In der Gegend von Orleans ist das Holzfällen nicht allein beschwerlich, sondern auch äußerst ungesund, da auf den sumpfigen Stellen die Arbeiter oft im Wasser waden müssen und dabei noch froh sind, wenn sie ihren Lohn richtig empfangen, welches, da man immer Reste zurückhält, welche beim Abgange der Holzmacher in der Regel kassirt werden, selten der Fall ist. Ich rathe daher den Auswanderern, nicht New-Orleans zum Landungsplatze zu wählen, sondern jeden mehr nördlich gelegenen Hafen vorzuziehen, wo man immer Gelegenheit findet, in die westlichen Staaten, wenn man dahin sein Ziel gesetzt hat, reisen zu können.
Bis zur völligen Genesung, wo mir in einer Eisen-Manufaktur Arbeit zugesagt worden war, hier ohne Zweck zu verweilen, ließ der Geist mir nicht die Ruhe, und da der Hauswirth die Anfertigung von Zündhölzern nicht wieder erlaubte, so war ich Willens, mit einem Franzosen, welcher gut englisch und deutsch sprach, die nächsten Zuckerplantagen zu besuchen, um mich daselbst mit den gebrauchten Utensilien bekannt zu machen, und auf Gastfreundschaft gestützt, billiger als es hier möglich, die Zeit bis zu meiner völligen Genesung zu verleben.
Bis Monat März gedachte ich überhaupt nur in Orleans zu verweilen und dann zur See nach Richmond zu fahren, von wo aus die Reise über Washington und Baltimore, durch Pennsylvanien nach Philadelphia und New-York zurückgemacht werden sollte, wenn dieses ein höheres Wesen nicht anders bestimmte. — Ueber die Zeit meines dortigen Eintreffens, wie über alles Andere, läßt sich hier nichts mit Gewißheit voraus bestimmen, da man dem Zufall und den Launen des Schicksals fortwährend unterworfen bleibt; ist man aber gesund, so läßt sich als einzelne Person bei Selbstbeherrschung und Mäßigkeit das leicht wieder erwerben, was schlechte Menschen und Krankheit entrissen haben. Nur für Trennungsschmerzen giebt’s keine Linderung, und offen will ich gestehen, daß ich nicht geglaubt, daß der Gedanke an die Seinen in einsamen schweren Stunden, den Menschen so ganz niederschlagen und muthlos machen könnte; nur die Hoffnung des Wiedersehens, die höchste irdische Freude für mich, ist vermögend den Schmerz zu mildern und Balsam in das wunde Herz zu gießen. — Um Nichts in der Welt gebe ich die Stunde, in welcher ich Euch wieder in die Arme zu schließen hoffe, und dann soll nur der Tod mich von meiner Familie wieder trennen.
Fünfundzwanzigster Brief.
Wanderung nach Texas.
Im Januar 1840.
Die eingetretene nasse Witterung hielt uns von dem Ausfluge ab, und so kam es, daß wir am 8. Januar noch in Orleans verweilten, an welchem Tage vor 25 Jahren die Engländer den Versuch wagten, diese Stadt zu erobern, vom General Jackson aber geschlagen und zum Rückzuge gezwungen wurden. Am Tage des Festes, welches der alte General persönlich zu verherrlichen beschlossen hatte, sollte auch auf dem Schlachtfelde der Grundstein zu einem Denkmale gelegt werden, wie es die Zeitblätter bekannt machten, und die Eigenthümer von Dampfbooten ihre Fahrzeuge zur Reise dahin empfahlen. Selbst die Eisenbahngesellschaft machte bekannt, daß die Wagen um 11 Uhr für das Militär bestellt seyen; wenn sich Privatpersonen derselben bedienen wollten, so müsse dieses früher oder später geschehen.
Wer würde demnach wohl daran zweifeln, daß nicht Alles in Wahrheit beruhe, und so ließen sich Viele verleiten auf dem Schlachtfelde der Dinge zu harren, die da kommen sollten. Doch Alles war nur ein Scherz, mehr auf die Geldbeutel der Leichtgläubigen abgesehen[48], weil ohne diesen Kunstgriff während der Festlichkeiten in der Stadt, weder Eisenbahn noch Dampfboote gebraucht worden wären. Während Viele nun vergeblich auf dem Schlachtfelde harrten, kam General Jackson auf einem Dampfboote in Orleans an, und wurde im Triumph in einem vierspännigen Wagen auf dem Platz vor der Kathedrale abgeholt, wo die Nationalgarden in Parade aufgestellt, ihn mit Salven aus dem groben Geschütz begrüßten. Nach beendigten Honneurs wohnte man dem dazu veranstalteten Gottesdienste bei, worauf die Truppen vor dem General vorbei defilirten, und durch einige Straßen nach einem andern Platze marschirten, wo sich Alles in Wohlgefallen auflöste, und das Fest als beendigt anzusehen war.