leitet sein unangenehmes Gefühl her aus der Disharmonie zwischen der poetischen Darstellung und dem Inhalt. Beim Burlesken werden ernste, wichtige und erhabene Dinge in einer unwürdigen und sie herabsetzenden Weise vorgetragen. Als Beispiel mag Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt" gelten. Beim Heroisch-Komischen werden ganz unbedeutende Gegenstände durch die Sprache als bedeutende dargestellt, wie z. B. in Blumauers Aeneïde. —

So lange das Burleske und Heroisch-Komische nicht zugleich witzig ist (was aber meist der Fall ist) steht der, aus der oben genannten Quelle fliessenden Unlust, ein Lustgefühl gegenüber, das wie bei der vorigen Form nur aus dem gesteigerten Selbstgefühl des Besserwissens entspringt.

Wir kommen jetzt zur letzten Hauptform des Komischen, die wir nannten:

*IV. Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellungen oder den
Witz.*

Der Witz ist eine der ausgedehntesten Formen des Komischen und erfreut sich gerade bei den Gebildeten einer besonderen Beliebtheit und doch steht er dem grössten Theile seines Inhalts nach auf keiner hohen Stufe, indem bei ihm das angenehme Gefühl (in der Regel) ohne Betheiligung sittlichen Wohlgefallens zu Stande kommt. Die logischen Normen und die Normen der Ideenassociation sind es vorwiegend, die bei ihm eine Rolle spielen, während die Beziehungen zu den ethischen oder ästhetischen Normen meistens ausserhalb des Witzes, neben diesem vorhanden sind und die komische Wirkung nur erhöhen. — Es hat daher etwas für sich, wenn Vischer in seiner ersten Schrift [1] den Witz: das Komische des Verstandes oder der Reflexion nennt und hervorhebt, dass die Untersuchung des Witzes theilweise mit der Lehre von den Gesetzen der Ideenassociation zusammenfalle. Das wesentlichste Merkmal des Witzes allen übrigen Formen des Komischen gegenüber ist aber Folgendes:

[1] Erhab. u. Komische p. 196 u. 198.

[Page 57]

Beim Witz entsteht die Unlust wie die Lust aus *zwei* Vorstellungen, deren Unvereinbarkeit, und doch wiederum mögliche Vereinbarkeit mit einander, die Quelle der Gefühle bildet, während bei den übrigen Formen entweder nur eine Vorstellung beide Gefühle erzeugte, oder zwei dargebotene Vorstellungen doch nur zur Erregung des einen der Gefühlsgegensätze thätig waren.

Indem die zwei dargebotenen Vorstellungen zunächst nur unter einander und nicht zu unserem ganzen Ich (zu den ideellen etc. Normen) in Beziehung treten, regt der Witz unsere Interessen viel weniger an, als alle übrigen Formen des Komischen. Ganz richtig sagt deshalb Jean Paul von ihm: „er achtet nichts und verachtet nichts, Alles ist ihm gleich, sobald es gleich und ähnlich wird".

Sehen wir davon ab, dass der Unterschied des Witzes von den übrigen Formen des Komischen mir bisher nirgend so scharf präcisirt zu sein scheint, so ist er doch im Ganzen von den Autoren am richtigsten aufgefasst. Jean Paul bringt auch über ihn ungemein viel Treffendes, wenn schon er mit seiner eigentlichen Definition nicht glücklich war und den Mangel wissenschaftlicher Schärfe auch hier verräth. — Seine gelegentlichen Bemerkungen z. B., wenn er ihn den verkleideten Priester nennt, der jedes Paar copulirt, sind viel bezeichnender als seine Definition, nach welcher er die alte, in der That unzureichende Auffassung: Der Witz sei eine Fertigkeit, Aehnlichkeiten zwischen Unähnlichem zu finden, in der Art verändert, dass er den Begriff der Vergleichung substituirt, welche eine theilweise Gleichheit bei grösserer Ungleichheit entdeckt. Viel entsprechender ist die Definition von Vischer, der jene alte dahin erweitert: „Der Witz ist eine Fertigkeit mit einer überraschenden Schnelle mehrere Vorstellungen, die nach ihrem inneren Gehalt und dem Nexus, dem sie angehören, einander eigentlich fremd sind, zu Einer zu verbinden." — In dieser Definition ist freilich ungesagt, dass diese Verbindung in gewissen Hinsichten eine gerechtfertigte und uns angenehm berührende sein muss.