Während meiner Lehrzeit in der Brennerei machte ich die Bekanntschaft eines Papierfabrikanten und von diesem eingeladen, benutzte ich die Gastfreundschaft, um bei ihm wieder andere Maschinen, als mir hier schon gezeigt worden, im landwirthschaftlichen Gebrauche zu sehen. Dabei wurde mir die Gelegenheit, die Fabrikation von Papier ohne Ende kennen zu lernen.
Eine genaue Definition über die Einrichtung dieser Anstalt in diesem, meinen Reisebericht zu geben, liegt nicht in meinem Plane. Zu einer andern Zeit werde ich mehr darüber bekannt machen. Nur im Allgemeinen will ich jetzt den Geschäftsgang kurz berühren.
Die auf einer mit drei Schneidemessern versehenen Maschine zerkleinerten Lumpen, von verschiedenen Stoffen und Farben, wurden in einem Draht-Cylinder vom Staube gereinigt, hierauf in einem Kessel mit Kalkwasser gekocht und dann dem Holländer zugeführt. Eine halbe Stunde werden solche hier rein gewaschen, worauf man dem Wasser drei scharfe Spezies zusetzt, wodurch in Zeit einer Viertelstunde aller Farbestoff zerstört und eine blüthend weiße Masse sich zeigte. Diese breiige, mit Wasser verdünnte Substanz hängt sich in der Stärke eines Papierbogens in das feine Drahtgeflechte eines sich in der zufließenden Masse herumdrehenden Cylinders ein und wird auf einer Unterlage von zusammengenähten Wollentüchern, welche sich im Kreislaufe drehen, nach und zwischen eiserne Gußwalzen geleitet. Diese nun ausgepreßte, zu einem festen Körper wieder gestaltete, nur noch feuchte Masse geht von hieraus ohne Unterlage über fünf kupferne Cylinder, welche durch einströmende Dämpfe erhitzt, sofort das Papier trocknen, und sich nun so lange auf eine Weife aufwickelt, bis dem Draht-Cylinder kein Papierbrei mehr zugeführt wird. — Eine zweite Maschine, welche mit der Weife in Verbindung steht, schneidet das Papier nach dem gewünschten Format, worauf Letzteres nochmals gepreßt in den Handel kommt.
Nach dieser Behandlung wurden täglich auf zwei Holländern und der Dampf-Papier-Maschine unter Leitung zweier Menschen, dreizehn Centner Lumpen in zum Verkaufe fertiges Papier verwandelt.
Um während meines Aufenthaltes in Amerika auch möglichst viel von den Einrichtungen der Mahlmühlen kennen zu lernen, ging jetzt mein Bemühen dahin, in einer solchen Zutritt und Belehrung über die Konstruktion der einzelnen Theile des Mechanismus zu erhalten, und in der Person des Herrn Bekley fand ich einen äußerst humanen Lehrmeister. Die innere Mühleneinrichtung, wie das Gebäude selbst, war noch neu und das Geschäft erst seit einigen Jahren etablirt. Die zu Gebote stehende Wasserkraft war nur gering, und dennoch vermochten zwei Mahlgänge, deren vier vorhanden waren, in kurzem Zeitraum unglaublich viel vom weißesten und feinsten Waizenmehl zu liefern.
Die Frucht wurde nicht, wie in unsern Mühlen, von den Mühlburschen aufgeschüttet, sondern hier, aus einem im Erdgeschoß befindlichen Behälter durch Wasserkraft bis zum obersten Bodenraum gehoben, wo die Reinigungs-Maschine plaçirt war, und auf diese ohne menschliche Beihülfe gebracht. Das von allem Schmuz und den Schalen befreite Korn setzte von hier aus seinen Lauf nun als Graupe nach dem Mühlrumpfe fort, und langte, durch die Mühlsteine zermalmt, als feiner Mehlgries im Erdgeschoß wieder an. Hier wird das noch ungebeutelte Mehl in einem, unter allen vier Gängen fortlaufenden, sechzehn Zoll weiten Kanal, aufgefangen. In diesem Kanale dreht sich eine horizontal liegende Welle, welcher durch einen vier Zoll breiten, senkrecht aufgesetzten Streifen von starkem Sohlleder, die Gestalt einer Schraube ohne Ende ertheilt ist, durch deren Umdrehung das Mehl aus diesem Kanale heraus, und in ein halbkugelförmiges Becken geschoben wird. Hier wird der Gries, gleich wie das Korn, bis auf den Kühlboden gehoben, wo er sich durch eine eigene Vorrichtung, fortwährend umgerührt und gewendet, abkühlt, durch eine Oeffnung im Boden nach dem darunter sich befindenden Beutel geleitet wird, und daselbst das feinste Mehl absetzt. Von hieraus geht der Gries in einen zweiten Beutel, welcher wiederum um ein Stockwerk tiefer steht, und eine weniger feine Sorte Mehl liefert. Der noch vorhandene Gries wird den Tag über gesammelt, zum zweiten Male auf die Mühle gebracht, und, von Neuem mit dem andern Gries vermengt, gebeutelt. Das in Fässern, deren jedes, dem Gesetze nach, nicht schwerer als 18 Pfund seyn darf, gut zusammengestampfte Mehl, wovon das angefüllte Faß (Barrel) 196 Pfund enthält, kömmt so in den Handel.
Die Vorrichtung, mit welcher die Körner in die Reinigungsmaschine, und der Gries nach dem Kühlboden gehoben wird, ist ein lederner Riemen, dessen beide Enden mit einander verbunden, und an welchem von zehn zu zehn Zoll viereckige blecherne, oben offene Büchsen befestigt sind. Dieser Riemen wird durch zwei Walzen, deren eine sich unten in dem Schrot- oder Körner-Behälter, die andere aber auf dem Kühlboden oder über der Reinigungsmaschine befindet, immer in einer kreisförmigen Bewegung erhalten, so daß die sich unten füllenden, und durch einen aufrecht stehenden viereckigen hölzernen Kanal aufwärts steigenden Büchsen, oben angekommen, sich entleeren müssen. — Vor Allem zeichnen sich die amerikanischen Mühleinrichtungen dadurch aus, daß ohne Mehlverlust im ganzen Gebäude die größte Reinlichkeit vorherrschend ist. Bei Nachahmung dieser Einrichtungen von Seiten unserer deutschen Müller würde freilich der so vielen Gewinn bringende Staubboden, und dadurch der schönste Deckmantel aller andern Nebenverdienste verloren gehen! — Doch glaube man ja nicht, daß in Amerika alle Müller aus lauter Reellität zusammengesetzt sind, sondern auch in diesem Geschäft weiß man sich hier dadurch einen Vortheil zu verschaffen, daß die Fässer nicht immer 18, sondern mitunter etliche 30 Pfund schwer sind, wie man dergleichen in Cincinnati eingebracht, und konfiszirt hatte.
Hinsichtlich der Qualität des verpackten Mehles kann weniger Betrug vorkommen, da alle Mehlfässer, bevor sie in den Handel kommen dürfen, von verpflichteten Personen mittelst eines Schrauben-Löffelbohrs, welcher die Länge der Faßhöhe hat, durchbohrt werden, und nachdem das im Bohr sich eingehängte Mehl in der Hand durcheinander gemengt worden ist, wird die gefundene Qualität durch ein bestimmtes Zeichen nebst Revisions-Stempel auf dem Faßboden eingebrannt.