Die vielen Unglücksfälle wurden besonders dem niedern Wasserstande zugeschrieben und die auf dem Mississippi fahrenden Dampfboote scherzweise mit schwimmenden Särgen verglichen, weshalb uns bei dem Gedanken, schon mit einem Fuß im Grabe zu stehen, nicht wohl zu Muthe ward.
Der Kapitän, selbst für sein Schiff besorgt, stellte die Fahrt des Nachts ein und benutzte nur die Tageszeit, um mit möglichster Vorsicht die Reise fortzusetzen. Wurde auch dadurch die Fahrt verlängert, so gewährte sie doch den Genuß, daß nichts von der Gegend, welche wir passirten, für das Auge verloren ging.
Am Nachmittag fuhren wir gleichzeitig mit einem andern Dampfboot auf einer Sandbank fest, welche sich vermuthlich erst gebildet und noch nicht auf der Flußkarte angegeben war. Alle Versuche, wieder flott zu werden, schlugen fehl, welches zuletzt unsern Kapitän bestimmte, das Schiff zu erleichtern, weshalb gegen 400 Faß Mehl mittelst Kähnen ans Ufer geschafft wurden.
Auf diesen Aufenthalt nicht vorbereitet, reichte unser vorräthiges Proviant nicht aus und wir sahen uns genöthigt, bei einem Farmer, wenn ein solcher nicht allzuweit vom Ufer entfernt wohnte, das Nöthige zu kaufen, oder einen Braten zu schießen. Nirgends war beim Eindringen in das mit Wald bedeckte Ufer eine Spur von Ansiedlern zu sehen und schon suchten wir, mit zwei Wasserhühnern beladen, um bei einbrechender Nacht nicht die Spur zu verlieren, den Weg zurück, als die Schmerzenstöne einer Stimme die Nähe von Menschen verriethen; diesem Schall folgend, erblickten wir, wie ein Unmensch einen seiner schwarzen Sklaven an einen Baum gebunden mit einer Peitsche schlug, da solcher, wie uns der Wütherich selbst erzählte, die Milch verschüttet habe.
Mit den erhaltenen Kartoffeln und etwas Brod eilten wir nach dem Boot zurück, wo während unserer Abwesenheit Aackes Koffer erbrochen und außer Zucker und Kaffee dessen Rasirzeug nebst einiger Leibwäsche entwendet worden war. Von jetzt an verließen wir niemals beide zu gleicher Zeit das Boot und hatten besonders ein scharfes Auge auf die beiden schon erwähnten Individuen, da solche uns des Diebstahls verdächtig vorkamen.
Das andere Dampfboot, welches mit dem unsrigen zugleich auf der Sandbank fest gefahren, konnte trotz aller Versuche nicht flott gemacht werden, da es der Kapitän nicht erleichtert hatte und es saß noch fest auf, als wir am 15. Morgens die Reise fortsetzten.
Dreiundzwanzigster Brief.
Im Dezember 1839.