Der Zweck, den man übrigens durch den Abdruck dieser Briefe in den Anzeiger beabsichtigte, wurde vollkommen erreicht, durch die bald darauf erfolgte obrigkeitliche Bekanntmachung des Bremer Senats, nach welcher dergleichen überseeische Seelentransportirungen unter eine sehr vernünftige Aufsicht gestellt wurden.

W. H.

[22] Recht gut ist es, sich außer den schon angegebenen, zur Seereise nöthigen Gegenständen, noch mit einigen Leckereien, wie Bonbons, zu versehen, welche man bei passenden Gelegenheiten an Kinder verschenkt und dadurch sich die Zuneigung der Eltern erwirbt, welche in vorkommenden Fällen durch Hülfeleistungen gern dafür erkenntlich sind. Ferner schaffe man sich zur Kurzweil ein Bretspiel oder Domino an, vergesse ein Gebetbuch nicht, da Beten das Herz erhebt und füge dem noch einige Bücher zur Lektüre bei. Selbst eine Brieftafel mit Bleifeder ist von Nutzen, um immer das Nöthige notiren zu können.

[23] Zum Malheur für uns waren unter den am Bord habenden Kartoffeln viele faulige, welche während der Reise auch die guten ansteckten, so daß der ganze, in Fäulniß übergegangene Vorrath ins Wasser geworfen werden mußte, wodurch wir um eines der besten Lebensmittel kamen. — Die zur Aufbewahrung des Wassers bestimmten Fässer waren vor dem Füllen nicht gereinigt worden, und so konnte es nicht anders kommen, daß der dort zurück gebliebene Unrath das frische Wasser bald so verdarb, daß es nur aus Noth genossen werden konnte. — Ob Arzneien oder sonstige Leckereien für die Kranken auf dem Schiff sich befanden, wie dieses uns von Herrn W. bekannt gemacht worden war, vermag ich nicht zu behaupten, da eben so wenig Kranke, wie Gesunde Etwas davon verspürten.

[24] Ein Universalmittel für gänzliche Abwendung der Seekrankheit giebt es bis jetzt noch nicht. Bei sämmtlichen Deckpassagieren, 208 an der Zahl, welche verschiedene Kuren machten, half keins vollkommen. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist es das beste sich schon vor dem Antritt der Seereise in Diät zu üben, den Magen nie zu überladen, Leib und Füße warm zu halten, möglichst wenig und nur mit Essig vermischtes Wasser zu trinken, auch, um den Stuhlgang zu befördern, mitunter Pflaumen zu genießen. Auch ist es gut, so lange die Kräfte es erlauben und die Witterung es gestattet, sich auf dem Verdeck aufzuhalten, um den mephitischen Ausdünstungen im innern Raume zu entgehen und sich Bewegung zu machen.

[25] Die gethane Bitte, uns für Geld ein Paar Flaschen Wein abzulassen, wurde mit der Bemerkung abgeschlagen, daß für Kranke kein Wein am Bord sey und der Kapitän selbst nur das nöthige Quantum für die Kajüte besitze.

[26] Der für die Zwischendeck-Passagiere bestimmte Schiffszwieback wird aus Roggenschrot gemacht, von welchem das feine Mehl weggenommen ist. Die kleinen hart gebackenen Brode werden, in zwei Hälften geschnitten, geröstet, und so vor dem Verschimmeln auf der See geschützt. Der Zwieback für die Matrosen hingegen ist aus Waizenmehl bereitet und gleicht an Geschmack unsern Fastenbretzeln.

[27] In den Speisen Haare zu finden, waren wir schon gewöhnt, als aber meinem Neffen eine ganze Locke zwischen den Zähnen hängen blieb, so verging uns doch der Appetit auf einige Tage, bis solcher, durch Hunger veranlaßt, sich wieder einstellte.

[28] Die Schwaben hatte das Schiff in Ostindien erhalten und waren, wie die Matrosen versicherten, aller bis jetzt angewandten Mittel ungeachtet, noch nicht auszurotten gewesen.