Die Witterung war am Tage ausnehmend schön, so daß wir fast die ganze Zeit über auf dem Verdeck zubrachten und uns sonneten.

Von der Mündung des Salt-River an, schlängelte sich der Fluß in großen Windungen durch die meist hohen Felsenufer, auf welchen nur dann und wann ein Haus zum Vorschein kam. Mittags erreichten wir das Städtchen Leawenworth und die Sonne neigte sich schon zum Untergang, als man bei den auf beiden Ufern des Ohio-Flusses erbauten Orten Rome und Stevensport ankamen, welche mittelst einer hölzernen Brücke verbunden sind.

Schon war es Nacht, als der Kapitän anlegen ließ, um den nöthigen Holzbedarf vom Ufer einzunehmen. Die Witterung war äußerst ungünstig, der Regen ergoß sich in Strömen, weshalb die Passagiere, welche zum Holztragen engagirt waren, lange zögerten, ehe sie dem Kommandowort des Steuermanns Folge leisteten. Durchnäßt und über und über beschmuzt, suchten die Geplagten am Ofen sich zu trocknen, wobei mancher seine Reue zu erkennen gab, daß er sich zu diesem Geschäft verstanden. Mir selbst war dabei um so wohler, da ich alle Ursache hatte, mich zu freuen, daß Freund Aacke mich abgehalten, solche Verpflichtung zu übernehmen, wozu ich mich aus Oekonomie zuerst entschlossen hatte.

Während der Nacht vom 12. zum 13. fuhr das Boot an den Orten Hawsville, Troy, Rockport, Owensborough und Evansville vorbei. Bei letzterer Stadt wurde eine deutsche Schneiderfamilie ans Land gesetzt, welche hier bei Verwandten in einer fruchtbaren Gegend sich von Neuem anzusiedeln beschlossen hatte, nachdem sie schon 11 Jahr am Erie-See gewirthschaftet und sich dabei ein hübsches Vermögen erworben hatte, um das sie jedoch zum größten Theil durch einen Bankbruch und durch Ankauf von Lotten, (Bauplätzen) welche später bedeutend im Preis gefallen wären, gekommen seyn sollte. Der Mann war mehr über sein Schicksal gefaßt, doch die Frau weinte Tag und Nacht. Von Allen aber dauerten mich die jüngsten Kinder, welche in aller Unschuld die Mutter zu trösten suchten, diese aber die Liebkosungen der Kleinen mit Härte abwies, da sie sich nicht über ihren Schmerz erheben konnte. Beim Zusammenpacken der Effekten dieser Familie, vermißten sie ein Paar neue Stiefeln und ein Tuch, welche Sachen trotz aller Nachfrage, nicht wieder herbeigeschafft werden konnten.

Früh am Morgen des 13. Dezember sah man auf dem hohen Kentucky-Ufer das Städtchen Hendersonville und bei der Insel Diamond, welche 4 Meilen lang und über eine Meile breit sein soll, ragte ein gesunkenes Dampfboot noch theilweise aus dem Wasser.

Das Städtchen Mont-Vernon auf hohem Ufer, ward ebenfalls bemerkt und bei der Mündung des Wabash-Flusses, wurde an einem uns begegnenden Dampfboot so nahe vorbeigefahren, daß auch keine Hand breit Spielraum zwischen beiden Fahrzeugen blieb und leicht eine Carambolage hätte Statt finden können.

Gegen Mittag erreichten wir am linken Ufer im Staate Illinois den ansehnlichen Handelsplatz Shawnee-Town. Etwas später wurde uns eine große Höhle gezeigt, welche über 150 Fuß in den Uferfelsen eingehen soll und früher einer Räuberhorde zum Aufenthalt diente, welche die vorbeipassirten Fahrzeuge beraubten.

Während der Nacht vom 13. bis 14. wurde an dem Städtchen Golconda, der Ausmündung des Cumberland-Flusses und den Orten Wilkinsonsville und Amerika, vorbeigefahren.

Am 14. mit Anbruch des Tages kamen wir bei dem Orte Trinity an, welche Gegend äußerst gefährlich für die Schifffahrt seyn soll, wie solches auch zwei verunglückte, noch aus dem Wasser hervorragende Boote bekundeten; einige Zeit darauf wurde Mouth-Ohio erreicht, wo der Ohio sich mit dem Mississippi-Fluß vereinigt, in welchen Letztern sich schon 20 Meilen oberhalb St. Louis der Missouri ergossen hat. Diese drei Flüsse vereinigt, bilden einen der größten Ströme der Welt, welcher wegen seiner lehmigen Sandufer ein äußerst schmutziges Wasser hat, was um so auffallender bei dem Zusammenfluß des reinen hellen Ohio mit dem Mississippi ist und den Reisenden nun um so lästiger wird, da man gezwungen ist, solches Lehmwasser zu trinken und zum Kochen zu verwenden.

Mittags sah man am jenseitigen Ufer wiederum ein erst kürzlich gestrandetes Dampfschiff, von welchem die Uferbewohner die Ladung noch möglichst zu retten suchten.