„Ausführliche Beiträge, um verstanden zu werden, geschrieben über Gegenstände der Geographie und Naturgeschichte der Vereinigten Staaten, machen den Amerikaner mit seinem Vaterlande täglich genauer bekannt und lehren ihn täglich, in seinen Wäldern, Gebirgen, Flüssen und Seen neue Schätze aufsuchen. Kurz, in einem Blatte, welches jährlich nur fünf Dollars kostet, zwar nur ein Mal die Woche erscheint, aber jährlich in 52 Nummern eben so viel Gedrucktes enthält, als 500 Bogen eines der in Deutschland in gr. 8. erscheinenden Journale, findet der Amerikaner außer den ihm zum Bedürfniß gewordenen politischen Neckereien, einen nicht weniger reichen Schatz von belehrenden und nützlichen Nachrichten, als sechs oder acht europäische Journale für verschiedene Fächer des praktischen Wissens zusammengenommen darbieten; vergebens würde man das leugnen. Die Allgemeinheit einer Erstaunen erregenden Masse von nützlichen Kenntnissen, welche sich nicht wegraisonniren lassen, zeugt laut von dem Vorhandenseyn eines eben so allgemeinen, als zweckmäßigen Mittels des Unterrichts und der Mittheilung des individuellen Wissens durch die ganze Union.“

„Bei dem ersten Anblicke eines Ackers, in welchem noch Baumstumpfe und über 1½ Fuß hohe Stoppeln hervorragen, zuckt der dünkelvolle Europäer über den beschränkten Amerikaner die Achseln, da dieser seinen Boden und dessen Produkte nicht besser zu nutzen weiß. Er tritt näher, und sieht den Boden des Feldes gar von Aehren fast bedeckt; er schlägt die Hände über dem Kopfe zusammen über einen solchen Verschleuderer, und würde ihn, hätte er die Macht dazu, ohne Weiteres für einen Verschwender erklären und sein Gut nach den Regeln der Kunst, durch einen obrigkeitlich ernannten Verwalter bestellen lassen. Wir aber wollen erst den verständigen, Gewinn beflissenen amerikanischen Landwirth selbst hören. — Den höchst möglichen Ertrag mit den geringsten Kosten zu erringen, ist ihm Zweck der Landwirthschaft. Er läßt die Stöcke nicht ausrotten, weil dieses in dem Verhältnisse des Arbeitslohnes zum Preise der Produkte mehr gekostet haben würde, als der Boden, den die Stöcke einnehmen, in zehn Jahren tragen könnte; in fünf bis sechs Jahren sind sie faul, und weichen dann leichter. Uebrigens weiß er seine starke Pflugschaar, selbst durch einen Wald, mit einer solchen Gewandtheit zu führen, daß in der That nichts ungenützt bleibt, als gerade der Fleck, den der Baum einnimmt. Die Stoppeln stehen noch 1½ Fuß hoch auf dem Felde, indem er: 1) keinen Absatz für sein Stroh hat, 2) weil, damit die Frucht dicht am Boden abgeschnitten werden könne, das Feld durch Eggen und Walzen nach der Einsaat geebnet werden müßte, was aber mehr kosten würde, als es den Ertrag erhöhete, indem seine Schnitter viel weniger zu schneiden im Stande seyn würden, wenn die Frucht dicht am Boden abgeschnitten werden sollte, und 3) weil das Feld doch wieder mit Stroh gedüngt werden müßte. Ist nun gleich die verfaulte Stoppel dem Dünger aus den Ställen nicht gleich zu achten, so erspart er dagegen auch die Kosten, die Stoppeln heimzufahren, den Dünger aus den Ställen zu ziehen, zur Gährung aufzuschichten, auf Wagen zu laden, auf das Feld zu fahren und auszubreiten, welche Kosten der höhere Betrag ganz bestimmt nicht aufwiegen würde. Aus demselben Grunde bleiben auch die Aehren ungelesen, um so mehr, da er gerade durch diese anscheinende Vernachlässigung sich wieder die Arbeit erleichtert und also Kosten spart. Sobald die Frucht eingescheuert ist, läßt er sein Vieh auf dem umzäunten Acker, wo es reichliches Futter findet, und von welchem es, bis Schnee den Boden bedeckt, nicht wieder in den Stall kömmt, wobei es zugleich das Feld düngt. Zwei bis drei Hundert Stück Federvieh aller Art picken die einzelnen Körner auf, welche das Rindvieh nicht erreichen konnte.“

Ob und wie der Amerikaner die Vortheile zu benutzen versteht, welche die bloße geschickte Anwendung bekannter Erfahrungen gewährt, sieht man auch in allen seinen häuslichen Verrichtungen und Gall fährt hierüber fort: „Die Eier erhält er in Kalkmilch nöthigenfalls ein ganzes Jahr lang frisch; genau bekannt mit der Wirkungsart verschiedener Erhaltungsmittel des Fleisches, verdirbt er dasselbe weder durch zu viel noch zu wenig Salz. Seine Seife, so schön und gut als die des Seifensieders in der Stadt, ist sein eigenes Erzeugniß, aus einer Verbindung von Fett, Asche und Kalk, einer Pottasche, welche die beste in der Welt ist. Seinen Zucker, aus dem leicht gewonnenen Safte des Zucker-Ahorns, hat er selbst gesotten. Die Teppiche, welche den Boden seines ganzen Hauses bedecken und selbst bis in die Küche sich ausbreiten, sind das Produkt langer Winterabende. Seine Apfelpresse, seine Spinnräder, seine Flachsschwingen sind nach den neuesten Verbesserungen vervollkommnet.“


Vierunddreißigster Brief.

Aufenthalt in einer Branntweinbrennerei, Papierfabrik und Mahlmühle.

Im Juli 1840.

Rehling selbst besaß keine Branntweinbrennerei, da mehrere Brennerei-Besitzer aus der Umgegend ihn versichert hatten, daß dieser Erwerbszweig nicht mehr rentire, und ein solches Geschäft zu etabliren, um so weniger anzurathen sey, weil auf der Eisenbahn und den Kanälen der Branntwein aus den westlicher gelegenen Staaten so billig nach den Seehäfen geliefert würde, daß sie, um Preis zu halten, nicht mehr den Spülig als Viehfutter für reinen Gewinn ansehen könnten, weshalb auch schon mancher Farmer im Staate Maryland und Pennsylvanien die Brennerei-Utensilien unbenutzt stehen habe. — Hier wurde mir nun die Ueberzeugung, daß die hohe Steuer, welche bei uns auf den gewonnenen Branntwein der Produzent zu entrichten hat, demselben nicht schadet, da die Abgabe durchaus nicht den Verdienst vom Geschäfte schmälert, indem immer die Waare wegen der Steuer im Verhältniß wieder höher im Preise gehalten werden muß, was der Fall nicht seyn würde, wenn bei übergroßer Konkurrenz keine Abgabe statt fände. Die Fabrikanten würden dann, um möglichst großen Absatz zu haben, ihre Waare für einen Preis verschleudern, bei welchen eben nicht mehr Gewinn erzielt werden könnte, als es jetzt bei zu entrichtender Steuer der Fall ist.

Von einer Steuer, welche der Produzent von Branntwein zu entrichten habe, kennt man in Amerika zur Zeit noch nichts; sondern derjenige, welcher sich in Städten mit dem Wiederverkaufe von Branntwein beschäftigt, hat jährlich nach der Größe des Erwerbszweiges eine bestimmte Abgabe zu entrichten. Ohne alle Beaufsichtigung betreibt der Brenner sein Geschäft, und keine Zeit, kein Ort und auf welche Art es geschehen muß, ist vorgeschrieben. Jeder handelt nach eigener Willkür, und hängt nicht von den Launen hoher und niederer Steuer-Offizianten ab, welche oft im Diensteifer die Sache strenger nehmen, als es im Sinne des Gesetzgebers gelegen haben mag. Dabei geht freilich in Amerika die bei uns stattfindende Akkuratesse während des Betriebes verloren und Zeit, Holz und Licht werden nicht berücksichtigt.