Die Beerdigung John Armstrongs fand am vorigen Freitage Statt; seiner Leiche folgten gegen 700 Personen und viele Kutschen. Viele der Leidtragenden waren mit kleinen Aexten bewaffnet und schwuren laut, den Tod ihres Führers blutig rächen zu wollen. Anstatt durch das furchtbare Geschick Armstrongs gewarnt zu seyn, erhöhte sich nur ihre Erbitterung und da die Behörden erfuhren, daß man einen abermaligen Angriff auf das Haus des Herrn Mager beabsichtige, so wurden vom Mayor und dem Polizeirichter Bloodgood, die einige der folgenden Nächte sich persönlich in der Nähe aufhielten, alle möglichen Vorkehrungen getroffen, um einer Erneuerung dieser Blutscenen vorzubeugen. Ihren Bemühungen war dieß bisher gelungen; doch dürfte es zweckmäßig erscheinen, den hiesigen Deutschen möglichste Vorsicht anzurathen, da es bei dem Charakter jener Bande außer allem Zweifel liegt, daß sie der Gegenstand ihrer erbitterten Rachsucht sind. Da namentlich, wiewohl fälschlich, geglaubt wird, daß deutsche Miliz-Kompagnieen die Hand im Spiele hätten, was man aus einigen aufgegriffenen Gewehren zu folgern scheint, so würde es zweckmäßig seyn, wenn die Schützen-Kompagnie, welche wöchentlich zwei Mal in der Ludlow-St. exerzirt, ihre Gewehre geladen und die Hirschfänger bereit hielte, um beim Nachhausegehen, was wo möglich nicht vereinzelt geschehen sollte, auf mögliche Anfälle vorbereitet zu seyn.

Möchten unsere deutschen Landsleute, so lange als es ohne Lebensgefahr möglich ist, jeder beklagenswerthen Reibung auszuweichen suchen, und nie Anlaß zu andern Tumulten geben; möchten sie aber auch, wenn Raub, Mord, Plünderung und Schändung auf sie lauern, den Verhöhnern aller bürgerlichen und moralischen Gesetze muthig entgegentreten und ihre Rechte nachdrücklich geltend machen. Die Schlechtigkeit wird durch Nachsicht und Nachgeben nur kühner und verwegener, und da, wo der Staat seinen Schutz nicht unmittelbar gewähren kann, beginnt das Recht der Selbsthülfe[55].

Der Mayor von New-York versprach für die Angabe eines Solchen, der an den Unruhen in der Neujahrsnacht Theil nahm, 50 Dollars Belohnung. — „Gut! Aber noch besser wäre es gewesen, wenn 500 Dollars versprochen worden wären.“ —“


Einundvierzigster Brief.

Fortsetzung.

(Banken.)

Im November 1840.

Außer der bevorstehenden Präsidenten-Wahl waren es besonders die Bank-Angelegenheiten, welche den in meinem Quartier zusammenkommenden Deutschen Stoff zur Unterhaltung gaben und vor Allem wurde eine Flugschrift besprochen, welche die Deutsch-Amerikaner für das Bank-System zu gewinnen suchte, und so für die Sache einzunehmen verstand, daß Viele, welche nicht mit den Gegengründen und Unwesen der Banken vertraut waren, sich auf die Seite der Whigs, von welchem diese Flugschrift ausging, neigten, was oft Anlaß zu heftigem Wortkampfe gab, da die demokratisch Gesinnten nicht versäumten, beißende Gegenartikel anzuführen, von welchen ich auch ein Paar als Probe nach dem jetzt folgenden Auszug jener Flugschrift anhängen werde, um diese hier so verderblichen Institute zu beleuchten: „Die Zeiten sind schlecht! das ist allgemeine Klage, und leider ist es nicht zu leugnen; ja sie sind gegenwärtig schlechter, wie wir sie in den drangvollsten Perioden in Deutschland nur erlebt haben. Eine auffallende Erscheinung in einem so schönen, jungen und kraftvollen Lande, versehen mit so reichen Naturgaben, und so unendlich vielen Hülfsquellen, im tiefsten Frieden und unter dem augenscheinlichsten Segen der Gottheit! — Hat sich Manches im Laufe der Zeit verändert, so ist es Pflicht einer weisen Gesetzgebung, dem Geiste der Zeit zu folgen, und Veränderungen, Zusätze oder Weglassungen eintreten zu lassen, wie es die jedesmaligen Bedürfnisse erfordern. Werfen wir einen Blick auf die Vergangenheit, und sehen, wie es früher hier war. Unsere Stadt Baltimore, vor hundert Jahren kaum ein Fischerdorf zu nennen, ist jetzt in eine der blühendsten Städte des Landes verwandelt, sehen wir im ganzen Westen, welcher vor noch nicht einmal so langer Zeit noch eine rohe Wildniß war, wo kaum auf einer Quadratmeile im Durchschnitt gerechnet, ein einziger Indianer sich nothdürftig ernähren konnte, Tausende von Menschen, meist unsere lieben Landsleute, vergnügt, glücklich und wohlhabend neben einander wohnen, sehen wir blühende Städte, fruchtbare Farmen, fahrbare Landstraßen, schiffbare Flüsse und Kanäle, kurz sehen wir das Ganze gleich einem schönen Paradiesgarten prangen und das Alles in so kurzer Zeit entstanden, welches in früheren Zeiten bei Ansiedelungen von neuen Ländern wenigstens Jahrtausende Zeit nahm, so muß uns dieses nothwendig in Erstaunen und Bewunderung setzen, und es drängt sich uns von selbst die Frage auf: Wie war dieses möglich, was waren die Ursachen, welches waren die Mittel, die dieses Alles bewirkten? Und das gerade ist es, meine Freunde, was wir untersuchen und womit wir uns bekannt machen wollen. — Zuerst wollen wir die Fragen erläutern: 1) was ist Ackerbau? 2) was sind Fabriken und Gewerbe? 3) was ist Handel? 4) was ist Geld? und 5) was sind Banken?