Zum Unglück für die Frau war bei Ankunft des Briefträgers der Mann nicht zu Haus, und ruhig abzuwarten, bis er komme, ließ die Neugierde der Hochbeglückten nicht zu. Boten wurden nach allen Seiten ausgeschickt, und die nächsten Bekannten gerufen.

„Wenn nur nicht gar ein Orden darin verborgen ist“, bemerkte im Scherz der Hauswirth, „denn ein solcher darf hier nicht angenommen und getragen werden.“

„Dafür weiß ich Rath“, versetzte die Frau lakonisch, „wir verlassen sogleich Amerika, denn allerliebst muß sich mein kleiner Mann, mit dem großen Orden geschmückt, ausnehmen.“

Dem aufgefundenen Schneider wurde nicht allein die Ankunft des Packets gemeldet, sondern mehr noch zugesetzt, als wahr war, und wer konnte es dem Freudetrunkenen verargen, wenn er sogleich auf Pump einige Gläser leerte, und so seelenvergnügt der Familie zueilte. Mit ängstlicher Spannung wurden die Siegel gelöst. Doch wer malt das Erstaunen der versammelten Menge, als nichts mehr, noch weniger in dem Packet enthalten war, als was man nach London abgeschickt hatte. Mit keiner Sylbe war über das Verfahren berichtet, die Unterschrift des Absenders, oder dessen Bevollmächtigten fehlte und eben so Ort und Datum des Abgangs.

Der Mann hätte gern das auf Pump Getrunkene dem Wirthe wiedergegeben, wenn dieses möglich gewesen wäre, und die Frau dem Briefträger das ganze Schreiben überlassen, wenn dieser das Postgeld restituirt hätte. Vor Allem aber schien das kleine Pathchen selbst, welches die Mutter im Geiste reichlich bedacht, jetzt aber, über der Freude, zu füttern versäumt hatte, wegen des Vorgefallenen erzürnt zu seyn, denn es schrie entsetzlich, und vertrieb uns, die noch zusammen waren, um zu berathen, was nun zu thun sey, aus dem Hause.

Beschlossen ward, da zu vermuthen stand, daß die Hauptperson von der Sache gar nicht in Kenntniß gesetzt worden sey, daß ich bei meiner Ankunft in England, einen Brief mit dem kurzen Inhalte des Ereignisses in die Hände des Gemahls Ihrer Majestät der Königin, nun auf Umwegen, zu bringen suchen sollte, da diesmal nicht der gerade Weg, wie das Sprichwort sagt, der beste war.

Bei einem Londoner Restaurateur, wohin der Kammerdiener des Prinzen zuweilen kommen sollte, und welchen ich bat, den Brief in die Hände des Dieners des Prinzen Albert zu legen, da Ersterer die Mutter des Kindes von Koburg aus kenne, und zu erwarten stehe, daß solcher sich deshalb des Auftrages unterziehen würde, wurde mir die Nachricht: daß der Dienerschaft streng verboten sey, Schreiben an die höchsten Herrschaften anzunehmen, und demnach zu befürchten stehe, wenn ich nicht persönlich den Brief dem Kammerdiener nebst Fürsprache übergeben würde, daß derselbe ebenfalls unbeachtet verloren gehen könnte. Jetzt blieb nichts übrig, als auf gut Glück nach dem Buckingham-Palast wo die Majestäten residirten, bis zum — Kammerdiener vorzudringen.

Der Hofraum dieses Palastes, mit zwei Seitenflügeln versehen, wird von eisernen Spalieren geschlossen, und die Eingänge mit Garde-Grenadieren besetzt, welche jedem unberufenen Gast den Zutritt verwehren. Gern hätte ich mit der Equipage des Königs der Belgier, welcher zur Zeit zum Besuch in London war, und dessen Ankunft im Schlosse die Soldaten unter’s Gewehr rief, den Eingang erstürmt, wenn nicht die reichlich hintenaufstehende Dienerschaft dieses unmöglich gemacht hätte. So standen wir lange, und berathschlagten, was zu thun sey, da der Rückweg zu unserer Wohnung weit war, indem solcher durch die Gärten von Kensington und Hyde-Park genommen werden sollte.

Endlich erschien, wie seine Eilfertigkeit verrieth, der Laufbursch des Gehülfen vom Fußbekleidungs-Reiniger des Kammerdieners, der durch ein Geschenk bewogen wurde, den Brief anzunehmen, und in die Hände seines Gebieters zu legen[56].

Die Gärten von Kensington bieten in Bezug auf die daselbst befindlichen Thiere nichts besonderes Merkwürdiges dar, und nur Wildpret, Fasanen und verschiedene andere Vögel sind in eingezäunten Distrikten zu sehen.