Die vielen Gasthäuser und Herbergen längs der Straße benutzt der Fuhrmann nur, um seine Person mit Speise und Trank zu versehen. Die vorhandenen Ställe oder Schoppen werden von ihm für sein Vieh nicht benutzt. Sowohl Mittags als Abends beim Ausspannen, bindet man die Pferde, auch wenn sie noch so warm sind, an die Deichsel fest, ohne die erhitzten Thiere mit einer Decke zu belegen, die mitführende Krippe an solche, und das Futter, welches auch auf dem Wagen vorräthig ist, wird sogleich gegeben. Auch selbst in den Städten, wo die Fuhrleute oft wochenlang auf die Ergänzung ihrer vollen Fracht warten müssen, kommen die Pferde während dieser Zeit nie unter Obdach, da der Fuhrmann die Ausgabe für Stallgeld scheut. Streue für das Vieh wie für den Mann ist ebenfalls nicht Mode, da die Erstern im Freien mit Gottes Erde sich begnügen müssen, und der Fuhrmann seine ausgestopfte Matraze nebst wollenen Decken immer mit sich führt. Daß durch diese schlechte Abwartung die Pferde bald steif und unbrauchbar gemacht werden, läßt sich denken.

Nicht immer nimmt sich der Amerikaner des Verunglückten an, wie es der menschenfreundliche Fuhrmann an mir gethan hatte. Mitleid ist keine der Tugenden, welche den Amerikaner ziert, und nur zu oft reicht man erst die rettende Hand, wenn es zu spät ist, wie dieses folgende traurige Begebenheit bezeichnet, welche die Pittsburger Zeitung bekannt machte. „Ein junger Mensch, dessen Namen man nicht genau ermitteln konnte, Heinrich Fricken, oder Ficken, acht Stunden von Bremen zu Haus, aus dem Hannöverschen, fand am letzten Sonntage unter folgenden traurigen Umständen ein frühes Grab. Der Unglückliche war erst ohngefähr 9 Monate in Amerika, hatte sich eine Zeitlang von Baltimore aus hier aufgehalten und wahrscheinlich auf seine Profession (als Schneider oder dergl.) gearbeitet. Auf seiner Reise, dem Kanale entlang, wurde er von der Ruhr befallen, allein entblöst von allem Gelde, nahm sich Niemand des armen Tropfes an. Er schleppte sich mühsam eine kleine Strecke weit bis oberhalb Alleghanytown, wo er vor Erschöpfung und gänzlicher Ermattung liegen blieb. Böse Buben, in der Meinung er sey ein Trunkenbold, warfen ihn mit Koth und Steinen. Am Freitag Morgen schleppte er sich bis in ein Wirthshaus am Alleghany-Markt und bat den Wirth, ihm bei einem Friedensrichter eine Armenbescheinigung auszuwirken. Doch der angegangene Friedensrichter verweigerte diese Bescheinigung, unter dem Vorgehen, man könne nicht jeden hergelaufenen und betrunkenen Kerl ins Armenhaus bringen, worauf ihn auch der Wirth gehen ließ. — Wiederum schleppte sich der zum Tod Kranke bis nach dem untern Theile von Alleghanytown, wo er an der Kirchenfense (Zaun) der deutschen Kirche liegen blieb. Des Abends sahen ihn die Kinder der deutschen Schule, und erzählten: daß ein betrunkener Mann an der Fense liege, doch Niemand bekümmerte sich darum. Gegen Abend durchnäßte ein furchtbarer Platzregen den Elenden, der dann in der Nässe und Kälte die Nacht im Freien zubringen mußte. Des Morgens kam ein Söhnlein des Herrn Lehmann dahier an der Fense vorüber, und betrachtete den Daliegenden. Der Kranke sprang plötzlich auf und fiel dem Knaben um den Hals. Dieser führte ihn in seiner Eltern Haus, wo man den Erstarrten und Kranken mit warmen Getränken labte und dann für seine weitere Verpflegung die nöthige Sorge traf. Aber die Leiden hatten des Unglücklichen Lebenskräfte in dem Maaße gebrochen, daß alle Pflege und ärztliche Hülfe fruchtlos war. Er starb am Sonntag Abend und wurde am Montag auf dem hiesigen Kirchhofe beerdigt. Wäre von Seiten des obenerwähnten englischen Friedensrichters die ihm obliegende Pflicht erfüllt worden und hätte dieser den Kranken untersuchen lassen, ehe er ihm die Bescheinigung verweigerte, so hätte vielleicht derselbe gerettet werden können.“ —

Um noch vor dem Auseinandergehen der Kongreß-Mitglieder, welches den 21. Juni Statt finden sollte, in Washington einzutreffen, da ich den öffentlichen Verhandlungen gern beizuwohnen wünschte, so entschloß ich mich, und da durch den Sturz vom Pferde das Fußreisen mir noch Schmerzen verursachte, diese 40 Meilen lange Strecke von Baltimore bis dahin, auf der Eisenbahn zurückzulegen.

Bei der Schnelligkeit der Fahrt ließ sich von der Gegend nur so viel erkennen, daß solche nicht sonderlich fruchtbar zu seyn schien, wie auch die ärmlichen Wohnungen bekundeten, welche zum Aufenthalte von Negerfamilien dienten, deren Kinder nackend vor den Hütten sich herumtummelten. —

Die nach einem großartigen Plane angelegte Stadt Washington, im Staate Columbia, mit 20,000 Einwohnern, ist seit 1800 der Sitz der Regierung von den 27 Vereinigten Staaten, und wird, nach dem vorhandenen Plane ausgeführt, dereinst die schönste Stadt der Erde darstellen, jetzt aber bieten die zerstreut liegenden Häuser noch nichts Ganzes. — Das Kapitol, worinnen die Repräsentanten der Staaten ihre Zusammenkünfte halten, ist an einem Abhange, von weißem Marmor erbaut. Die Vorderseite ziert ein Portal von korinthischen Säulen, und an der hintern Seite ist ein großer, ebenfalls mit Säulen gezierter Balkon, von welchem man die schönste Aussicht nach der Seite der Stadt genießt, wo jetzt die mehrsten Häuser neben einander aufgebaut sind, und förmliche Straßen bilden. Das Dach bildet drei Kuppeln, von deren mittelster von oben das Licht in die darunter befindliche große Halle eindringt, wo in der Mitte die Statue Washingtons aufgestellt ist und die Wände Oelgemälde zieren. Unter dieser Halle befindet sich eine zweite von drei Reihen Säulen getragen, welche zum Durchgange dient. Hinter der obern Halle ist der große Bibliotheksaal. Im rechten Flügel des Gebäudes ist der Versammlungssaal des Senats, das Bureau des Präsidenten und der Versammlungssaal des höchsten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten. Dieser und der Senats-Saal sind halb zirkelförmig gebaut, im Mittelpunkte befindet sich der Sitz des Vorsitzenden, vor welchem amphitheatralisch die Mitglieder des Senats, Jedes hinter einem Bureau, placirt sind. Im andern Flügel des Gebäudes befindet sich der Versammlungssaal der Repräsentanten, ebenfalls so geordnet, wie der Senats-Saal. Die Gallerien dieser Säle werden von jonischen Säulen getragen und dienen zum Aufenthalte der Zuhörer bei Versammlungen. Die Gallerie über der großen Kuppel soll eine sehr weite Aussicht gewähren. In allen Räumen herrscht Pracht mit Würde und republikanischer Einfachheit vereinigt.

Die Wohnung des Präsidenten ist ebenfalls aus Marmor-Quatern erbaut, und steht in der Mitte der vier Bureaux der Staatsverwaltung, nicht weit vom Potomac-Flusse, in einem Garten. — Alle auf Staatskosten errichteten Gebäude werden von weißem Marmor aufgeführt und meist geschmackvoll mit Säulen verziert. An mehren Bauten wurde thätig gearbeitet was den Gewerken gut lohnen soll, denn der Verdienst ist ein sicherer, da in Washington nur in Silbergeld gezahlt wird, ja selbst im Verkehr die Annahme von Papiergeld bei Strafe verboten ist. In dieser Hinsicht ist Washington der einzige Ort in den Vereinigten Staaten und verdient bald Nachahmung zu finden.

Die aus Backsteinen aufgeführten einfachen Privathäuser wechseln mit Holzwohnungen ab. Letztere sollen jedoch nach Verlauf einer bestimmten Zeit verschwinden. — Mehre hundert Acker Landes in der Nähe des Präsidenten-Hauses hat man in Gärten verwandelt. Ein großer Park, südlich von diesem, läuft in östlicher Richtung von dem Flusse nach dem Kapitol. Auf andern Plätzen sind die Kirchen, Theater und Kollegien erbaut. Zwischen dem Kapitol und dem Präsidentenhause, auf einer kleinen Anhöhe, steht die Statue des Generals Washington zu Pferde.

Nach dem Plane der Stadt beträgt ihr Umfang sechs Stunden, und die Straßen derselben, nach allen Himmelsgegenden zu laufend, durchschneiden sich im rechten Winkel, und sind 90–100 Fuß breit. Doch um die Einförmigkeit zu vermeiden, hat man in verschiedenen Stadttheilen 160 Fuß breite Avenüen angelegt, welche in die Schräge laufen, und wo sie sich durchschneiden, von gerundeten Plätzen unterbrochen werden, die zur Aufnahme von Statuen bestimmt sind. —

In dem großen neuen Postgebäude, wo man eben mit dem Ausbaue der Parterre-Pieçen beschäftigt war, befindet sich im ersten Stocke die Patent-Office, und in einem großen Saale sind alle die Modelle aufgestellt, welche wegen Einholung eines Patents auf gemachte neue Erfindungen, oder Verbesserung schon vorhandener Sachen, eingeschickt worden sind, da jedem Gesuche ein solches, oder die genaue Zeichnung der Erfindung beigefügt werden muß. Der tägliche freie Zutritt für Jedermann bietet hier Tausende von Modellen über alle nur denkbare Gegenstände dem Auge dar, und Jeder findet gewiß für sein Geschäft etwas Sehenswerthes. Dabei ist auffallend, wie schnell alle neue Erfindungen nachgemacht und mitunter wesentlich verbessert worden sind. Leider aber ist oft nicht abzumerken, wo bei der nachgemachten Erfindung die Verbesserung stecken soll. Eine wenig abweichende Stellung, ein anderer Bug eines Theils des Ganzen, einige Nägel oder Schrauben mehr oder weniger, reichen hin, um für das gezahlte Honorar die Erlaubniß zu erhalten, die schon vorhandene und einem Andern garantirte Arbeit nachmachen zu dürfen. Am Auffallendsten kam mir solches bei den Pflugschaaren und andern landwirthschaftlichen Geräthen vor, wovon eine große Menge solcher Modelle vorhanden sind. — Große, zwanzig Fuß lange, fünf Fuß breite Glasbehälter, jeder mit drei Realen versehen, schützten die Sachen vor dem Staube und dem Antasten frevelnder Beschauer, doch werden auf den Wunsch die Thüren geöffnet, und die Modelle selbst dürfen unter Aufsicht herausgenommen und genau besichtigt werden, wobei jedoch eine Zeichnung abzunehmen, nicht erlaubt ist.