„Ackerbau verbunden mit Viehzucht, Milcherei etc., ist der achtbarste Stand in der menschlichen Gesellschaft; durch seinen Fleiß erzieht er aus der mütterlichen Erde den Grundstoff unserer Existenz, unsere nothwendigsten Lebensmittel, und nebenbei noch so manches zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit unseres Lebens, und doch was wäre dieses Alles, wenn die Handlung nicht wäre? Der Landmann würde nicht mehr bebauen, als hinreichend wäre, sich und seine Familie nothdürftig mit Lebensmitteln zu versehen, dabei zerlumpt einhergehen und keinen andern Genuß haben, als den ihm seine Felder gewährten, und Neunzehntheile würden unbenutzt liegen.
„Der Fabrikant, Manufakturist und Handwerker, sind diejenigen nützlichen Glieder eines wohleingerichteten Staates, welche die Erzeugnisse des Landmannes veredeln, zubereiten und zugleich ihn mit nützlichen Geräthschaften versehen, um seine Arbeit zu erleichtern. Doch was wären auch diese, ohne den Handelsstand?
„Der Handelsstand nimmt daher wenigstens den dritten Rang im Staate ein; er verbindet alle Stände unter einander, führt den Ueberfluß der einen Gegend in die andere, wo Mangel daran ist. Er ist der Unterhändler und bewirkt, daß der Landmann seine überflüssigen Produkte, die er nicht selbst gebraucht, gegen andere nützliche Sachen vertauscht, ebenso die Arbeiten der gewerbtreibenden Klasse abnimmt, und sie wiederum mit Produkten und Sachen versieht, die sie nicht selbst zu erzeugen im Stande sind. Zu diesem Behufe erbaut er Schiffe und belebt die Gewässer, befördert Kanalbau und Anlegung von Landstraßen, befrachtet Wagen mit Gütern, setzt Millionen von Händen in Bewegung, und beschäftigt und ernährt sie. Ist dieser Stand nun verachtungswürdig? Hat man Ursache uns dagegen anzuhetzen, in unsern eigenen Eingeweiden zu wühlen und uns mit eigener Hand unsern Lebensfaden abzuschneiden? Oder ist es vielmehr Pflicht der Selbsterhaltung, Pflicht für unsere Kinder und Nachkommen, diesen so sehr wichtigen Zweig, der uns Leben und Nahrung giebt, nach Kräften zu unterstützen und zu befördern, wie es die ehrwürdigen Väter unserer Republik und deren würdige Nachfolger thaten? Und, fragen wir zum zweiten Male, sind die neuen Nachfolger, die wir als Führer unsers gemeinschaftlichen Wohls erwählt, den Fußtapfen ihrer Vorgänger gefolgt, oder sind sie abgewichen? Haben sie mehr ihr eigenes, als das Wohl des Landes besorgt, oder sind sie, statt befördernd, vielleicht gar zerstörend gegen die höchsten und heiligsten Interessen der Nation aufgetreten? — Ueberlassen wir dieses dem eigenen Nachdenken unserer geliebten Landsleute, und werden wir dieses späterhin genauer untersuchen, bevor wir uns darüber aussprechen.
„Handel und Wandel, sehen wir, ist daher ein unumgänglich nothwendiges Bedürfniß für die Menschheit, und ein Land, wie das unsrige, kann ohne einen ausgebreiteten Handel ganz und gar nicht bestehen, und wird dieser gestört, oder gar vernichtet, so werden wenigstens drei Viertheile der hiesigen Bevölkerung auswandern oder verhungern müssen; der Arbeitslohn wird zu Nichts herabsinken, und wenn das Faß Mehl auf Einen Dollar kommt, und wir wissen ihn nicht zu verdienen, dann kann es uns Allen nichts helfen. Wir sehen deutlich, wie weit es schon mit uns gekommen ist. Unsere Schiffe müßten im Hafen verfaulen, wenn sie nicht noch größtentheils dazu gebraucht würden, unsere unglücklichen Landsleute herüber zu transportiren, die es uns aber schlechten Dank wissen werden, wenn sie erst einmal zur Erkenntniß kommen, die wir bereits haben sollten, und einsehen lernen, was Recht oder Unrecht war. Noch liegt es in unsern Händen, ob wir freie und unabhängige Menschen seyn und bleiben wollen, ob wir unser schönes Land wieder zu seinem vorigen Glanze erheben und uns durch Fleiß und Thätigkeit, Wohlstand und Vermögen für unsere alten Tage verschaffen wollen, wie Tausende unserer frühern Landsleute thaten, oder ob wir ferner uns noch von besoldeten Treibern, wie eine Heerde Schafe, welche gutmüthig einigen abgerichteten Lockhammeln in den Stall des Schlächters folgen, wo sie nach und nach ihren Tod finden, treiben lassen wollen.
„Handel und Gewerbe können nur gedeihen unter höchst möglicher Freiheit, und wer das eine antastet, versündigt sich an dem andern; er ist kein Freund des Vaterlandes und wüthet gegen sich selbst und gegen seine Nachkommen. Um nun aber diesen Handel zu beleben und aufzuhelfen, dazu gebraucht man Geld.
„Aber nicht bloß die aus Metall geprägten Münzen, sondern Alles, was einen angenommenen Werth hat, oder Alles, was sich auf einen wirklichen Werth begründet, und zur Ausgleichung im Handel und Geschäften, statt des rohen Tauschhandels, gebraucht wird, ist Geld. In den frühesten Zeiten, und wie es auch noch bei vielen rohen Völkern gebräuchlich ist, schätzte man so und so viel Schafe, Schweine etc. auf einen Ochsen, ein Pferd und mehrere dergleichen Sachen. Doch wie die Bevölkerung mehr und mehr zunahm, reichte dieses Auskunftsmittel nicht mehr hin; denn wer konnte so ein schwerfälliges Geld immer mit sich herumführen? Auch brauchte nicht immer ein Jeder gerade Schafe oder Schweine, der Ochsen zu verkaufen hatte und so umgekehrt, und man sann daher auf Mittel, Sachen aufzufinden, welche einem Jeden lieb und angenehm waren. Anfangs gebrauchte man schöne Steine, Perlen, Muscheln, Spezerien etc. hierzu. Zuletzt verfiel man auf die edlern Metalle, Gold und Silber, weil diese ihres schönen Glanzes und ihrer leichten Bearbeitung wegen allgemein beliebt waren, auch weil sie nicht sehr häufig in einem allgemeinen Werthe standen. Man zertheilte sie in Stücke jeder Form, nur von verschiedener Größe und Gewicht, gravirte oder prägte, gewiß Anfangs sehr roh, auf die größern das Bildniß von Ochsen, Pferden etc. auf die kleinern Schafe, Schweine und dergl. Dieses war die erste Entstehung unserer jetzigen Münzen. Diese Erfindung erleichterte den Austausch, Handel und Gewerbe allgemein, so daß die Herrscher damaliger Zeit, den Werth dieser Einrichtung erkennend, diese edeln Thiere bald von ihrem Platze verdrängten, den Münzen eine regelmäßige Form, meistens die runde, wie wir sie noch jetzt sehen, gaben, und ihr eigenes Bildniß darauf prägen ließen. Solche Münze nun war mehrere Jahrtausende hindurch dasjenige, was wir Geld nennen, und aller Handel und alle Geschäfte wurden hiermit betrieben. Doch war im Laufe der Zeit, wo sich so Manches verändert, da die Bevölkerung sich immer mehr und mehr ausdehnte, auch die Transportirung und Versendung dieses Geldes mit vielen Schwierigkeiten verknüpft. Plünderungen, Beraubungen, Verluste durch Schiffbruch und mehrere andere Hindernisse erschwerten den Verkehr ungemein, und man sann wiederum auf Mittel, auch diesem Uebelstande abzuhelfen. Da nun Mancher an einem Orte für erhaltene Waaren zu zahlen hatte, vielleicht Andere des nämlichen Orts, oder der Gegend, wiederum hier schuldeten, so glich man sich durch schriftliche Anweisungen aus, ohne daß ein Thaler dabei angerührt wurde, und hieraus entstanden die nachherigen Wechsel oder Wechselbriefe, die man bald so bequem fand, daß man sich fast allgemein im Verkehre dieser Art zu zahlen bediente. Zu noch größerer Bequemlichkeit fanden sich bald Leute, welche solche Wechselbriefe von Andern einkauften, sie vorräthig hielten, und man nach Belieben gegen eine geringe Provision sie stets auf die vorzüglichsten Handelsplätze haben konnte. Diese Leute nun nannte man Wechsler, oder auf französisch: Banquiers. So sehen wir nun, theure Landsleute, wie unser allgütiger Schöpfer Alles so weise geordnet hat, wie er dafür sorgt, daß, so wie seine Geschöpfe sich vermehren, sie selbst durch den Gebrauch ihrer, uns von ihm verliehenen Vernunft Mittel und Wege erdenken, die es möglich machen, daß so viele Menschen ernährt werden und ihr Auskommen finden. Und dieses sollten wir nicht dankbar erkennen und wider unsere Vernunft und Gewissen uns anhetzen lassen gegen die Beförderer des menschlichen Wohls? — Nimmermehr wird dieses ein braver deutscher Mann über sich vermögen, der in seinem Vaterlande eine gute Erziehung und guten Schulunterricht genossen hat, denn der Deutsche ist von jeher für bürgerliche Ordnung, Sittlichkeit und gesetzliche Freiheit gewesen.
„Um nun wieder auf den Gegenstand, das Geld, zurückzukommen, so muß dieses ebenfalls frei und unabhängig seyn und sich selbst reguliren. Keine gerechte und vernünftige Regierung darf sich, ohne das Wohl des Ganzen zu untergraben, einen Gewaltgriff hinein erlauben, als nur in so fern sie die polizeiliche Aufsicht darüber führt, daß keine Mißbräuche entstehen. Wo sie solche bemerkt, stelle sie diese ab, stürze aber nicht ein ganzes Gebäude, welches aufzurichten, Zeit und Mühe gekostet hat, weniger schadhafter Ziegeln oder Schindeln wegen, über den Haufen. Niederreißen ist immer leichter, denn Aufbauen; man stelle das Dach her, und das Haus wird wohnbar seyn und bleiben, wie vorher. Geld ist in der Waagschale gegen Arbeitslohn und Mühe, oder menschlichen Fleiß, was die Gewichtstücke gegen Waare sind; beides muß sich gegen einander balanciren. Jetzt, liebe Freunde, kommen wir wiederum zu Einrichtungen und Anstalten, welche das Bedürfniß der Zeit ebenfalls herbeigerufen, und welche gewiß eben so wohlthätig und zweckmäßig zur Beförderung menschlicher Glückseligkeit mitwirken, als alle vorhergehenden, d. h. wenn sie ihrer Bestimmung entsprechen, nicht gemißbraucht, aber auch nicht ungerechter Weise angegriffen und verfolgt werden; diese sind die Banken!
„Sie sind verschiedener Art, als: Leihbanken, Wechselbanken, Sparbanken etc., und auch nicht in allen Ländern überein; doch machen wir uns hauptsächlich mit den Banken unseres Landes bekannt und lernen ihren Zweck kennen. Es sind Anstalten, wo mehrere Männer, welche Geld besitzen, es aber gerade nicht selbst zu eigenen Geschäften gebrauchen, demohngeachtet aber nicht unbenutzt liegen lassen und es dem allgemeinen Wohle entziehen wollen, und dieses zusammen legen. Der Zweck davon ist nun: dem Handelsstande, dem Gewerbtreibenden und Farmer in Fällen eintretender Verlegenheit zu unterstützen, und ihm zu seinem bessern Fortkommen behülflich zu seyn. Zum Beispiel: Ein Kaufmann sieht die Produkte seines Landes oder andere Erzeugnisse des Fleißes durch Ueberfluß derselben, oder Mangel an Absatz in sehr niedrigem Preise und weiß, wenn er diesen oder jenen Artikel, in dieser oder jener Gegend oder dem und dem Lande hätte, wo vielleicht Mangel und Nachfrage darnach ist, er einen guten Nutzen dabei haben würde, seine Kräfte aber reichen in dem Augenblicke nicht so weit, weil er seine Gelder ausstehen hat; nun geht er zu einer Bank, wo er als ein rechtschaffener und zahlungsfähiger Mann bekannt ist, bekommt gegen eine schriftliche Versicherung oder Note auf gewisse Zeit Gelder vorgestreckt, kann nun seinen Zweck erreichen, und zur abgelaufenen Zeit seine Note wieder einlösen, und, indem er selbst verdient, verschafft er seinen Nebenmenschen Absatz und versieht sie mit Geld, damit sie auf’s Neue weiter arbeiten können.
„Ebenso der Fabrikant und Handwerker, der sein Geschäft etwas in’s Große zu treiben und mehrere Menschen zu beschäftigen wünscht. Für den kommt wohl einmal eine Zeit, wo seine verfertigten Waaren nicht so raschen Abgang finden, jedoch ist er fest überzeugt, daß, nach Verlauf einiger Zeit, sie für sein Fach günstiger werde und er vielleicht mehr absetzen könne, als er vorräthig habe; er ist jedoch nicht im Stande, es durchzusetzen und muß mit blutendem Herzen seine Arbeiter und Gesellen gehen lassen, welche nun außer Stand gesetzt werden, sich selbst oder gar ihre Familien zu ernähren und oft zu den niedrigsten Arbeiten, die sie nicht gewohnt sind, greifen müssen, um nur ihr Leben zu fristen, oder gar Frau und Kinder verlassen und Vagabunden und Bettler werden. Ist das nicht schrecklich, und stehen wir nicht leider schon auf diesem Punkte? Wollen wir noch weiter gehen? — Ist nun aber ein solcher Handwerker oder Fabrikant in einer guten Bank bekannt, oder hat er einen guten Freund, der seine Rechtschaffenheit, seine Zahlungsfähigkeit kennt und seine Noten mit unterschreibt, so kann oder konnte er vielmehr einen Vorschuß erhalten, womit er seinen Arbeitern, wo nicht ganz, doch so viel bezahlen, wie die Nothdurft erforderte. Aenderten sich nun die Zeiten, konnte der Meister oder Fabrikherr seine Waaren verkaufen, so konnte er seinen Gehülfen den rückständigen Lohn auf einmal auszahlen, und Mancher bekam so viel, daß er für sich selbst aufsetzen und Leute halten konnte; so war es, aber so ist es nicht mehr. An uns liegt es aber, es wieder dahin zu bringen, wenn wir wollen, und Tausende von unsern Landsleuten sind auf diese Art zu Männern geworden; war das nicht gut?
„Wenn ein Farmer, ein Landmann, einer gesegneten Erndte entgegensieht, wenn ihm nichts fehlt, als Hände, sie hereinzuschaffen, diese Hände aber Geld haben, und leben wollen, sein Kapital aber zu Ende ist, und er die Gaben Gottes verfaulen sehen muß, wie muß ihn dieses betrüben und wie nachtheilig ist es für das Ganze. Kann er nun aber zu einer solchen Bank gehen, die ihn kennt, welche weiß, daß er zahlungsfähig ist, sobald er geerndtet und verkauft hat, und ihm etwas Geld vorschießt; ist das nicht lobenswerth? Auch wenn Einwanderer etwas Geld mitbrachten und wollten sich dafür ein Grundeigenthum kaufen, so konnten sie immer, wenn sonst der Platz gut, und der Verbesserung fähig war, zwei Drittheile darauf geliehen bekommen. Die Banken kündigten nicht leicht das Kapital auf, wenn sonst die Zinsen richtig bezahlt wurden, und konnten sie nach und nach davon abtragen, bis sie ihr Gut frei hatten, welches leider aber jetzt Alles gestört ist.