Bei Oneida führte der Weg durch die Niederlassung eines Indianerstammes, welches Volk, von den Nachbarn verachtet, äußerst ärmlich sich von der Jagd und einigem wenigen Ackerbau zu nähren sucht. Das Dorf der Wilden selbst besteht aus den erbärmlichsten Hütten, welche aus übereinandergelegten Baumstämmen hie und da im Walde errichtet sind. Auf einer Anhöhe erblickt man eine kleine ebenfalls von Holz aufgeführte Kirche, für den Gottesdienst der Indianer bestimmt, welche Missionäre zum Christenthume bekehrt haben. Links vom Wege ist ein freier Platz, von alten Bäumen beschattet, wo die Häupter des Stammes sich zu versammeln pflegen, wenn sie über ihre Angelegenheiten berathen wollen. Ihre braungelbe Farbe, runden Gesichter, lang geschlitzten Augen, dicken Nasen und langen bis auf die Schultern hängenden Haare, haben, wenn man solche Gestalten noch nicht gesehen, etwas Imposantes. Viele sind nur in elende Lumpen gewickelt, Andere dagegen tragen blaue Hosen, über welche sie Hemden ziehen und diese sind wieder mit Röcken von Tuch bedeckt. Die Weiber hüllen sich in weiße oder blaue wollene Decken ein. Ihre Kinder, meist nackend, benutzen den Durchzug der Reisenden und verfolgen bettelnd die Wagen, welche Erscheinung dem Europäer um so auffallender ist, da das Betteln in Amerika nicht Sitte und man nirgends von Wegelagerern um eine Gabe angegangen wird.
Hinter dem Dorfe, wo der Weg nach einer beträchtlichen Höhe führt, genießt man eine schöne Aussicht auf den Oneida-See. Die Landschaft selbst wird jedoch, je weiter man kömmt, wilder, und mit Ausnahme einzelner Ortschaften ist solche wenig bevölkert. Selten sieht man Häuser von Backsteinen, sondern nur von leichtbehauenen Baumstämmen, sogenannte Blockhäuser, welche Erbauung schnell von Statten geht und gewöhnlich das erste Asyl der Ansiedler ist. Sind die Baumstämme gefällt und entastet, so werden ihre beiden Enden mit Einschnitten versehen und so zusammen gekämmt, über einander gelegt. Vorkommende Lücken zwischen den Balken füllt man mit Steinen, Moos und Erde aus.
Die mitunter vorkommenden fernen Aussichten sind äußerst einförmig und unromantisch, da sie mit nichts als einzeln stehenden Häusern ausgeschmückt sind; um so überraschender ist daher ein kleiner See mitten im Walde, an dessen Ufer zwei kleine Städtchen sehr malerisch liegen.
Im Ort Chittenango zerbrach die Deichsel des Wagens, wodurch ein kleiner Aufenthalt verursacht wurde. Der Ort selbst hat mehre Mühlen und Fabriken, weshalb, um den Verkehr zu erleichtern, ein Kanal mit kleinem Hafen angelegt worden ist, welcher aus dem großen Erie-Kanal ausläuft.
In Onendezes sind ebenfalls Fabriken, auch hat dieser Ort, wie Marcellus, zwei Kirchen, welches gewöhnlich in jedem Ort von einiger Bedeutung der Fall ist, daß sie eine Anglikanische und Presbyderianische Kirche besitzen. Jenseits Marcellus liegt am Scomatelass-See das Städtchen gleiches Namens, welches wegen eingetretener Nacht nicht mehr gesehen werden konnte. Erst spät trafen wir in der Stadt Auburn ein, wo übernachtet wurde.
Am Morgen des folgenden Tages passirte der Wagen eine lange Brücke, welche über den an dieser Stelle nur eine englische Meile breiten Cayuga-See erbaut ist, welches stehende Wasser zwanzig Meilen lang sein soll. Die Gegend gestaltet sich immer einsamer und wilder, da zwischen den 6–8 Stunden auseinander liegenden Städten ewiger Wald angetroffen wird, in welchem nur dann und wann ein Blockhaus zwischen verdorrten Bäumen zum Vorschein kommt. Die Pflanzer, der Arbeiten zu viel habend, fällen die Bäume nicht, sondern machen 1 Fuß von der Erde, rund um 1 Zoll breit Rinde und Splind bis aufs Holz ab, wodurch der Stamm abstirbt, damit, wenn er faul von Regen und Wind umgeworfen, er sich so leichter beseitigen läßt. Doch währenddem benutzt man das Land schon, rottet unter den dürren Aesten, die nicht mehr beschatten, das Gesträuch aus, und bestellt hierauf den Boden. Doch will man noch schneller das Holz beseitigen, so wird Feuer an die Bäume gelegt, weshalb man oft ganze Striche brennender Wälder antrifft.
Bis Waterloo, einer wohlhabenden Stadt, war der Boden fest, doch darüber hinaus wurde er morastig, weshalb der Weg mit Baumstämmen belegt war, welche Knüppeldämme die Fahrt äußerst beschwerlich machen und mich an die gepflasterte Chaussée zwischen Hannover und Bremen erinnerte.
Genovo, an der Spitze des Seneca-Sees, hat ein Kollegium mit einigen hundert Studenten, ansehnliche Gebäude, schöne Landhäuser und Gärten.
Canandaigua, an der Spitze des Sees gleichen Namens, wo Mittag gemacht wurde, ist ebenfalls eine wohlhabende handeltreibende Stadt mit einer Bank und einem Gerichtshof. Am Nachmittag wurden die Orte Victor, Mendon und Pittsfort passirt, wo wir unterwegs nur theilweise Ansiedler in Blockhäusern antrafen, Abends 8 Uhr erreichten wir Rochester und machten daselbst Halt.
Vor dem Jahr 1812 war hier noch Alles Wald, wo man den Acker für 1¼ Dollar kaufte und jetzt ist dieser Ort eine der blühendsten Städte, hat sechs Kirchen, eine Bank, Tribunalgebäude, mehre Mühlen und Fabriken, und zählt 6000 Einwohner.