Kam bei der vorher besprochenen Form des einfach Komischen überhaupt nur eine Vorstellung in Frage, die durch ihre Harmonie mit einzelnen und Disharmonie mit anderen Normen die beiden einander conträren Gefühle erregte, so sind bei der vorliegenden Form zwei im Komischen selbst enthaltene Vorstellungen zur Erzeugung des angenehmen Gefühls thätig während zum unangenehmen Gefühl wiederum nur eine der beiden gegebenen Vorstellungen die Ursache giebt. —
[1] Vergl. weiter unten das bei „Ironie" Gesagte. [2] Aus Lazarus l. c. p. 206.
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Wir haben hier die sogenannte
*Gerechte Schadenfreude*
zu erwähnen, bei welcher das unangenehme Gefühl aus dem Verstosse einer gegebenen Vorstellungsreihe gegen irgend eine der beiden Normen hervorgeht, während das angenehme Gefühl daraus resultirt, dass eine zweite gleichzeitig gegebene Vorstellung sich mit jener ersten in Rücksicht auf die ethische Norm der Gerechtigkeit leicht verbindet. Die beiden Vorstellungen stehen dabei in dem Verhältniss von Ursache und Wirkung — von Vergehen und Strafe. Während uns einerseits die Dummheit, Schlechtigkeit u. dergl. ärgert, wird andererseits durch die gleichzeitig eintretende Strafe unser Gerechtigkeitsgefühl befriedigt. — Wir haben schon oben in dem zweiten vorläufigen Beispiel angeführt, wie in diesem Sinne auch den Gebildeten die Corpulenz eines Falstaff zum Lachen reizen kann. Wir erwähnen hier noch, als ähnliche sinnlich-hässliche Gegenstände des Gelächters, die Glatze und die rothe Nase, da wir auch diese Fehler (freilich nicht immer mit Recht) als Folgen einer etwas lockeren, üppigen Lebensweise anzusehen gewohnt sind, und wir demnach statt Mitleid mit dem also Entstellten zu empfinden, vielmehr durch die Befriedigung unserer Gerechtigkeitsidee angenehm berührt werden.
In demselben Sinne kann ein Gebildeter auch über die Dummheit lachen, nicht sowohl insofern er sich seines Besserwissens freut, als vielmehr in der Voraussetzung, dass die Dummheit mehr oder weniger auf eigenem Verschulden beruht und wir die den Dummen treffende Blamage oder auch einen geringen Schaden, den er erleidet, als verdient und ihm von Rechtswegen zukommend ansehen. —
Zu beachten ist aber hierbei ein sehr wichtiger Umstand (der gleichzeitig am besten die Richtigkeit meiner Erklärung beweist): Die Strafe darf nicht das uns gerecht erscheinende Maass überschreiten, sonst hört die komische Wirkung in dem jetzt besprochenen Sinne auf. Wir lachen über einen ungeschickten Menschen, wenn er in Folge seiner Ungeschicklichkeit ein mässiges Unheil anrichtet, etwa hinfällt und im Fallen sein Beinkleid an einer am wenigsten dazu geeigneten Stelle auf-
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reisst. Sobald wir aber sehen, dass der Fallende sich ein Bein gebrochen, oder sich sonst erheblich verletzt hat, so werden wir nicht mehr lachen, da die ihn treffende Strafe das uns gerecht erscheinende Maass bei Weitem überschritten hat. Das hat wohl Aristoteles mit seinem anôdunon ou phthartikon auch eigentlich sagen wollen: Ein Schmerz oder Schaden muss wohl vorhanden sein, derselbe darf aber über ein gewisses Maass nicht hinausgehen und muss verdient erscheinen. Um ein weiteres hierher gehöriges Beispiel anzuführen, erinnere ich an jenes Bild, einen Bauer darstellend, der damit beschäftigt ist, einen Baumast abzusägen, auf dessen äusserstem Ende er selbst sitzt. Die komische Wirkung dieser Darstellung beruht offenbar darauf, dass einerseits die Dummheit des Bauern, d. h. der Contrast seiner Handlung mit der Idee von praktischer Klugheit uns unangenehm berührt, während andererseits der in dem Bilde als unabwendbar bevorstehend gezeigte Fall aus der mässigen Höhe uns als Strafe für jene Thorheit gerecht erscheint, und somit wegen seiner leichten Verbindung mit jener ersten Vorstellung in Bezug auf die Gerechtigkeitsidee unserem Gefühle zusagt. Denken wir uns nun aber das Bild so verändert, dass jener Baumast über einem gähnenden Abgrunde schwebe, in welchen der Mensch nun hineinzufallen droht, so lachen wir nicht mehr, weil die Strafe für seine Dummheit bei Weitem das entsprechende Maass überschreitet und unsere Gerechtigkeitsidee dadurch umgekehrt gerade beleidigt würde. Der Umstand übrigens — das sei zum Schlusse noch erwähnt — dass die eine Vorstellung (die des Herabfallens) nicht unmittelbar im Bilde vorhanden ist, thut nichts zur Sache, und ändert die Auffassung dieser Form nicht. Es wird diese Vorstellung jedenfalls durch das Bild hervorgerufen, und geht mit in den komischen Contrast ein; ganz ebenso wie in den ersten Beispielen die rothe Nase uns ohne Weiteres die Vorstellung des Trinkens erweckt und diese nun ganz so wie eine unmittelbar dargebotene sich an dem Contrast betheiligt [1]. Auch dadurch endlich verfällt die Dummheit oft dem Gelächter, selbst der Gebildeten, dass sie sich, mit vielem Selbstgefühl gepaart, den