Diese Stadt, von dem Flusse in zwei Theile getheilt, ist noch wenig von Bedeutung, und wird von dicht daranstoßenden Bergen begrenzt.
Ist auch hier, wie überall in Amerika, die englische Sprache vorherrschend, so wird dennoch von den Landsleuten die Muttersprache beibehalten.
Zum Glück kam ich hier zur rechten Zeit noch an, da morgen den 17. November das letzte Kanalboot in diesem Jahre nach Portsmouth, wo der große Erie-Kanal in den Ohio-Fluß einmündet, abgehen sollte.
Der Kapitän (wie sich auch die Führer von Kanalbooten nennen, obgleich jeder Laie einen solchen Posten bekleiden kann), war das richtige Konterfei eines Räuberhauptmanns, und seine Physiognomie flößte mir eine solche Aversion, oder war es Ahndung meines bösen Geschicks auf dieser Reise, ein, daß ich nur mit Widerwillen dieses Fahrzeug bestieg, weil keine andere Gelegenheit sich darbot, da bei vorgerückter Jahreszeit zu befürchten stand, daß man noch vor beendigter Reise unterwegs einfrieren könne, welches letztere uns auch leider widerfuhr.
Die ungünstige Witterung der ersten Tage erlaubte den Aufenthalt auf dem Verdeck nicht, und machte die Fahrt äußerst lästig, zumal da mehre Familien mit kränklichen und ungezogenen Kindern in dem engen Raume sich befanden, welche meine Geduld auf eine harte Probe stellten, da ich vor Allem ein Feind des Kindergeschreies bin. —
Am 19. erreichten wir die Stadt Medina, welche, wie so viele Städte in Amerika, äußerst unbedeutend ist, da ein Wirthshaus, ein Kaufladen mit Spezereien, Tüchern und gebrannten Wassern und noch ein halbes Dutzend Häuser, von Schuhmachern, Schneidern, Schmieden und Wagnern bewohnt, sich den Namen einer Stadt beizulegen pflegen. — Dörfer, wie bei uns, giebt es gar nicht, da jeder Farmer seinen Grundbesitz um die Wohnung herum hat, und die mitunter nicht unbedeutenden Holzflächen die Nachbarhäuser weit entfernen. Aller gesellschaftliche Verkehr hört dadurch auf und jede Familie bleibt nur auf sich selbst beschränkt. Ihr Reichthum ist der Wald, ihre Nachbarn sind die Bäume, das Schulhaus, ihr eigenes Gebäude. Die Kirche ist groß, sie steht frei da und ladet täglich zum Gebet ein. Doch nicht ein Jeder findet darin, was zu des Menschen Heil genüget, drum sucht er oft in weiter Ferne ein gottgeweihtes Haus. In der Mitte des dichtesten Gehölzes steht solches da, und dieses ist der Ort, wo man des Sonntags sich begrüßt, nicht aber wie bei uns durch Tanz und freudige Gelage. Nicht Sturm und Wetter werden gescheut, und ringsum Meilenweit kömmt Jung und Alt, des Predigers Worte zu hören.
Von der Gegend war an diesem Tage nicht viel zu sehen, da der Kanal zwischen holzbewachsenen Bergen durchführt, wo nur dann und wann ein Blockhaus zum Vorschein kommt, welches dem Aeußern nach, nur ärmlichen Bewohnern zum Aufenthalte dient.
Am 20. kamen wir bei der Bergstadt Acrem an, wo sämmtliche Passagiere das Boot verließen, um theils im Orte die nöthigen Einkäufe zu besorgen, theils den Schleusenbau besser zu besehen, durch welchen die Boote mittels 17maliger Steigung 160–170 Fuß hoch auf den Berg gehoben und jenseits nach und nach bis zur frühern Tiefe hinabgelassen werden.
Meine Aufmerksamkeit nahm besonders das in der Nähe befindliche Eisenstein-Bergwerk, mit Anwendung von Dampfmaschinen, in Anspruch.
Eine englische, vornehmthuende Familie von unserm Boote, welche in der Kajüte sich plaçirt hatte, war mir gefolgt, und in dem Wahne, eine des Weges kundige Person in mir zu sehen, da ich nicht zurückging nach dem Stege, auf welchem wir das Wasser passirt waren, sondern in gerader Richtung vorwärts dem Boote nachzukommen suchte, verfolgte sie auch hier meine Fersen. Der Bach gestattete an einer seichten Stelle das Durchwaden, so daß nur die Stiefeln etwas naß wurden.