Nicht weniger haben die Amerikaner im Gebiet der nützlichen Künste geleistet. — Die englische Regierung ließ im Jahr 1817 amerikanische Brückenbauer nach Irland kommen. — Die Londoner Bank hat die Gravirung der Platten zu ihren Banknoten drei amerikanischen Kupferstechern, Terkins, Troppan und Fairfax übertragen und für ihre Reise eine Entschädigung von 5000 Pfund Sterlingen, für ihre Arbeit aber im Fall des vollkommenen Gelingens, eine Belohnung von 100,000 Pfund Sterlinge zugesichert. — Die Herren Han Buck und Brewster, Besitzer einer Tuch-Manufaktur, haben es selbst den Engländern zuvorgethan, indem sie die Wolle vom Schaaf weg in neun Stunden funfzehn Minuten in einen Rock verwandelten, eine Aufgabe, die in England nur in dreizehn Stunden zwanzig Minuten gelöst wurde. Die amerikanischen Schiffe übertreffen alle anderen an äußerer Schönheit und Zweckmäßigkeit und in dem Patentamt zu Washington zeugen mehrere Tausende der Modelle vom amerikanischen Erfindungsgeiste. Rechnet man hierzu, was Alles im Bau der Dampfboote und Wasserleitungen gethan worden ist, so darf man wohl behaupten, daß die Amerikaner auch in Anwendung nützlicher Künste keiner Nation der alten Welt nachstehen.“
Bis Woodsborough kam mir die Fahrgelegenheit zu Gute; doch hier verließ der Fuhrmann meine Straße und von Neuem sah ich mich genöthigt, den Wanderstab zu ergreifen. Doch wer beschreibt meinen Aerger, als ich beim Absteigen vom Wagen jetzt erst gewahr wurde, daß bei dem unsinnigen Fahren das Gewehr aus dem Wagen gefallen war. Schon hatte ich eine Stunde Wegs retour gemacht, um vielleicht das Verlorene wieder zu finden, als zwei entgegenkommende Amerikaner versicherten, weder Etwas gefunden, noch gesehen zu haben. — Mit mir und meinem Geschick unzufrieden, allein und ohne alle Zerstreuung, wünschte ich bald die Gegend zu erreichen, wo mein Landsmann, Herr Rehling sich angekauft, und die deutsche Sprache wieder vorherrschend seyn soll. — Zu meiner Freude und Beruhigung erfuhr ich im Nachtquartier zu Taneytown von einem deutschen Schuhmacher, dessen Hülfe ich bedurfte, daß morgen schon in der Nähe von Petersburg mehr deutsch als englisch gesprochen werde.
Der Mann hatte Recht. Viele Deutsche waren im letzten Ort, mehr noch in Hannover, und in der Umgegend der Farmen meines Landsmannes bei Strassburg glaubte ich mich in die Heimath versetzt.
Dreiunddreißigster Brief.
Aufenthalt bei dem Farmer Herrn Rehling.
Im Juli 1840.
Die freundliche Aufnahme des Herrn Rehling gab mir während der Anwesenheit bei ihm, wie auch die in der Umgegend gemachten Bekanntschaften anderer Farmer, Gelegenheit, Alles was Bezug auf amerikanische Branntweinbrennerei, Feldwirthschaft und Farmerleben hat, kennen zu lernen, und mit wahrer Wollust genoß ich hier den ländlichen Aufenthalt im Kreise einer lieben gastfreundlichen Familie, welche ein wahrhaft religiöses Leben führte. Mittags und Abends wurde vor dem Mahl vom Hausvater Gott ein kurzes Dankgebet gebracht und jeden Morgen mit Tages-Anbruch weckte mich ein Choralgesang, welche herrliche Melodieen von den zusammen akkordirenden Stimmen des Vaters, der Mutter und der vier Kinder unwillkürlich zur Andacht stimmten, da dieser vor dem Hause aufgeführte Lobgesang die aufsteigende Sonne hervorzulocken schien. Möge Gott diesen frommen harmonischen Seelen lange noch ein frohes, glückliches Zusammenwirken vergönnen, und nicht durch Trennung der Glieder eine Unterbrechung in dieses freundliche Stillleben bringen.
Wie ganz anders muß dieser Mann in Amerika umgewandelt worden seyn? — Werden bei Lesung Dieses seine Bekannten fragen, welche Rehling in Deutschland nur als lebenslustigen Menschen kannten. — Auch mir war, bei Beobachtung meiner Landsleute, bei Vielen die Umwandlung ihrer religiösen Ansichten nicht erklärlich, bis ich mich selbst unwillkürlich mehr und mehr zum höchsten Wesen hingezogen fühlte, welches dem Menschen in Amerika viel näher als im Vaterlande zu seyn scheint, da hier die mannigfaltigen Lebensverhältnisse und Gefahren, in welchen sich der Mensch befindet, ihm immer seine Abhängigkeit von Gott vor Augen stellt. — Mehr noch fühlt sich aber der einsam, nur seiner Familie lebende Farmer von Gottes herrlicher Natur begeistert, und nicht von weltlichen Vergnügungen betäubt, zur Dankbarkeit verpflichtet. — Daß es leider auch hier an Freigeistern nicht fehlt, dazu tragen die verschiedenen Gottesverehrungen selbst, die hier vorkommen, bei, welche zu dem Wahnglauben führen, daß alle die irreligiösen Ansichten, welche die freie Schrift verbreitet, und von antichristlichen Kanzelrednern vertreten wird, wahr seyn müssen.
Ist auch die Gegend, wo die Familie Rehling sich niedergelassen, nicht unter die fruchtbarsten zu zählen, so gewährt sie doch den Vortheil, alle erbauten Produkte schnell und gut abzusetzen, da eine nach Baltimore führende Eisenbahn dessen Flur berührt. Dabei leben sie nicht in einer Wildniß von aller Welt verlassen, was dem gesellschaftlichen Deutschen die Trennung vom Vaterlande um so fühlbarer und schmerzlicher macht, sondern befinden sich inmitten von Landwirthen, die alle deutsch verstehen und es gewöhnlich sprechen, was für den Einwanderer, der nicht englisch versteht, einen um so größern Werth haben muß. Was der natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens abgeht, verstehen ökonomische Kenntnisse, Leibeskräfte der ganzen Familie und Arbeitslust, reichlich zu ersetzen, und der Erde mehr abzugewinnen, als es der Industrie des Vorgängers, von welchem Herr Rehling diesen Farmen gekauft hatte, möglich geworden war.