast eingehen zu können, noch aus anderer Quelle her eine Unterstützung erfahren, und zwar dadurch, dass die eine Vorstellung die andere mit ihr zu associirende als eine im Bewusstsein schon vorhandene, herrschende, d. h. durch die komische Situation und Erzählung selbst dargebotene, antrifft. Dasselbe gilt für das aus gleichen Quellen fliessende unangenehme Gefühl. Durch diese Einschränkung modificirt sich aber unsere obige Aufstellung der Gefühle in folgender Weise. —

Als zum komischen Contrast tauglich kennen wir:

A. Angenehme Gefühle,

1) aus der Coincidenz einer im komischen Object enthaltenen Vorstellung mit den logischen, praktischen oder ideellen Normen;

2) aus der Uebereinstimmung zweier dargebotenen Vorstellungen unter einander — in Rücksicht auf die logischen, praktischen und ideellen Normen oder auf die Normen der Ideenassociation.

B. Unangenehme Gefühle,

1) aus der Disharmonie einer im komischen Object enthaltenen Vorstellung mit den logischen, praktischen und ideellen Normen; und