IV. Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellung oder der *Witz.* 1) Der Associationswitz. a) Aehnlichkeitswitz (Klangwitz, Carricatur). b) Gleichheits- und Successions-Witz. 2) Doppelsinnwitz. a) Das homonyme Wortspiel. b) Das limitirende Wortspiel. c) Der Witz aus doppelsinniger Construction. d) Der Doppeldeutungs-Witz. e) Die Ironie. f) Der Vexir-Witz . . S. 56-75.
Rückblick auf das ganze Gebiet des Komischen. — Die Pointe. —
Gleichzeitigkeit und gleiche Stärke des angenehmen und unangenehmen
Gefühls im Komischen. — Uebertragung des dem Wettstreit der
Sehfelder zu Grunde liegenden allgemeinen Gesetzes auf das Komische.
Danach das Komische aufzufassen als ein beschleunigter Wettstreit der
Gefühle, ein Hin- und Herschwanken zwischen Lust und Unlust. —
Physiologische Wirkung. — Uebereinstimmung der Resultate S. 75-83.
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*Einleitung.*
Es ist eine allgemein bekannte Erfahrung, dass ein grosser Theil unserer Bewegungen ganz ohne Einfluss des Willens von Statten geht. Die dabei thätigen Muskeln sind entweder solche, die überhaupt nur unwillkürlich wirken — wie die Muskeln des Herzens, des Magens, Darms, der Blutgefässe u. s. w. — oder solche, die nur unter bestimmten Umständen sich der Herrschaft unseres Willens entziehen, dem sie sonst zu gehorchen gewohnt sind.
Wider unseren Willen, ja oft ohne unser Wissen, treten in den verschiedensten Muskelgruppen unwillkürliche geordnete Bewegungen ein, die wir in den meisten Fällen nicht einmal zu hemmen im Stande sind. Wenn wir uns den Finger unversehens stechen, so ziehen wir schnell die Hand zurück, noch ehe unser Wille dazu das Gebot erliess; wenn wir einen Bissen tief in den Schlund hinabschieben, so tritt eine unwillkürliche Schluckbewegung ein; wenn wir den Gaumenbogen und das Zäpfchen kitzeln, werden wir zu Brechbewegungen gezwungen; wenn ein fremder Körper in unsere Nase eindringt, oder wir die Schleimhaut derselben mit einem Federbart reizen, so erfolgt eine gewaltsame Krampfbewegung bestimmter Athmungsmuskeln, die wir das Niesen nennen u. s. w.
Da wir nun wissen, dass in unserem Organismus keine Bewegung zu Stande kommen kann ohne eine Erregung der den Muskel versorgenden Bewegungsnerven, und es ferner ersichtlich ist, dass diese Nervenerregung stets eine bestimmte Ursache, einen Ausgangspunkt haben muss, so erscheint die Frage nach der Quelle der eben mitgetheilten Bewegungen wohl gerechtfertigt. Während sonst der Wille vom Gehirn aus die zu den verschiedenen Muskeln tretenden Bewegungsnerven innervirt
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(anregt), sehen wir hier ohne diesen gewöhnlichen Reiz eine Muskelaction zu Stande kommen. Welcher andere Reiz also ist es, der unseren Willen die Herrschaft über die Muskeln streitig zu machen sucht?
Wenn wir die Reihe der oben angeführten Beispiele, die wir leicht noch bedeutend vermehren könnten, betrachten, so sehen wir, dass der Bewegung jedesmal eine Reizung bestimmter Empfindungsnerven vorausging, im ersten Fall: der Stich in den Finger, im zweiten Fall: die Berührung des Schlundes u. s. w. Bei der Unabänderlichkeit dieses Verhältnisses war der Schluss nahe gelegt, dass die nachfolgende Bewegung zur vorausgegangenen Empfindung in ursächlicher Beziehung stehe, und in der That hat denn auch eine grosse Zahl sehr exacter Untersuchungen die Erklärung dieses eigenthümlichen Verhältnisses ergeben.