Das häusliche Verhältniß und schlechte Lebensweise der niedern Volksklasse in Städten ist dem wenig begüterten Ankömmling, welcher unter derselben leben muß, nichts weniger als angenehm, da das herrschende Laster der Trunksucht alle andern im Gefolge hat, und man so oft unverschuldet in Händel verwickelt wird, die nicht immer den besten Ausgang nehmen, wie überhaupt auch schlechter Umgang die besten Sitten verdirbt.

Von allen in Texas lebenden Indianer-Stämmen, die in vielen Resten aufgeriebener Horten aus den Verein. Staaten bestehen sollen, zeichnen sich besonders die Camanches durch große Wildheit und Treulosigkeit aus, die ihren Ursprung von einem der vornehmsten Stämme herschreiben, welche bei der Eroberung Mexiko’s durch die Spanier ihren Aufenthalt in der Gegend von Mentezumes gehabt, statt aber sich zu unterwerfen, die Auswanderung vorgezogen und hier in den Hochgebirgen von Texas sich niedergelassen haben. Ihr Oberhaupt soll, wie die Sage angiebt, beim Erblicken ihres jetzigen Aufenthaltes, ausgerufen haben: Texas! (welches in ihrer Sprache: „Paradies“ heißt), und dieser Name ist für diesen Theil Mexiko’s bis jetzt beibehalten worden.

Geschlossene Verträge werden selten von den Camanches-Indianern gehalten, da neben der Jagd, Raub und Mord ihre Lieblingsbeschäftigungen sind, und nur durch die Gewalt der Waffen sind solche in ihren Grenzen zu halten.

Von den friedlicher lebenden Indianer-Stämmen ist weniger zu fürchten und mehre von ihnen leben sogar mit den Texanern im Handelsverkehr, und werden von diesen zum Auskundschaften der Feinde gebraucht.

Mehr oder weniger suchen die Indianer ihr Aeußeres zu entstellen und schon in Orleans nahmen Chaktaw-Indianer, welche mit geflochtenen Körben aus Palmenzweigen dorthin Handel treiben, meine Aufmerksamkeit in Anspruch. Die kupferfarbige Haut wird auf der Brust, den Armen und im Gesicht theils gemalt oder tatowirt, und die großen Ringe in Nase und Ohren geben dem Ganzen ein frappantes Ansehen. Bunte Glasperlenschnüre mit einem Muschelschloß zieren den Hals, eben so blanke, kupferne Ringe die Handgelenke. Um die Beine sind Schellen und Klingeln gebunden und in den langen Haaren ein Federbusch befestigt. Eine wollene Decke bedeckt die Blöße, Kinder aber gehen ganz nackend.

Während der fünf Wochen, welche wir bereits in Texas umher irrten, ward Keinem von uns Gelegenheit, ein gutes Unterkommen in einem der größern Orte zu finden. Mein Metier als Kupferschmidt hatte hier noch nicht gewurzelt, eben so wenig war in einer Brennerei Beschäftigung zu finden, da Branntwein größtentheils aus den Vereinigten Staaten zugeschafft wird.

Der Pole als Kürschner, so wie der Schweizer als Müller, fanden ebenfalls keine Stellen, auch der französische Kaufmann suchte vergebens als Marqueur ein Unterkommen. Als Domestiquen sich zu vermiethen, fühlte Keiner den Beruf, und des längern Reisens ohne Zweck müde, gaben die beiden Ersteren den lockenden Werberworten Gehör und nahmen in Hauston unter Texanischem Militär Dienste. Wer weiß, zu was auch ich mich entschlossen hätte, wenn ich nicht Familienvater und meiner Pflichten als solcher weniger eingedenk gewesen wäre.

Die beiden kleinen Pferde, welche Raçe in Texas einheimisch ist, wurden verkauft, der Erlös brüderlich getheilt, und dieser war ausreichend, um mich und den Franzosen nebst den beiden besser konstituirten Maulthieren auf einem Dampfboote nach der Hafenstadt Galveston zu spediren, wo wir am 20. Februar mit dem Kapitän des Segeldampfschiffes Neptun die Reise nach Orleans zurück akkordirten, in Ermangelung des nöthigen Reisegeldes die Maulthiere einsetzten, und nach einer sechswöchentlichen Abwesenheit, am 23. Februar wieder in letzter Stadt ankamen.

Freund Aacke zahlte das bedungene Fahrgeld aus, darauf wurden die beiden Maulthiere verkauft, die Schulden bezahlt, und von Neuem nach Arbeit umgesehen. — Nur einmal auf der ganzen Tour hatte ich einen Anfall vom Fieber, und kehrte gesünder nach Orleans zurück, als ich es verlassen hatte.