Von mehreren Seiten wurde mir gerathen, weder die Brennerei, noch die Kupfer-Fabrik wieder zu betreten, weil das Schlimmste zu befürchten stehe, weshalb ich beschloß, Amerika unverzüglich zu verlassen, wenn die bedungenen 500 Dollars ausgezahlt wären, da liebe Briefe aus der Heimath die Sehnsucht nach der Familie mehrten und ich das Leben im gelobten Lande bis zum Ueberdruß satt hatte.
Um zu dem Gelde zu gelangen, war der Kontrakt von Nöthen und vom Sachwalter erfuhr ich jetzt, daß er das Original mit der deutschen Uebersetzung Herrn Ratz mit der Bitte zugestellt, mir Beides, wenn ich ihn besuchen würde, zu übergeben. Doch, wer stellt sich meinen Schreck vor, als ich von Letzterem erfuhr, daß durch ein unglückliches Verhängniß das Dokument vernichtet und solches nur noch theilweise vorhanden sey, da sein kleiner Sohn während seiner Abwesenheit mit dem Wasserglase diese Schreiben benetzt und, aus Furcht vor Strafe, dieselben auf dem Windofen zu trocknen versucht, sie leider aber über dem Spielen vergessen und so verbrannt habe.
Der Rechtsweg blieb zwar zu betreten übrig, da die Zeugen noch vorhanden waren; doch wie konnte ich, den das böse Geschick überall verfolgte, einen Streit wagen, welchen durchzuführen mir die Mittel fehlten, da die Herren Advokaten hier vor Allem das Liquidiren am besten verstehen und wobei meine zurückgelegten Gelder riskirt werden mußten, ja nicht ausgereicht haben würden, wenn die Sache in die Länge gezogen und ich den Ausgang unbeschäftigt hätte abwarten müssen. Froh war ich daher, daß ich durch Sparsamkeit mir wenigstens ein hübsches Sümmchen erworben und die Rückreise über England und Frankreich unternehmen konnte.
Jetzt, da ich fest entschlossen war, Amerika Valet zu sagen, hätte mich nichts in der Welt länger hier zurückhalten können. Hoch schlug das Herz und nur eines Gedankens, an Weib und Kinder, war ich mächtig. Schnell, als sey Etwas versäumt, wurde Alles geordnet, meine Sachen durch die gefällige Vermittelung des Herrn Ludekus den geraden Weg über Hamburg, den Meinen zugeschickt und mit dem Paquetschiff Montreal, welches den Abgang nach London schon auf den 10. Januar angesetzt hatte, akkordirt und, ohne Kost im Zwischendeck zu reisen, funfzehn Dollars gezahlt.
Außer einigen Leckereien, welche mir von der Gattin des Herrn Wallrabe bei Abholung meiner daselbst deponirten Gelder gefälligst gereicht wurden, war nur noch Brod, Schinken, Käse und eine Flasche Rum zur Seereise angeschafft; Thee und Kaffee sollte gegen ein Douçeur der Schiffskoch mir gewähren.
Die Anzahl der Deckpassagiere war wegen ungünstiger Jahreszeit gering, und außer mir nur noch drei männliche und eine Frauens-Person vereinigt, um im Zwischendeck einen Raum zu beziehen, welcher wohl zum Liegen groß genug, da vier Logen leer waren, außerdem aber nur noch höchstens sechs Q. Fuß Platz enthielt, wo die Kisten der Reisenden standen, die das Promeniren unmöglich machten. War auch die Wohnung gesund, da sie nicht von einer großen Anzahl Passagiere verpestet wurde, so gewährte doch der enge Raum keinen bequemen Aufenthalt im Innern des Schiffes und versprach demnach bei der kalten Jahreszeit, welche das Verweilen auf dem Deck nicht wohl gestattete, auch nicht die angenehmste Fahrt. Aber hätte man mich auch in einen Sarg gebettet, gern hätte ich es mir gefallen lassen, da der Gedanke, die Meinen nun bald wieder zu umarmen, alles Andere vergessen ließ. Um so unwillkommener war daher die Nachricht, daß die Abreise verschoben sey, und erst den 16ten d. angetreten werde, welches abermals bewies, wie wenig man in Amerika dem gegebenen Worte trauen kann, da bei bezahlter Passage die Versicherung gegeben wurde, daß ein Paquetboot unwiderruflich, wenn solches nicht widrige Winde unmöglich machten, die bestimmte Zeit einhalten müßte.
Am Morgen des 16ten verließ ich den Amerikanischen Boden, um ihn nicht wieder zu betreten, und war deshalb glücklicher als Tausende meiner Landsleute, welche wider Willen lebenslänglich hier festgehalten wurden.
Die Kälte hatte nachgelassen, der Schnee aber sich in einem so dicken Nebel verwandelt, daß es unmöglich war, ohne Gefahr von der Stelle zu kommen, wodurch abermals die Abreise verschoben werden mußte. Am 17. des Mittags wurde die Luft freier und der Wind blies zu unsern Gunsten, weshalb man ernstliche Anstalten zum Abgange machte. Vom Verdeck aus sah ich nochmals New-York an mir vorübergehen und mannichfaltige Gefühle wurden in mir rege bei dem Gedanken, was ich während des kurzen Aufenthalts in der neuen Welt Alles erlebt, und solches den bunten Bildern meiner Jugendzeit anreihte, wo ich die mannichfaltigsten Situationen durchgemacht; wie ein Traum kam mir Alles vor, als ich aufs Lager gestreckt, nichts mehr von Amerika, nichts von der Wassermasse sah, auf welcher ich jetzt der alten Welt wieder zusegelte. Nur die gesammelten Erfahrungen blieben zurück, und der ausgestreute Saame wird mir, da die Witterung wohlthätig mit einwirkt, die gewünschten Früchte tragen und einen neuen Wirkungskreis zu betreten, die Veranlassung geben.