Pracht und Eleganz herrscht hier bis auf den letzten Sitz der obersten Gallerie und, wie in London, erhöhen die Lichtflammen fünf großer und brillanter Leuchter den Glanz der Vergoldung und Malerei, mit welchen das Haus reich und geschmackvoll dekorirt ist.
Die Vorstellungen dauern sehr lange, von acht Uhr bis Mitternacht; füllt ein Theaterstück diese Zeit nicht aus, so werden in mehrern Schauspielhäusern öfters vier bis fünf verschiedene Stücke gegeben.
Nicht wie bei uns, bekundet ein anhaltender Applaus die Kunst der Spieler, wie den anerkannten Werth des Stücks, denn hier, wie in London, giebt das Publikum nicht durch Klatschen seinen Beifall zu erkennen, sondern dies Geschäft verrichten die von den Theater-Direktionen, Akteurs und Aktricen, sowie vom Autor des Stücks bezahlten Klatscher (Claqueurs), welche sich im ganzen Theater verbreiten und je nachdem es bezahlt worden ist, werden die Hände in Bewegung gesetzt. Wer zu zischen und pfeifen wagt, indem sie klatschen, wird maltraitirt, wer klatscht, wenn sie ruhen, verhöhnt.
Vor Allem vermißt der Fremde in Amerika, London und Paris das gesittete und stille Betragen der Zuschauer vor Beginn des Stücks. Man spricht hier laut miteinander, ruft aus dem Parterre den in Logen und Gallerieen Sitzenden zu, macht allerhand launige Bemerkungen, lacht, schreit und singt nach Belieben und nicht weniger geniren sich später kommende Zuschauer, welche über Bänke und Sachen weglaufen, und sich einzudrängen suchen. Ebenso belästigen Verkäufer, welche Theaterzeitungen, Lorgnetten, Eßwaaren etc. feil bieten, und sich durch die Reihen Platz zu machen verstehen. Je nachdem das Stück Anklang findet, so hängt davon die Ruhe und Aufmerksamkeit des Publikums ab. Zieht das Stück an, so geht es erträglich, mißfällt es dagegen, so hat der Lärm keine Grenze, da ein Jeder für sein erlegtes Geld das Recht zu haben glaubt, sein Urtheil laut abgeben zu können.
Sonntag, den 28. Februar, fuhren wir auf der am rechten Seine-Ufer angelegten Eisenbahn nach dem vier Stunden von Paris gelegenen Versailles, um daselbst das schöne Schloß, die in demselben aufgestellte große Bildersammlung, Statuen, wie die so berühmten Wasserkünste im Schloßgarten zu sehen.
Versailles, zur Zeit Ludwig XIII. noch ein Dorf, erhielt erst sein Ansehen, nachdem dieser Regent ein Jagdschloß daselbst erbaute, seine Nachfolger aber solches erweiterten, immer vergrößerten und bis zur Revolution den Sitz des Hofes und der Regierung dahin verlegten, wodurch die Stadt an Größe schnell zunahm und gegen 100,000 Einwohner zählte; nach jener Schreckenszeit kam sie aber schnell in Verfall, so daß die Seelenzahl bis auf 30,000 herabsank, jetzt aber wieder im Zunehmen ist, da durch das von Ludwig Philipp daselbst angelegte Museum viele Fremde hingezogen werden und eine doppelte Verbindung mit Paris durch zwei Eisenbahnen hergestellt worden ist.
Eine genaue Beschreibung des Schlosses, der Kunstschätze, so wie des Gartens, findet man in dem Fremdenführer von Moritz Grimm, welcher Wegweiser jedem Fremden in Paris anzuempfehlen ist.
Die Wasserkünste, mit einem ungeheuern Geldaufwand errichtet, überbieten Alles, was wohl Derartiges auf der Welt existiren mag, und wenn sie spielen, glaubt sich der Zuschauer in das Feenreich versetzt.