Der Markttag füllte alle Hauptstraßen mit Wagen, und besonders nehmen sich neben dem weiblichen Geschlechte, welches ebenfalls reitet, wenn es nicht gefahren wird, die männlichen Ritter possirlich aus. Die Sättel sitzen gewöhnlich zu weit vorn, den Pferden auf dem Halse; dabei sind die Steigbügel lang, so daß die vorgestreckten Beine mit der Nase des Pferdes in Berührung kommen, wenn dasselbe den Kopf etwas dreht. Vom richtigen Gebrauche der Zügel ist den Amerikanern nichts bekannt, dabei fehlen die Sporen, und der Regenschirm, welcher sowohl gegen Nässe wie gegen Sonnenstich gebraucht wird, läßt keine Reitgerte zu. Im Schritte reiten zu wollen, geht ihnen zu langsam; der Trott ist ihnen verhaßt, da, wie sie meinen, derselbe die Glieder zusammenstaucht und unbequem ist, weshalb sie Wark vorziehen, wo das Pferd mit den Vorderbeinen galloppirt, und mit den hintern Füßen trottirt. Diese Art zu reiten hält man in Amerika für bequemer als den ordentlichen Gallopp, und ist überall Sitte. —

Zu meinem Glücke kehrte ein Plantagen-Besitzer aus der Gegend von Montgomery in dem Gasthause ein, wo ich logirte, machte meine Bekanntschaft, und da er selbst etwas deutsch verstand und neugierig von Natur zu seyn schien, trug er mir an, mit auf seinem Wagen Platz zu nehmen, da er eine Tagereise meines Weges fahre. Dieses kam mir ganz erwünscht, und unterm Austausche der Gedanken, in welchem die Pantomime eine Hauptrolle spielen mußte, wurden die Stöße weniger verspürt, die uns der Wagen auf dem schlechten, vom Regen gelösten Wege versetzte. — Aus seinen Mittheilungen konnte ich so viel entnehmen, daß er vorzüglich viel Taback baue, von welchem er Proben bei sich führte, und mir zum Versuchen reichte, über deren Werth ich mir aber kein Urtheil erlaubte, da ich selbst kein Raucher bin. Auch er rauchte nicht, doch verriethen seine Mundwinkel, daß das Tabackkauen seine Lieblings-Passion sey, wobei er versicherte, daß keiner seiner Sklaven rauchen dürfe, auch keiner derselben Neigung dazu verspüre, da sie dem Bremen den Vorzug gäben.

Die Gewohnheit des Tabackkauens, besonders in den südlichen und westlichen Staaten, ist bis in die höhern Stände Mode geworden; denn selten spricht man mit einer Mannsperson, welche nicht den Mund voll Taback hat, und dieses Laster hat so tief Wurzel gefaßt, daß man ungenirt, ohne Rücksicht auf Damen zu nehmen, an jedem Orte fortwährend ausspuckt und den ausgekauten Taback mit neuem ersetzt. — Diese Sorte Kautaback wird eigens dazu gefertigt, ist schwarz von Farbe und fest in kleine Röllchen gepackt, von welchem nach Belieben, wie vom Johannisbrod, abgebissen wird. — Für den Anfänger in diesem Laster ist dieser Taback äußerst beißend, und das Kauen schwieriger, als das Rauchen zu erlernen.

Bei immer schlechterem Wege trug ich Bedenken für die Dauer des Wagens, da solcher äußerst zart im Holzwerk war, wie dieses bei allen, ausgenommen den Lastwagen, der Fall ist. Doch um mich vom Gegentheil zu überführen, und mich von der soliden Bauart der Wagen zu überzeugen, wurden die Pferde stärker angetrieben, so daß der Stuhlwagen mehr auf zwei, als auf vier Rädern zu laufen kam, und wir bei dem Hinüber- und Herüberschlagen der Gefahr ausgesetzt wurden, vom Wagen geschleudert zu werden, wobei ich die Geschicklichkeit bewundern mußte, mit welcher die Rosse regiert und zum Gehorsam gezwungen wurden. — Der Beweis von dem, was ich schon mehrmals zu erfahren Gelegenheit hatte, wurde mir auch hier gegeben, daß der Amerikaner ein um so besserer Fuhrmann ist, als ihm die Geschicklichkeit zum Reiten abgeht.

Nur das gute, zum Wagenbau verwendete Holz der weißen Eiche und das noch vorzüglichere, wegen seiner Zähheit so brauchbare Holz des Wallnußbaumes (Hickory) macht es möglich, daß man solche leichte, und dabei so dauerhafte Wagen hier anfertigen kann. Die Felgen der Räder wie die Speichen derselben erhalten nur die Stärke eines Daumens und werden leicht beschlagen, die Wagenachse erhält keine eiserne Schiene zur Verstärkung, sondern nur eine dünne, zwei Zoll breite Platte zur Erleichterung der Reibung. — Dabei will ich der Schnelligkeit erwähnen, mit welcher die Schmiedearbeiten hergestellt werden; denn das im Gebrauche habende Werkzeug gestattet, daß man hier mit allen vier Rädern zu beschlagen eher fertig ist, als dieses bei uns in Deutschland einem Meister in derselben Zeit mit einem Rade möglich seyn würde.

Der Reif kalt durch drei Walzen gezogen, richtet sich schnell in die Runde, und da er lang genug ist, weil nur gewalztes Eisen hier gebraucht wird, so macht dasselbe nur eine Schweißstelle nöthig, die bei gutem Eisen und Steinkohlen im Nu gefertigt ist. — Sind die Nägel- oder Schraubenlöcher durch Auflegen des genau runden Reifes auf die Felge auf diesen gezeichnet, so werden diese ebenfalls mittels eines Stempels kalt durchgepreßt und zwar bei einer Eisenstärke, welches auszuführen man für unmöglich hält, so lange man nicht selbst Augenzeuge der Arbeit gewesen ist. — Die am Holzfeuer erwärmten Reife scheinen, da Alles genau paßt, von selbst sich aufzuziehen.

Ebenso muß beim Beschlagen der Pferde der Schmidt diese Arbeit allein verrichten, indem er den Fuß des Pferdes zwischen seine Beine nimmt. Dabei besitzt er eine solche Gewandtheit, daß er mit dem schon von Natur ruhig geschaffenen Pferd eher fertig wird, als in Deutschland, wo eine zweite Person zum Aufheben des Fußes nöthig ist. Daß demnach ein deutscher Schmidt, gleich andern Gewerken, in Amerika von Neuem lernen muß, habe ich nicht allein selbst erfahren, sondern ist mir vielfach von Meistern, welche in der alten Heimath diese Stelle begleiteten, versichert worden. Wie überhaupt in Bezug auf Maschinenbau, Fabrikwesen und jeder gewerblichen Verrichtung, der Amerikaner uns weit voraus ist, drückt Gall in seinem Reisebericht mit folgenden Worten aus:

„Ja, von der Werkstätte des Dampfmaschinen-Fabrikanten bis zu jener des Zimmermanns herab, fühlt man sich versucht, auszurufen: Hat Euch der Himmel, um die Nationen der alten Welt zu beschämen, mit den Talenten geboren werden lassen, welche Jene achtzehnhundertjähriger Uebung und dem Nachdenken verdanken? Vervollkommnet sich, was Ihr nur berührt unter Euren Händen? — Vom Nagel, welchen eine Maschine hervorbringt, bis zu dem hunderträderigen Mechanismus einer Mühle, ist alles zweckmäßiger, als man es in Europa sieht. Der Nagel hat an seinen vier scharfen Ecken feine Widerhaken, vermöge deren er sich unausreißbar im Holze festklammert; die kunstreiche Mühle macht 11⁄12 der Arbeiter, welche die unsrigen erfordern, entbehrlich. Durch die von Han Eli Whitnay in Connecticut erfundene Säge-Maschine wird die Handarbeit gar in dem Verhältniß, wie 1000 zu 1 erspart. Das Zimmerwerk eines Hauses scheint vom Tischler gearbeitet; die Tischlerarbeiten werden von den Parisern nur durch gefälligere Formen übertroffen. Brüsseler Wagen machen den hiesigen den Rang nicht streitig; eine zweckmäßigere Verbindung der Backsteine und eine nettere Ausführung der Maurerarbeiten, als man hier allgemein findet, ist gar nicht denkbar. Selbst die einfachsten Werkzeuge, die Axt, der Spaten, der Bohrer, die Sägen, haben eine, in vielen Ländern Europas nicht geahnte Vollkommenheit.