Besonders viel Fässer zur Aufbewahrung von Aepfelwein werden in Newark gemacht und weit versendet. In einer der größten Werkstätten sah ich mit Staunen, welche Fertigkeit die Arbeiter, welche nichts anderes, als solche Fässer machen, erlangt haben, und mit welchem Geschick der eiserne Hammer, der die Stelle der Klopfkeule und des Schnitzers ersetzt, geführt wird. Eine einfache Vorrichtung am Kamin, mit Anwendung einer Winde, bringt die an der einen Seite, mit einem 1 Zoll starken Bundreif zusammengehaltenen Faßdauben, nachdem solche erwärmt worden sind, in die Façon des Fasses, in welcher es der nun an der andern Seite übergelegte Bundreif erhält, wenn das zum Zusammenwinden gebrauchte Seil abgenommen wird. Das Einstreichen der Kimme (Gärgel), das Abrunden des Bodens, wie das Anlegen der Reife selbst, geht mit bewundernswürdiger Schnelle von Statten, und nur wenige Fässer wurden beim Probiren als leck befunden, und in diesem Fall mit eingelegtem Schilf verwahrt. Mein Landsmann Köhler, welcher mich in diese Werkstätte geleitete, bestätigte die Angabe, daß ein Arbeiter täglich zwei Zwei-Eimer-Fässer nicht nur zusammensetze, sondern dazu auch noch die nöthigen Reife spalten und zurichten müsse. Er habe daher in Amerika erst das, was arbeiten heiße, kennen gelernt und in der ersten Zeit, da diese Faßarbeit nach dem Stück bezahlt wurde, nicht das Salz verdient.

In einer Wagen-Manufaktur, welche ein Patent auf die Anfertigung einspänniger zweiräderiger Stadtwagen erhalten hatte, bei denen nach einer besondern Konstruktion der zusammengesetzte Kasten auf den Federn steht und der Eingang an der hintern Wagenseite angebracht war, wurde besonders der aufgelegte Lack und die bunte Arabesken-Malerei bewundert. Der Amerikaner baust bei derartiger Malerei nur die Hauptpartieen auf und malt die Ausläufe aus freier Hand, da er hier eine zu genaue Symmetrie nicht liebt, sondern so viel mannichfaltige Veränderung anbringt, als möglich.

Besonders merkwürdig war mir in Newark noch die erbaute Eisenbahn, auf welcher Kanalboote vom Fluß-Wasser auf einen nicht unbedeutenden Berg gefahren, oder von der auf der Höhe angelegten Kunst-Wasser-Straße in den am Fuß des Berges weggehenden Fluß herabgelassen wurden. An einer starken eisernen Kette, welche in der Mitte der Eisenbahn liegt, befindet sich der beschwerte Wagen, damit er nicht vom Wasser von den Eisenbahn-Schienen, welche bis weit in jenes hinein angelegt sind, gehoben und das beladene Boot auf den Wagen gefahren werden kann. Eine auf dem Berg befindliche Maschine zieht die Kette mit dem Wagen an und bringt so das oft schwer beladene Wasserfahrzeug langsam auf trockenem Boden die steile Anhöhe hinauf und bis hinter die erste Schleuse. Da angelangt, werden die Thore geschlossen und die hintere Schleuse, welche das Kanalwasser abgesperrt hat, geöffnet, wodurch das eindringende Wasser das Boot vom Wagen hebt, wo solches nun in dem Kanal seinen Lauf fortsetzen kann. — Soll ein Boot hinabgelassen werden und ist es bis auf den Wagen gefahren worden, so wird das Kanalwasser durch Schließung der hintern Thore abgesperrt, und das zwischen den beiden Schleusen befindliche Wasser durch eine Seitenöffnung abgelassen, wodurch der Wagen mit dem Boote trocken auf der Eisenbahn steht, und durch Oeffnen der vordern Schleusenthore nun langsam hinab gleitet, bis, im Flußwasser angelangt, die Fluth ebenfalls das Boot von dem Wagen hebt. Vom Führer aufmerksam gemacht, sah man aus den nachgemachten Gelenken der starken Kette, daß auch der Fall eintritt, daß während des Aufziehens die Kette reißt, wo dann mit Blitzesschnelle der Wagen in die Fluth hinabstürzt und das Boot dann weit auf der Wasserfläche hin gleitet.

Viele, doch weniger für mich interessante Fabrik-Anstalten gab es in Newark noch zu sehen, welche alle zu besuchen meine Zeit nicht erlaubte, da mir vorzüglich daran gelegen seyn mußte, möglichst bald wieder Beschäftigung und Verdienst zu erhalten.

Von Newark bis New-York bieten sich dem Reisenden zwei Fahrgelegenheiten dar, da man dahin mit dem Dampfschiff oder auf der Eisenbahn abgehen kann. Doch keines von Beiden wurde von mir benutzt, da die größte Oekonomie zu beobachten war, und die Fußwanderung längs der Eisenbahn sich auch besser dazu eignete, dieses Kunstwerk zu besehen.

Den 17. August traf ich wieder in New-York ein, wo vor Allem meines Bruders Sohn aufgesucht wurde, welcher aber mit seinem Meister verschwunden und nirgends aufzufinden war. Ein Gleiches war der Fall mit andern Bekannten, von welchen ich Erkundigungen einziehen wollte. Keiner war mehr in seinem alten Quartier oder bei seinem Brodherrn anzutreffen und so sah ich mich genöthigt, da ich kein Kosthaus beziehen konnte, auf gut Glück über den East-River zu fahren, um in Williamsburgh bei unserm Landsmann, dem Maurer Rademacher jun. aus Apolda, wieder einzusprechen, welchen ich bei meiner Ankunft in Amerika schon einmal besucht hatte. — Zum Glück wohnte derselbe noch in seinem alten Quartier und dessen liebe Frau nahm mich, im Namen des Mannes, welcher auf der Arbeit war, gastfreundlich auf. — Hier setzte ich nun nachfolgendes Schreiben, welches in’s Englische übersetzt wurde, auf, fertigte die nöthigen Zeichnungen dazu und übergab solches Mr. John Benson, mit welchem ich schon, wie sich die Leser erinnern werden, vor meiner Abreise in die südlichen Staaten in dieser Angelegenheit unterhandelt hatte. Das Schreiben lautete wörtlich also:

„Auf meiner Reise durch das Innere der Vereinigten Staaten habe ich mich überzeugt, daß die Farmer, welche das Branntweinbrennen nicht ganz großartig und zwar mit Anwendung eiserner kostspieliger Dampfkessel betreiben, nur gewöhnliche kupferne Blasen und Schlangenröhre zum Kühlen im Gebrauch haben und deshalb noch ein Mal so viel Zeit und zwei Mal so viel Holz verbrauchen, als solches der Fall ist, wenn ein Dampf-Brenn-Apparat nach beiliegenden Zeichnungen angewendet wird. Derselbe kann von allen Größen angefertigt werden, kömmt nicht viel höher zu stehen, als die gewöhnlich zum Branntwein-Brennen nöthigen Geräthschaften, liefert sogleich aus der Maische den stärksten Branntwein rein, wohlschmeckend und in möglichst größter Menge, kann in allen einzelnen Theilen gut gereinigt werden, ist leicht zu behandeln, im Gebrauch ganz gefahrlos und nimmt im Brennereilokal nur wenig Raum ein. — Ich bin erbötig Mr. John Benson einen solchen Apparat nach von ihm zu bestimmender Größe anzufertigen, in einer Brennerei aufzustellen, einzumauern und die Behandlung desselben zu zeigen und zwar gegen einen täglichen Lohn von sechszehn Schillingen (zwei Dollars). — Wünscht aber Mr. John Benson, nach genommener Ueberzeugung von der vorzüglichen Brauchbarkeit dieser Erfindung, ein Patent auf die alleinige Anfertigung solcher Dampf-Brenn-Apparate zu besitzen, so hat derselbe sich zuvor erst mit mir abzufinden und die Summe von 1000 Dollars zu zahlen.“

Der Antrag wurde angenommen und den 20. August trat ich wieder in der Kupfer-Fabrik des John Benson auf der Insel Brooklyn, ein.


Vierzigster Brief.