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aus der geförderten, respective gehemmten Association und Assimilation hervorgehen, so erkennen wir:
A. Als Quelle angenehmer Gefühle
1) die Harmonie einer Vorstellung mit einer erst zu weckenden nach den Normen der Gleichzeitigkeit, Reihenfolge und Aehnlichkeit; 2) die Coincedenz mit den logischen, praktischen und ideellen Normen; 3) die Uebereinstimmung mit der momentan das Bewusstsein beherrschenden Vorstellungsreihe.
B. Als Quelle unangenehmer Gefühle
die Disharmonie in den genannten drei Punkten. —
Versuchen wir jetzt, die hier gewonnenen psychologischen Resultate zur Theorie des Lächerlichen zu verwerthen. Wir hatten oben für unsere Untersuchung das Ziel gesteckt, den Nachweis zu liefern, dass die im komischen Object enthaltenen Vorstellungen durch ihre Einwirkung auf unsere Seele sowohl die angenehmen wie unangenehmen Gefühle hervorrufen, welche zusammengenommen das Wesen des Komischen ausmachen. Wir haben nun gesehen, was wir unter Lust und Unlust verstehen und wie diese Gefühle zu Stande kommen und wollen jetzt zunächst die Probe zu machen suchen, ob wir wirklich im Komischen jene beiden Factoren in obigem Sinne nachweisen können. Sehen wir uns nach Beispielen um, so finden wir zunächst, dass man das Komische in eine grössere oder beschränktere Zahl von Hauptgruppen eingetheilt hat. Schopenhauer kennt nur zwei Hauptformen des Lächerlichen, nämlich: die sog. Narrheit und den Witz. Vischer dagegen unterscheidet das objectiv Komische oder die Posse, das subjectiv Komische oder den Witz, das absolut Komische oder den Humor. In Bezug auf die ersten beiden Formen stimmt er mit Schopenhauer überein. In Rücksicht auf die letzte Form bemerke ich dass nach Lazarus, dem ich mich vollkommen anschliesse, der Humor sich dem Komischen nicht unterordnet, sondern eine Stelle neben demselben einnimmt, wie wir später sehen werden.
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Wir behalten demnach als die bisher gebräuchlichsten und anerkennenswerthen Formen nur die Narrheit (oder Posse) und den Witz übrig. Aus diesen beiden Formen wollen wir nun Beispiele wählen, und an diesen zunächst unsere obige Behauptung vorläufig zu erweisen suchen. Es wird dann eine Eintheilung des Komischen folgen, in der unsere Theorie des Lächerlichen durch weitere Beispiele noch näher erläutert werden soll.
In der Form des Komischen, welche Vischer das objectiv Komische nennt, erwähnt er als Beispiele niedrigsten Grades zunächst die in der Posse am häufigsten als Gegenstand des Gelächters dienenden Körpergebrechen. Das Volk lacht da über einen Höcker, einen dicken Bauch oder über tölpelhafte Ungeschicklichkeit u. dergl. Auf dieses Lachen findet die schon oben erwähnte Hobbes'sche Erklärung ihre Anwendung. Uebertragen wir dieselbe in unsere psychologische Form, so finden wir den Grund dieses Lächerlichen in Folgendem: Die durch den Anblick eines Buckligen u. dergl. entstandene Vorstellung seiner Hässlichkeit tritt mit unseren ästhetischen Ideen in Gegensatz und erzeugt ein unangenehmes Gefühl. Andererseits aber wird dadurch, dass sich dieselbe Vorstellung mit der auf unser eigenes Selbst bezüglichen niedrigsten Entwickelungsstufe der ethischen und praktischen Normen in Beziehung setzt und mit diesen übereinstimmt, das angenehme Gefühl der Verschonung der eigenen Person, des „Sichbesserdünkens" erregt. —