Von alle den mannigfaltigen Begebenheiten dieser Reise, will ich am Schlusse dieses Briefes nur eines Vorfalls erwähnen, welchen mir jedes Gewitter in Erinnerung bringen wird. — Eines Tages hatten wir den gebahnten Weg, welcher im Thale die Anhöhen umgehend, sich hinzog, verlassen, und in Folge der Angabe eines Indianers einen Holzweg betreten, welcher über das waldige Gebirge näher und schattiger nach der nächsten Plantage führen sollte. Die hintereinander gebundenen Zaumthiere wurden durch mich geleitet, während dem die Reisegefährden die Jagd verfolgten, die sich hier in mannigfaltiger Auswahl darbot.
Immer weiter in das Dickicht der Bäume wurden die Jäger verleitet, und nur der Knall ihrer Büchsen schallte noch zu mir, als der sich theilende Weg mich unschlüssig machte, welcher von beiden zu betreten sey. In der Hoffnung, daß einer der Schützen sich zeigen werde, hielt ich schon längere Zeit, während dem die Thiere weideten, bis herabfallende Regentropfen und der dumpfe Donner ein herannahendes Gewitter verkündeten. Noch hatte ich den Muth nicht verloren und suchte, etwas entfernt von den Thieren, Schutz unter den Zweigen der Bäume; doch als der Donner immer vernehmlicher ward, und dicke schwarze Wolken am Horizonte die Sonne verfinsterten, so daß aus Tag Nacht ward, wurde mir bänglich, als aber der Sturm die Bäume zu entwurzeln drohte, was nur der dichte Wald verhinderte, und der Blitz nicht fern von mir in den Zweigen herabfuhr, und den Stamm spaltete, da wurde ich selbst für mein Leben besorgt, ließ Pferde und Esel im Stich, und ging langsam im Regen bis zu dem Vorsprung eines Felsens.
Gleich als ob es abgesehen wäre, mir die Ohnmacht des Menschen zu zeigen, sey man auf der See oder dem Lande, so wurde das Wetter stündlich abscheulicher, und ein Fieberfrost schüttelte meine Glieder.
Schützte auch die Grotte vor Nässe, so fehlte doch die wohlthuende Wärme, und nur die Hoffnung, das Wetter werde bald vorübergehen, belebte meinen Muth. — Doch es wurde Abend, und war auch der Donner verhallt, so sauste noch schrecklich der Wind durch die Bäume und schüttelte das Wasser in Strömen von den Aesten. Jetzt blieb nichts übrig, als die Nacht hier zu verweilen, und ein Feuer anzuschüren um mich zu erwärmen und den Reisegefährden den Ort zu bezeichnen, wo sie mich finden würden. Nur mit Mühe gelang es Feuer anzumachen, da der feuchte Boden und das nasse Holz die helle Flamme immer wieder zu ersticken drohete. Doch Ausdauer überwindet Alles. Zu meiner Freude und Trost schlug die Flamme auf, und verbreitete Wärme und Licht um sich her. Knurrte auch der Magen, so mußte er sich doch in Geduld fügen, da nichts zu kochen vorhanden und das Herbeischaffen von Holz die Zeit in Anspruch nahm. —
Glücklich drang der Schein des Feuers bis zum Versteck der Jäger, welche gleich mir der Regen genöthigt, in einem Felsenrisse Schutz zu suchen, wo sie, verabredetermaßen, das Feuermahl zu erspähen suchten, und jetzt beladen mit Wildpret und der Haut einer großen Schlange, bei deren Abziehen sie das Wetter erwischt hatte, bei mir ankamen.
Vor Allem wurden die zurückgelassenen Pferde und Esel wieder herbeigeschafft, das Nöthige zum Kochen war bald geschehen, und so der Hunger gestillt.
Schon früh am Morgen, wozu das harte Lager Veranlassung gab, folgten wir der Richtung, von woher die Jäger am vergangenen Abend den Schein eines Lichtes wahrgenommen hatten, und Hunde-Gebell verrieth bald darauf die Nähe einer menschlichen Wohnung. — Der Herr der letztern, von der Stimme des Hundes geweckt, trat vor die Hütte, um zu sehen, was so früh die Ruhe störe; doch als er uns gewahr wurde, ging er von Neuem ins Haus, und kam sogleich bewaffnet zurück. Mit der barschen Frage, was wir wollten, und uns zu bewillkommnen bereit, hielt er das Gewehr entgegen. Nachdem er jedoch vernommen, was unser Geschick sey, meine Begleiter unbewaffnet näher traten und die alte Geschichte von deutschen Emigranten, die in Texas sich anzusiedeln beschlossen, erzählten, öffnete er freundlich die Wohnung und stellte uns der Familie vor, welche während des Wortwechsels das Lager verlassen und sich nun anschickte, das Frühstück zu bereiten.
Leider sprach der Spanier wenig französisch, englisch und deutsch gar nicht; doch gaben Geberden, wie der kredenzte Branntwein, Maisbrod und Schweinefleisch zu erkennen, daß wir ihm herzlich willkommen waren. Nach genossenem Frühstück brachte uns einer seiner Söhne auf die richtige Spur zur nächsten Plantage, und die Gastfreundschaft dieser braven Leute in einsamer Wildniß war aufrichtiger und herzlicher, als ich sie irgendwo gefunden habe.