Dem ganzen Ceremoniel fehlte vor Allem militärische Haltung und durch die verschiedene Equipirung der Truppen glaubte man mehr einen Maskenaufzug zu sehen. — Dem Gesetze nach haben 20 Mann, welche zusammentreten, das Recht, sich einen Führer zu wählen, und sich nach eigener Wahl zu uniformiren. Demnach wird beim Ausrücken der uniformirten Nationalgarden die Gelegenheit geboten, eine lebende Mustercharte von allem Militär in natura zu sehen, denn einem Trupp Engländern folgten Franzosen, Preußen, Russen, Schotten u. s. w. Das Musikchor von 20–30 Mann, welches jede Kompagnie vor sich her marschiren läßt, ist oft stärker als das ganze Bataillon selbst, und wenn auch mitunter die Musik gut ist, verstehen die Tambours ihre Kunst um desto schlechter, deren Trommeltöne, in Begleitung einer Querpfeife, unwillkührlich an den Bärentanz erinnern. — Vor Allem nimmt sich die Kavallerie possirlich zu Pferde aus, da, wie bekannt, der Amerikaner ein schlechter Reiter ist.
Nicht militärische Kenntniß bestimmt den einzunehmenden Grad einer Charge, sondern mehr die Bereitwilligkeit, zu welcher sich der Gewählte zur Mehrausgabe der mitunter höchst brillanten Auszeichnung der Offiziere versteht, und die Gelder nicht schont, welche ein so Glücklicher bei verschiedenen Gelegenheiten seinen Kameraden opfern muß. Wie es bei alle dem um die Disciplin steht, läßt sich denken. Jeder sieht den Beruf zum Militär als Nebensache an, weshalb es oft der Fall ist, daß beim Ausrücken Nachzügler vorkommen. Ein Gleiches war es mit dem Fahnenträger des 20 Mann starken Grenadier-Bataillons, welcher sich noch im nächsten Stoor fest machte, als seine Kameraden bereits abmarschirt waren und er nun, anstatt in der Mitte der Kompagnie zu marschiren, derselben mit der Fahne im Trabe nachzukommen suchte.
Früh am Morgen des 9. Januar wurde endlich die Wanderung angetreten. Jeder von uns war nur mit Wechsel von Leibwäsche versehen, da die Tour nur auf kurze Zeit berechnet, und auch schon beim Mangel der Kräfte der mitgenommene Zucker, Thee und Kaffee, wie das nöthige Kochgeschirr, im Fall uns keine gastfreundliche Aufnahme werden sollte, das Gehen erschwerte. Mein Begleiter dagegen, war hinlänglich mit Pulver und Blei, sowie mit den beiden Gewehren versehen.
Des Gehens entwöhnt, sehnte ich mich schon nach wenig zurückgelegten Meilen nach Ruhe, und es war beschlossen, auf nächster Plantage einzusprechen. Der Herr sey, wie versichert wurde, in Orleans, und der Aufseher der Sklaven war hartherzig genug, uns die Herberge zu versagen, und verwischte so das schöne Bild gerühmter Gastfreundschaft der Amerikaner. Die nächste Plantage sey nicht weit, ward uns zur Antwort, und heute noch zu erreichen, worauf ein Neger Befehl erhielt, uns bis zur Grenze zu geleiten, und dann den richtigen Holzweg zu zeigen. — Von diesem armen Schwarzen erfuhren wir nun, wie sie von den Launen des Gebieters die härtesten Mißhandlungen zu erdulden, und wie überhaupt eine grausame Disciplin gehandhabt werde. Zur Zeit der Aerndte gönne man ihnen wenig Ruhe, und von früh bis spät Abends der Sonnengluth ausgesetzt, unterliegen mehrere den Strapazen. Beim Abschiede reichten wir ihm ein Glas Rum, was er begierig verschluckte und dankbar dafür uns die Hände drückte, wobei er der Thränen sich nicht enthalten konnte und mich selbst zur Wehmuth stimmte. — Schon in Orleans, wo man das ganze Jahr hindurch dieser Menschenklasse nur die halbe Sonntagsruhe gönnt, ging ihr Loos mir sehr nahe, und mit wahrhaft schmerzlichen Gefühlen sah ich die armen Schwarzen mit entblößtem Haupte und niedergeschlagenem Blicke, oft nur mit einigen Lumpen bedeckt, zum Verkauf ausgestellt, oder auktionsmäßig aus einer Hand in die andere gehen, wobei man sie gleich dem Vieh betastete, um sich von dem mehr oder weniger muskulösen Körperbau zu überzeugen. Ist es nicht eine Schande für ein Volk, das Freiheit und Gleichheit immer im Munde führt, und dabei die heiligsten Menschenrechte mit Füßen tritt? Sind die Schwarzen denn nicht auch Menschen? Mit welchem Rechte unterdrückt man die geistigen Kräfte dieser Armen (Keiner darf lesen noch schreiben lernen), statt sie allseitig auszubilden, und diesem Menschengeschlecht dadurch die erhabene Stellung, zu der es, vermöge seiner geistigen Anlagen gleich dem Weißen berufen ist, zu sichern? Es ist mir versichert worden, daß es in Orleans mehrere Neger geben soll, die nur durch Gehör die englische, französische, spanische und deutsche Sprache erlernt hätten.
Gleich hinter dem Gehölz sollte, wie der jetzt zurückkehrende Neger versicherte, die nächste Plantage den Anfang nehmen, wohin zu gelangen wir nicht säumen durften, da das Dickicht der Bäume den Weg verfinsterte und zu befürchten stand, uns noch zu verirren. Bald rechts, bald links schlängelte sich der Fußpfad, welcher zuletzt nicht genau mehr zu erkennen, da er nur wenig betreten war, und wir auf das Ungewisse dem Zufalle folgen mußten. Schon befürchtete ich, wir wären irre gegangen, als Menschenstimmen sich hören ließen und der Schein eines Lichtes zu uns drang; in dieser Richtung fortgehend, führte der Weg zu einer Reihe kleiner Hütten, welche als Aufenthalt der Neger dienten. Sehr gern hätten uns die Bewohner der ersten Hütte aufgenommen, wenn es der Raum gestattet hätte, da hier aber schon zwei Familien sehr beengt untergebracht waren, welche auf ihrem Mooslager der Ruhe pflegten, so wurden wir in eine andere der Hütten, welche nur zwei Männer in sich faßte, gebracht, an deren Seite wir, von Müdigkeit erschlafft, bald dem Schlafe verfielen.
Noch pflegten wir der Ruhe, als am Morgen der Aufseher der Schwarzen, vermuthlich durch die Schlafgesellen von unserm nächtlichen Besuche unterrichtet, vor dem Lager stand, und mit barscher Stimme nach unserm Begehr fragte. Meinen Wunsch, die Utensilien und die Einrichtung der Zuckersiederei besehen zu dürfen, schlug er aus dem Grunde ab, daß an diesen jetzt außer Gebrauch gesetzten Geräthschaften nicht viel zu sehen sey, er aber auch keine Zeit und Lust habe, die verschiedenen Räume zu öffnen, und wir deshalb immerhin ungesäumt den Weg fortsetzen könnten, wo wir mehre Plantagen antreffen würden.
Dieser unvermuthete zweimalige Empfang hatte das Feuer der Reiselust merklich gedämpft und mich zum Umkehren bestimmt, wenn es mein Reisegefährde, der leidenschaftlicher Jäger war, zugegeben hätte; vielmehr suchte mich derselbe zu überzeugen, daß im Innern des Staates Louisiana, wohin die Reiselustigen aus Orleans weniger wanderten, uns freundlichere Aufnahme werden würde, und der erste Tag keinen Maßstab der gemachten Erfahrungen abgeben könne. Diesem konnte ich Nichts entgegensetzen und da die schöne Witterung das Unternehmen zu begünstigen schien, so wurde von Neuem der Wanderstab ergriffen und die Schritte vorwärts gerichtet. Die, wie es schien, fruchtbarsten und mitunter schönen Landstriche, welche jedoch der Ueberschwemmung ausgesetzt sind, wie dieses an den Gesträuchen zu sehen war, wurden durchwandert, im Gehölz das noch nicht verscheuchte Wild erlegt und bei Plantagenbesitzern, welche uns gastfreundlicher aufnahmen, eingesprochen, die uns Alles zeigten und die gewünschte Auskunft ertheilten. Auch der üble Eindruck wurde gemildert, welchen oft Hunderte von Sklaven, die mit Umhacken der Erde auf den Zuckerfeldern beschäftigt waren, auf uns machte, und die erbärmlichsten Lebensverhältnisse, in welchen dieselben sich zu befinden schienen, wurden weniger von den daran Gewöhnten und nichts Besseres Kennenden, gefühlt, wie dieses auch das mitunter fröhliche und gute Aussehen dieser Menschenklasse bestätigte.
Nachdem in Opelousas der Schießbedarf ergänzt worden war, wurde der Marsch nach Alexandria fortgesetzt. Am letztern Orte bestimmte uns die nasse Witterung, das Fußreisen auszusetzen, und um mehr Ruhe zu genießen, wurde beschlossen, auf dem Red-Flusse bis nach Natchitoches zu fahren, von wo aus der Retourweg durch eine andere Gegend angetreten werden sollte. Doch wie so Manches in der Welt eine andere Richtung erhält, als man sich vorgestellt hat, eben so sollte es jetzt unserm Ausfluge ergehen.
Zwei Reisende, ein Schweizer und ein verbannter Pole, von St. Louis kommend und auf dem Wege nach Texas begriffen, gesellten sich in Natchitoches zu uns, und wußten Texas so zu rühmen, daß es nichts zu wünschen übrig lasse, und bei mangelnden Arbeiten könne sich jeder guten Verdienst dort versprechen; deshalb willigten wir ein, bis dahin unsern projektirten Ausflug zu verlängern, und auf gemeinschaftliche Kosten, da, wie es schien, einer so wenig wie der andere hatte, die Fußreise fortzusetzen.