In jedem Stadtviertel sind schöne, geräumige, überbaute Markthallen angelegt, wo täglich feil gehalten wird, und wo man alle Arten von Fleisch, Geflügel und Fischen bekommen kann, ferner Gemüse aller Art, und besonders sind es die Kartoffeln, welche hier eine Hauptrolle spielen, da solche der Amerikaner täglich drei Mal genießt, und sie früh zum Kaffee, wie Abends beim Thee, gleich dem Gebackenen, nicht fehlen dürfen. Von Obst sind es besonders die Aepfel, welche den Markt füllen, und von Kokosnüssen und Wassermelonen sind ganze Haufen aufgethürmt; eben so bringt man große Quantitäten von Aprikosen, frischen Apfelsinen, Pomeranzen und Zitronen auf den Markt. Butter, Käse und Geräuchertes wird im Kleinen wie im Großen verkauft, wie überhaupt eine ungeheure Quantität Schweinefleisch, Speckseiten, Butter, Schmalz und sonstige Artikel vorhanden sind. Rundum sind die Märkte mit Bauernwagen umgeben, welche ihre Waaren theils ans Publikum, theils an die Händler abzusetzen suchen.

Kirchen giebt es viele und schöne, mehr noch aber Bethäuser, welche alle zum Heitzen eingerichtet sind. Den Sonntag hält der Amerikaner dem Anscheine nach heilig, besucht früh, Nachmittags und Abends die zur Andacht bestimmten Häuser, und verehrt auf mannichfache Weise die Gottheit. Ich selbst versäume nie, den Gottesdienst der ersten deutschen rationalistischen Gemeinde, wie sie sich nennt, zu besuchen, und was ich da von einem gewissen Försch, Prediger daselbst, welcher sich und seinen Anhang zu Vernunftgläubigen gestempelt hat, mit anzuhören Gelegenheit habe, grenzt an das Unglaubliche. In spätern Briefen werde ich darauf zurückkommen.

Das Bedürfniß der Volksschulen hat man hier ebenfalls erkannt, und es hat demnach jede Gemeinde, theils im Erdgeschoß der Kirche selbst, oder in besondern Gebäuden Schulen errichtet, in welchen die Kinder nicht allein freien Unterricht, sondern auch noch die nöthigen Schulbücher erhalten. Leider wird aber nicht immer der beabsichtigte Zweck erreicht, da nur Wenige Gebrauch davon machen, denn die schulfähigen Kinder durch das Gesetz zum Besuche der Schule anzuhalten, hieße zu weit in die Privatrechte der Menschen eingreifen; als einen unerträglichen Zwang, als eine Beschränkung der individuellen Freiheit würde man es ansehen, wollte man dem Vater die Kinder aus dem Kreise seiner Familie entziehen, und wider seinen Willen zum Schulgehen zwingen. Da nun aber die Kinder hier schon frühzeitig zum Miterwerb und Verdienst, dem Centralpunkt, um welchen sich alles dreht und wendet, angehalten und benutzt werden, so bleibt das Schulwesen in den Hintergrund verdrängt, und daher geht die geistige Ausbildung nur langsam vorwärts.

Das Läuten der Glocken hat nichts melodisches im Gefolge, da auf den Thürmen immer nur eine sich befindet, an welche in kurzen Zwischenräumen angeschlagen wird.

Die größte Reinlichkeit herrscht in den Gebäuden, in welchen die Fußböden und Treppen meist mit Teppichen belegt sind. Eben so sauber sucht man die Trottoirs vor den Häusern zu erhalten.

Da entweder die Höfe in den Gebäuden fehlen, oder ein passender Ort zur Aufbewahrung des Kehrigs nicht da ist, und es auch einmal die Sitte verlangt, so wird aller Unrath auf die Fahrstraße geworfen, wo ihn eine Masse hungriger Schweine durchwühlt, welche das ganze Jahr hindurch frei in den Straßen herumlaufen. Dieselben sind auch mitunter dreist genug, den vor den Storen mit Viktualien, besonders mit Aepfeln angefüllten Fässern zuzusprechen und deren Inhalt entweder zu entleeren, oder diesen wenigstens in Schmutz zu werfen. Auf desfallsige stattgefundene Beschwerde ist daher das Herumlaufen der Schweine bei 5 Dollars Strafe verboten worden. Da man aber hier, wie es scheint, die gepriesene Freiheit bis auf das liebe Vieh auszudehnen scheint, so zeigt Niemand die gegen das Gesetz Handelnden an und die Behörden fühlen sich nicht veranlaßt, weiter einzuschreiten, und demnach bleibt es beim Alten. Was soll man aber von einem Gesetz, von einer Behörde sagen, welche Ersteres giebt, aber dabei einschläft und nicht auf die Aufrechthaltung desselben Sorge trägt?

Feuerunglück ist an der Tagesordnung und Feuergefahr jagt Niemandem mehr Schrecken ein. Vergeht aber wider Erwarten ein Tag, ohne daß es brennt, so sieht sich die Spritzenmannschaft mitunter veranlaßt mit ihrer Kunst und dem Ruf: „Feuer! Feuer!“, welches Geschrei durch hundert Knabenstimmen wiederholt wird, lärmend durch die Straßen zu ziehen und andere Spritzen-Kompagnieen zu einem gleichen Manöver zu bestimmen bis am Ende unter fröhlichem Gelächter, sich das Ganze nur als Scherz herausstellt, worauf dann Alles langsam nach Hause geht. Ist es wirklich Feuer, so zeigt die Hauptlärmglocke auf der City-Hall durch Schläge an, in welchem Distrikte das Feuer ist. Giebt sie nur einen Schlag mit einer Unterbrechung, so ist es im ersten, giebt sie zwei Schläge, im zweiten und so fort; ist das Feuer aber im fünften Distrikt, so wird fortwährend geläutet.

Nebenstehender Abriß der Stadt New-York zeigt die verschiedenen Feuer-Distrikte derselben an. — Zum ersten Distrikt gehört Alles, was vom Fuß der Murray-Street an bis zur City-Hall und von der Mitte derselben in gleicher Linie mit dem Nordflusse bis zur 2ten Straße liegt. Der zweite Distrikt wird durch die letztere Linie begrenzt und einer geraden Linie von der City-Hall aus bis zur dritten Avenue an der 21. Straße. Der dritte Distrikt wird wiederum durch die letztgenannte Linie begrenzt und einer andern Linie, welche von der City-Hall bis zum Ostflusse oberhalb der drei Docks gezogen ist. Der vierte Distrikt wird wiederum durch die letztgenannte Linie begrenzt und nimmt den ganzen Raum zwischen dieser und dem Ostflusse ein bis zur Frankfort-Street hinunter. Der fünfte Distrikt faßt den ganzen Theil der Stadt in sich, der unterhalb der Frankfort- und Murray-Street liegt.