Vom 1. Januar 1839 bis 1. Januar 1840.
| 640 | Acres | den | Verheiratheten und |
| 320 | – | – | Ledigen, |
wobei das Recht verknüpft war, selbst zu bestimmen, wo ein Jeder angewiesen und ausgemessen haben wollte, dafür aber die desfallsigen Bemühungskosten zu bezahlen hatte. Mit dem Jahre 1840 hörten alle Schenkungen auf und nur Militärdienste werden noch mit Abgabe von Ländereien belohnt, deren Zahl die Länge der Dienstzeit bestimmt.
Wer würde wohl nach solcher Schilderung des Landes nicht Lust bekommen, hier seinen Wohnsitz aufzuschlagen, wo noch besonders die angeführten Schenkungen von Grund und Boden zum Ansiedeln reizen mußten? Doch Manches spricht dagegen. Wie viele hier eingewanderte Nordamerikaner, die eben so schnell diesen Staat wieder verlassen, beweisen, wie Tausende meiner Landsleute Amerika verlassen würden, wenn ihnen die Mittel dazu nicht fehlten.
Die Zahl der neu eingewanderten Bevölkerung besteht in der Mehrheit immer nur aus Nordamerikanern aller Staaten, da die Beimischung europäischer Völker, worunter immer die Deutschen noch die Mehresten sind, nur gering ist. — Vor Allem liefern Louisiana, Mississippi und Alabama eine Menge Individuen, welche wegen unbezahlter Schulden oder sonstiger Streiche, der Justiz glücklich entwischt, hier eine Freistätte suchen. — Dann glauben auch viele Amerikaner, hier ohne Arbeit und Beschäftigung die goldnen Berge zu finden, welche der Deutsche vergeblich in Amerika sucht; sie fallen durch getäuschte Erwartung und Faulheit der übrigen Bevölkerung zur Last und verderben die Sitten. Unruhige Geister, gelehrt sich dünkend, Doktoren, Advokaten und Theologen kommen in der Meinung, durch ihren Kopf allein reich zu werden, wozu die junge Republik am wenigsten Gelegenheit bietet, gerathen oft nothgedrungen auf Abwege und fallen Abenteurern, Spielern und Trunkenbolden in die Hände, wodurch, da Alles erst im Entstehen ist, bei mangelnder energischer Gerechtigkeitspflege, Betrug, Duelle und Meuchelmord unvermeidlich sind, daß dabei die Grenze zwischen Mein und Dein nicht immer gesichert ist, läßt sich denken.
Der moralische Zustand dieser vermischten Volksmasse steht hier noch tiefer als in den Vereinigten Staaten selbst; da alle Volksbildung fehlt, keine Schulen und Religionsanstalten vorhanden und nur Missionäre in religiöser Beziehung das Ihrige zum Seelenheil der Menschen beitragen. Sucht man auch in neuerer Zeit diesem Uebel durch Erbauung von Kirchen und Schulen abzuhelfen, so haßt doch der Amerikaner vor Allem den Zwang und lebt lieber im natürlichen Zustande fort.
Geldmachen ist auch hier der Punkt, um den sich Alles dreht und wendet und Nichts wird gescheut, diesen Zweck zu erreichen. Dabei hat das Laster der Trunksucht die höchste Stufe erreicht und die Zahl der mit geistigen Getränken Handeltreibenden, übersteigt alle Erwartung, da dieser Handel die schönste Gelegenheit bietet, auf dem kürzesten Wege reich zu werden, wozu mitunter ein fein angelegter und gescheidt ausgeführter Bankerott das Beste beiträgt. In keinem Lande werden wohl im Verhältniß der Bewohnerzahl mehr geistige Getränke konsumirt, als hier. Die Hauptursache mag wohl auch in dem schlechten Trinkwasser und in den schnell wechselnden klimatischen Witterungseinflüssen zu suchen seyn, weshalb man Branntwein als Arznei und Schutzmittel für die Gesundheit des Menschen hält. Auch lebt der größte Theil der Bevölkerung außer ehelichen Verhältnissen und ist wegen Wohnung und Kost auf die Speisehäuser verwiesen und dadurch in die Nähe geistiger Getränke versetzt, deren Reiz zu mächtig ist, wobei der Genuß durch Gewohnheit leicht zum Bedürfniß wird. Im ehelichen Verhältnisse, wo Mann und Frau beim Genuß geistiger Getränke nur zu oft aus den Schranken der Mäßigkeit treten, sucht man auch die Kinder schon frühzeitig daran zu gewöhnen, um, wie der Wahnglaube des Volkes ist, den Körper mehr gegen die Witterungsseinflüsse abzuhärten. Kein Geschäft, kein Versöhnungsakt wird abgeschlossen, ohne durch Leeren der Gläser. Mit solchen in der Hand, wird jeder empfangen, der ein Lokal betritt, wo geistige Getränke verkauft werden und gegen Anstand und Sitte würde man stoßen, wollte man keinen Bescheid thun. Da sich aber mitunter der Bekannten zu viel einstellen, so ist es häufig der Fall, daß der Mensch aufhört, Mensch zu seyn und im Zustand der Trunkenheit unter das Vieh herabsinkt. Untergräbt schon der unmäßige Genuß geistiger Getränke die Gesundheit, so muß dies in Amerika noch mehr der Fall seyn, da man sich hier nicht scheut, durch alle künstliche Mittel Wein, Bier und Branntwein stärker und berauschender zu machen, und gewissenlos werden spanischer Pfeffer, Kokoskörner, Tabacksblätter, Paradieskörner, Krähenaugen, Stechäpfel, Bilsenkraut, Opium, Belladonna und dergleichen Ingredienzien in Anwendung gebracht. So lange dieses nicht unterbleibt, kann die Gesundheit des Menschen nicht gewahrt werden und der Tod wird fort und fort seine Opfer fordern und dem gelben Fieber leichtern Eingang verschaffen, welches in den meisten Städten von Texas den Menschen in den letzten Jahren so gefährlich worden ist.
Die Witterungseinflüsse auf die Menschen, besonders der Neuankommenden, halten die Gesundheit derselben beständig im Schach und sind auch die Fieber nicht immer tödtlich, so untergraben sie doch die Gesundheit und schwächen den Körper, so daß der Mensch schnell altert und im vierzigsten Jahre mit einem Sechziger verglichen werden kann. Nur wer daselbst geboren und gleichsam schon im Mutterleibe an das Klima gewöhnt worden ist, hat von alle dem weniger zu befürchten. Schon aus dem Angeführten sollten fleißige und industriöse Einwanderer diese südlichen Länder meiden und sich nicht der Hoffnung hingeben, daß sie im Innern des Landes weniger von diesem Uebeln zu befürchten hätten. Ist dieses nun auch der Fall, so sind sie doch mehr den Ueberfällen der Indianer bloß gestellt, wie uns Familienglieder solcher Ueberfallener, welche das Skalpirmesser nicht erreicht hatte, erzählt haben. Unvermuthet stellt sich diese Mordbrennerschaar ein, überfallen die wehrlosen Kolonisten, ermorden, was ihnen in die Hände fällt und ein Schutthaufen bezeichnet den Abwesenden den Ort ihrer friedlichen Hütten. Wird auch von der Regierung Alles gethan, diese unberufenen Gäste abzuhalten, so ist doch die zu Gebote stehende Macht bei den ausgebreiteten Distrikten weit auseinander liegender Städte und einzelner Wohnungen nicht immer hinreichend.
Man hat daher im Juli 1839 den Sitz der Regierung von Hauston weg und mehr in das Innere des Landes zurückgelegt und an dem Colorado-Fluß, 170 Meilen von ersterer Stadt entfernt, die Stadt Austin gegründet, welche Gegend außer Fruchtbarkeit, ein gesundes Klima enthält. Es wird demnach die konzentrirte Macht mehr in die Mitte des Staates verlegt, um die Kräfte nach allen Seiten verwenden zu können. So lange übrigens dieser junge Staat noch nicht unter die Zahl der vereinigten nordamerikanischen Staaten aufgenommen worden ist, worüber die gepflogenen Verhandlungen bis jetzt kein günstiges Resultat geliefert haben, wird immer zu befürchten stehen, daß Mexico seine Ansprüche an diese abgefallene Provinz von Neuem geltend machen, das Land mit Krieg überziehen wird und so die Bewohner den Drangsalen einer solchen Periode ausgesetzt sind.