Eben so wenig verwendet (mit wenig Ausnahme) der Brenner auf Verbesserung seiner Brenngeräthschaften Kapitale. Blase, Hut und Schlangenrohr sind die einfachen Bestandtheile seiner Brennerei, und es wird demnach, wie es früher bei uns der Fall war, Lutter, Halbwein und Sprit gewonnen, da der Branntwein nur zu hohen Graden in dem Handel angenommen wird. —

Zwei Stunden von Rehlings Niederlassung wurde mir auf einem großen Farmen Gelegenheit, die Welschkornbrennerei kennen zu lernen, wobei ich zugleich zu der Ueberzeugung gelangte, daß, wenn ein amerikanischer Brenner nicht beabsichtigt, das Geschäft ganz ins Große zu betreiben, wozu mehrere Gehülfen nöthig sind, er auch keinen Gebrauch von verbesserten Brenngeräthschaften machen kann, weil Letztere die Aufmerksamkeit mehr in Anspruch nehmen, als es bei der alten Manier zu brennen der Fall ist. Der Brennknecht muß hier nicht nur allein einmaischen, den Apparat besorgen, das nöthige Holz zerkleinern, die Schweine füttern, sondern auch alle noch beim Brennereibetriebe vorkommenden Arbeiten in eigener Person verrichten, ohne dazu einen Gehülfen zu erhalten. — Um die Ausführung dieser seiner Obliegenheiten nun möglich zu machen, maischt der Brennknecht das auf einen Tag bestimmte Quantum Schrot nicht mit einem Male ein, sondern die Gährtösen, in denen sogleich gemaischt wird, stehen mit der Größe der Blase im Verhältniß, so daß jede Blasenfüllung den Inhalt des Maischfasses aufnimmt, weshalb täglich so viel Fässer einzumaischen sind, als Blasenabtriebe gemacht werden sollen. Das nöthige kochende Wasser (da eingeteigt wird) gewinnt man auf einer zweiten Blase, welche man auch den vierten oder fünften Tag zum Gutbrennen benutzt. — Die Arbeit des Einmaischens ist demnach auf die ganze Tageszeit vertheilt, so daß während der Zeit, wo die Blasenfüllung abdestillirt, eins von den Tags vorher leer gewordenen Fässern frisch bemaischt wird. Das aufgefangene Quantum Lutter bestimmt die Zeit, wann die ausgekochte Maische abzulassen ist, welche nach den hinter dem Brennereigebäude stehenden Schweinebehältern fließt, und daselbst nach Belieben durch Rinnen in die verschiedenen Abtheilungen der Stände vertheilt wird. — Die nöthige Stellhefe versteht der Brenner sich aus Malz und Hopfen zu bereiten.

Gleichwie den in der Nähe von Seehäfen wohnenden Branntweinbrennern durch den erleichterten Verkehr der Verdienst geschmälert worden ist, eben so ist solches der Fall in Bezug auf alle anderen Erzeugnisse des Feldbaues. Den weiter entfernt wohnenden Kolonisten wird durch die zahlreichen Wasserstraßen und Eisenbahnen die Gelegenheit gegeben, ihre Erzeugnisse, auf wohlfeilem Grund und Boden erbaut, schnell und billig nach dem Orte zu schaffen, wo sie verbraucht werden. — Wie vermag nun der Farmer, welcher vor Erbauung der vielen Kommunikations-Wege, wegen der Nähe der Verbrauchsorte von seinem Grundbesitze, den Acker mit 50–100 Dollars bezahlte, mit seinen Konkurrenten Preis halten, welchen ein Grundstück von gleicher Größe und oft fruchtbarerem Boden nur 3–4 Dollars zu stehen kommt?

Nur wenn der Landwirth, welcher nahe genug an einer stark bevölkerten Stadt wohnt, sich auf Gemüsebau legt und die Milch dahin absetzen kann, steht er im Vortheil, weshalb diese auch, um möglichst großen Viehstand halten zu können, meistens nur Futterkräuter bauen.

Wie sich der Grundbesitz eines deutschen Farmer durch die fleißige Bewirthschaftung des Areals vor dem Farmen eines Amerikaners auszeichnet, ebenso steht der Deutsche dem Amerikaner nach in der Ordnung, Reinlichkeit und eleganten Einrichtung, welche dieser in seiner Wohnung beobachtet. Alle Pieçen des Hauses sind immer so anzutreffen, wie dieses höchstens bei uns in Deutschland zur Kirchweih-Zeit der Fall ist, wo der Landmann Gäste erwartet. Die Stuben und Treppen sind mit Teppichen belegt, die Hausflur blank und mit weißem Sand bestreut, das linnene Tischzeug täglich weiß, die nöthigen Schlafstellen zum Besuche immer bereit, und dabei drei Mal täglich eine gut besetzte Tafel, woran der geringste Arbeiter, gleich wie der Herr selbst Platz zu nehmen pflegen. Nur die Neger bleiben davon ausgeschlossen, und für diese werden die Speisen allein angerichtet. Neben dem Hausherrn bleiben immer zwei Gedecke leer für möglichen Besuch während der Mahlzeit, wo dann ein solcher ungenirt Platz zu nehmen pflegt und gleich den Uebrigen sich’s schmecken läßt; das viele Nöthigen, wegen Zulangen der Speisen, wie es bei uns Sitte ist, kennt der Amerikaner nicht. „Help your self“ (Bedienen Sie sich selbst), ist der einzige Zuspruch, welcher beim Platznehmen an die Gäste ergeht, und nun ist es gleich, ob Einer viel oder wenig Appetit mitbringt. — Alle Speisen, welche zum Mahle bestimmt sind, werden zusammen aufgesetzt, und in der Regel ist es Rindfleisch und Zugemüse, in Scheiben geschnittenes und im Schaffen gebratenes Schweinefleisch, gebratene Fische, mehre Sorten Eingemachtes, vorzüglich rothe Rüben, Butter, Käse, Schmalzkräpfel, oder Tellergroße Torten (Bay genannt) mit einer Fülle von Eingemachtem und Waizenbrod. Als Getränke wird Kaffee vorgesetzt und nur die umgelegte Obertasse giebt zu erkennen, daß man davon genug hat. — Beim Frühstück und Abendbrod bleibt sich Alles gleich, und nur das Rindfleisch und Gemüse fällt weg, dafür werden jedoch Eier aufgetragen, so wie die Kartoffeln bei keiner Mahlzeit fehlen. — Abends vertritt Thee die Stelle des Kaffees.

Besonders fiel es mir auf, daß man zum fetten Schweinefleische noch mit Butter bestrichenes Weißbrod zu essen pflegte, und ich konnte nicht umhin, mich über diese Verschwendung gegen den Brenner auszusprechen, worauf mir entgegnet wurde, daß ebenso mein genügsames Zulangen bemerkt worden sey, und man dieses einem dummen Schwaben zu Gute halte, welcher es nicht besser kenne.

Da Suppe bei den amerikanischen Farmern nicht gebräuchlich ist, so fehlen auch die Löffel, und man kömmt um so mehr bei vielen Gerichten in Verlegenheit, wie man solche zum Munde führen soll, da nur zweizinkige Gabeln vorhanden sind. Das ohne Spitze vorn runde, breite Messer wird daher nicht allein zum Zerkleinern gebraucht, sondern es muß auch die mehrzinkige Gabel und den Löffel ersetzen.

Die Hausfrau, Töchter nebst weiblichem Dienstpersonal nehmen erst nach Entfernung der Männer am Mahle Theil.

Leider waren, wenigstens für mich, die Speisen bei aller verschwendeten Zuthat nicht schmackhaft. — Das Fleisch kömmt halb gahr, noch blutend auf den Tisch, und das Beste, die Fleischbrühe, bleibt unbenutzt; nur das abgenommene Fett wird zum Seifekochen verwendet. Dabei verstehen die Amerikaner nicht, wie unsere deutschen Frauen, das Gemüse schmackhaft zu bereiten; es kommt trocken, meist tüchtig gepfeffert, auf den Tisch. — Als Beispiel will ich anführen, daß man einen Krautkopf, nicht wie es bei uns gebräuchlich, vor dem Kochen in mehrere Stücke zerlegt, sondern den Kopf ganz, nur ein wenig im Wasser aufkochen läßt, und ihn in diesem Zustande, ohne weiter zu schmelzen, servirt, wovon dann jeder Tischgast nach Belieben sich seine Portion losschneidet, und solche auf dem Teller, nach Appetit, süß oder sauer zubereitet.

Mit keinem Geschäfte wird der Amerikaner schneller fertig, als mit dem Essen. Tischgespräche sind ihm verhaßt, weil, wie er meint, solches die Gedanken von den wohlschmeckenden Gerichten abzieht und der Gaumen weniger von dem bereiteten Genusse spüre; die Langeweile würde ihn umbringen, müßte er stundenlang an der Tafel verweilen. Ja, ehe wir Europäer die Serviette entfaltet und zurecht gelegt haben, hat der Amerikaner, welcher dieses Vortuch für überflüssig hält, schon die halbe Mahlzeit verschlungen und in zehn Minuten ist er mit Allem fertig. Nach genommenem Platze am Tische und der Ladung zum Angriffe der Speisen, holt sich Jeder nach Belieben von den aufgetragenen Gerichten, in der linken Hand die Gabel, in der rechten das Messer, und es kann das Gebiß nicht schnell genug verarbeiten und die enge Halspassage verschlucken, was die gewandten Hände dem Munde zuführen. Daher mag es auch kommen, daß die genossenen Speisen den Menschen so häufig aufsteigen, und der Amerikaner ungenirt, als müßte es so seyn, sich des Aufstoßens nicht enthält.