Also Unlust und Lust gehen beide aus den verschiedenen Beziehungen hervor, in welche diese eine Vorstellung des Hässlichen einerseits zu unseren ästhetischen Ideen, andererseits zu unseren mangelhaft entwickelten ethischen und praktischen Normen tritt. — Keineswegs aber spielt, wie wir schon sagten, das Gefühl der Ueberlegenheit bei allen Arten des Komischen dieselbe Rolle; Ja, wir können sogar über die nämlichen eben angeführten Körpergebrechen und Schönheitsfehler in ganz anderm Sinne lachen, indem das angenehme Gefühl sich aus einer von der vorigen vollständig verschiedenen Quelle herleitet. — Wenn wir als gebildete Menschen den dicken Hans Fallstuff, ganz abgesehen von seinem trefflichen Witz und Humor, bloss seiner
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unförmigen Erscheinung wegen belachen, so spielt gewiss das Gefühl unserer Ueberlegenheit dabei nur eine verschwindend kleine Rolle; dagegen tritt hier zur Erzeugung des angenehmen Gefühls ein ganz anderes Moment in Wirksamkeit. Ausser der Vorstellung der Hässlichkeit wird uns nämlich durch die Erscheinung unseres Helden die durch sein Reden und Thun bestätigte Vorstellung von seiner maasslosen Schlemmerei und Völlerei aufgedrungen. Diese seine Untugenden beleidigen ebenfalls unser Gefühl, andererseits treten nun diese beiden Vorstellungen, d. h. die von seiner unnatürlichen und ihm selbst höchst lästigen Körperfülle und die von seiner Völlerei in eine leichte Verbindung, indem der zwischen beiden sich herstellende ursächliche Zusammenhang unserer Gerechtigkeitsidee entspricht. Wir sehen seine Dicke als die gerechte Strafe für seine Unmässigkeit an, daraus aber erzeugt sich ein angenehmes Gefühl. —
Spielt in den eben angeführten Beispielen zur Erzeugung der Gefühle die Harmonie resp. Disharmonie mit den ideellen Normen eine Rolle, so sehen wir im folgenden Beispiele die Normen der Ideenassociation sich betheiligen. Bei den uns lächerlich erscheinenden Anachronismen, wo wir z. B. auf einem Bilde Kanonen vor Troja erblicken, entsteht das unangenehme Gefühl durch die nach der Norm der Gleichzeitigkeit uns unmöglich gemachte Vereinigung der beiden uns dargebotenen Vorstellungen (Troja und Kanonen). Das angenehme Gefühl dagegen geht wieder aus der Beziehung jener Vorstellungen zu unserem Selbstgefühl hervor. Unser Besserwissen Macht uns Freude. —
Wir haben also durch die bisherigen Beispiele vorläufig bestätigt gefunden, dass im Komischen, wenigstens in der ersten Form desselben (der sog. Narrheit oder Posse), ein Inhalt steckt, der nach dem oben ausführlich abgeleiteten Gesetz einerseits ein angenehmes, andererseits ein unangenehmes Gefühl verursacht. Dass auch in allen nur denkbaren Beispielen des Komischen dasselbe Gesetz sich bestätigt, werden wir bald sehen, wenn wir die einzelnen Formen ableiten. Wir haben jetzt weiter nachzuweisen, dass auch für den Witz das oben Gesagte Geltung hat. Ich bringe zuerst ein Beispiel von der
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einfachsten und ursprünglichsten Art der Witze, nämlich von den Klangwitzen, wie sie in den sogenannten Frageräthseln der Kinder gebräuchlich sind: Welche Tracht kleidet am besten? — die Eintracht. — Welche Ringe sind nicht rund? — die Häringe etc. — In Frage und Antwort sind die beiden dargebotenen Vorstellungen enthalten. Dieselben lassen sich in Bezug auf die logischen Normen nicht mit einander vereinigen: Tracht und Eintracht — Ring und Häring haben rücksichtlich ihrer Bedeutung nicht das Geringste mit einander zu schaffen, und durch den erzwungenen Zusammenhang, in den sie gebracht sind, entsteht ein unangenehmes Gefühl. Andererseits aber gehen diese Worte vermöge ihrer Klangähnlichkeit (also nach der 3. Norm der Ideenassociation) doch leicht eine Verbindung mit einander ein und erregen dadurch ein Lustgefühl. Als 2. Beispiel führe ich einen guten Witz von Kant an, der einmal in einer Damengesellschaft die scherzhafte Behauptung aufstellte, dass Frauen nicht in den Himmel kämen, denn in der Offenbarung Johannis stehe geschrieben, es sei im Himmel eine Stille von einer halben Stunde gewesen; eine solche Stille aber sei, wo Frauen anwesend sich befinden, nicht möglich.
Wir haben hier 2 Vorstellungsreihen (die Bibelstelle und den daraus gezogenen Schluss), die sich nach den logischen Normen nicht mit einander vereinigen lassen, denn jene Schriftstelle steht mit Kant's Behauptung eigentlich in gar keinem Zusammenhang. Andererseits aber ist durch die geschickte Auslegung in Rücksicht auf unsere Wahrheitsidee doch eine leichte Verbindung zwischen diesen beiden Vorstellungsreihen möglich gemacht.
Also auch beim Witz finden wir die oben aufgedeckten Quellen der Lust und Unlust wieder. Wir konnten aber auch schon an diesen einfachen Beispielen eine weitere Bemerkung machen, dass nämlich die Ursachen der beiderseitigen Gefühle häufig mehrfache sind. In den späteren Beispielen werden wir dies noch in höherem Maasse bestätigt finden. Natürlich steigert sich durch diese Häufung der Gefühlsgegensätze die komische Wirkung im Allgemeinen, gleichzeitig wird daraus aber auch die Thatsache verständlich, dass drei bis vier Personen über dasselbe Object lachen können, jeder aus
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