Der Ort selbst war früher wegen der in der Umgegend befindlichen Sümpfe und des stinkenden Wassers äußerst ungesund. In neuerer Zeit hat man aber diesem Uebel durch angelegte Kanäle und Graben abgeholfen.

Die vielen Sandbänke, welche sich in dem eine Meile breiten Fluß vor Louisville befinden, machten bei niederem Wasserstand die Passage äußerst gefährlich, weshalb mit ungeheurer Mühe und einem Aufwand von 400,000 Dollars bis Schippingport ein Kanal gebaut worden ist, welcher 2 Meilen lang, 40 Fuß tief und breit genug ist, um von Dampfbooten passirt werden zu können. Der Kanal fängt unterhalb Louisville in einer kleinen Bucht am Ufer an, geht hinter Schippingport hinweg und vereinigt sich wieder mit dem Ohio zwischen Schippingport und Portland, wo sich das Flußbett wieder verengt. Drei unweit der Ausmündung angebrachte Schleusen stellen bei einem Fall von 24 Fuß das Wasser-Niveau her. Der Wasserstand war zur Zeit unserer Durchfahrt äußerst niedrig, (5½ Fuß) so daß das Boot nur mit der größten Mühe und zu seinem Nachtheil, da es beständig auf dem felsigen Grunde wegging, vorwärts gebracht werden konnte und wegen einbrechender Nacht bis zum nächsten Morgen im Kanal verweilen mußte.

(Bitte das Bild anklicken für eine größere Ansicht.)

Ich und Freund Aacke hatten das Boot verlassen, um von einem erhöhten Standpunkte aus, bei einem großen Magazin, die herrlichste Aussicht zu genießen. Vor uns war der Fluß mit seinen vielen Klippen und Sandbänken und einer mit Wald bewachsenen Insel, rechts die Wasserfälle im Fluß und im Hintergrunde die Stadt Louisville. Links auf dem andern Ufer erblickte das Auge die Städtchen New-Albany und Clarksburg und etwas mehr zurück den Wald, welcher leider jetzt die Bäume blattlos zeigte. Es stehen wohl an keinem andern Orte der Vereinigten Staaten die blühenden Städte so nahe zusammen, als hier an beiden Ohio-Ufern. Jeffersonville, Clarksburg und New-Albany im Indiana-, Louisville, Schippingport und Portland im Kentucky-Staate.

Um die Lage und Namen der Städte auf dieser Wasserreise genau kennen zu lernen, hatten wir uns den Western-Pilot by Sam. Cummings angeschafft; ein Werk, welches Freund Aacke in Cincinnati gekauft hatte, und das uns mit seinen Abbildungen des Ohio- und des Mississippi-Laufes[43] jetzt als Wegweiser herrlich zu Statten kam, da wir schon im Voraus auf alles Sehenswerthe aufmerksam gemacht wurden.

Am Morgen des 12. Dezember nahm auch Freund Aacke beim Flottmachen des Bootes den thätigsten Antheil und wich erst dann von seinem eingenommenen Platz, als ich ihn auf die Gefahr aufmerksam machte, die seiner dort drohte. Denn kaum hatte ein Matrose den eben verlassenen Posten besetzt, als solchen der Druckbaum mit Gewalt niederwarf, den Arm quetschte und die ganze Seite stark beschädigte.

Mein geretteter Freund stand jetzt dem Verunglückten bei, versah die Stelle des Chirurgen, und schiente und verband die beschädigten Theile mit solcher Gewandtheit, daß man darüber vergaß, daß er nur ein gelernter Apotheker sey. In Amerika aber gilt die Geschicklichkeit, Niemand fragt „was hast Du gelernt?“

Die Reisegesellschaft hatte sich in Louisville um 2 Personen vermehrt, welche, nach dem Aeußern zu urtheilen, nicht unter die Zahl der vom Glück Begünstigten gehörten. Dabei wurden alle Gegenstände genau von ihren Augen gemustert, auch waren sie immer auf den Beinen und pflegten wenig der Ruhe, welches Benehmen mir um so auffallender war, da sie sich nicht zum Holztragen verstanden, um durch Uebernahme dieser Arbeit ein billigeres Fahrgeld zu erzielen.