Dieses hier gebraute Getränke, welches in die meisten Staaten versendet wird, ist dem Deutschen in Amerika, unter den Namen: Porter, Englisch Ale oder Strong-Beer bekannt, und ist, wie dieses die Amerikaner lieben, äußerst stark, so daß ein Bierglas voll davon schon berauscht. Aus gewöhnlichem Bier, wie es bei uns gebraut wird, machen sich die Amerikaner nichts. Es haben daher schon mehrmals deutsche Bierbrauer mit verschiedenen Sorten von Bieren Versuche gemacht, aber ohne Glück. Ja, eine auf Baierische Manier eingerichtete großartige Bierbrauerei, welche des guten Wassers halber in Newark sich etablirt und Niederlagen in New-York errichtet hatte, mußte schon im ersten Jahre aus Mangel an Absatz den Betrieb wieder einstellen, obgleich ihr Produkt, wie mir versichert war, äußerst gut gewesen seyn soll. — Da nun die Porter-Biere zu theuer und stark sind, so wird für gewöhnlich außer Thee und Kaffee, selbst von den vornehmsten Familien, nur Wasser getrunken. Die ärmere Klasse, bei welcher das viele Wassertrinken häufig Bauchgrimmen verursacht, findet darin den schönsten Grund, einem Glas Wasser, ein Glas Whisky, (Branntwein aus türkischem Waizen, oder Welschkorn, in Amerika Mais genannt) nach zu schicken. Der ankommende Deutsche aus dem Bierlande vermißt daher nichts mehr, als sein gutes nahrhaftes Getränk und deshalb haben Spekulanten in allen größern Städten kleine Hausquetschen etablirt, wo Halb- oder Small-Bier fabrizirt wird. Dieses hat nun zu Errichtung deutscher Bierhäuser Anlaß gegeben, welchen Verkaufsgeschäftes sich die Frau befleißigt, während der Mann seiner Hände Arbeit nachgeht. Der Verkauf des Biers unterliegt noch keiner Abgabe, da diese kleinern Lokale nicht der Beachtung werth scheinen und größere Restaurationen schon hinlänglich auf spirituöse Getränke besteuert sind, worunter das Porter mit gerechnet wird.

Da ich schon in New-Orleans, Baltimore und Washington versäumt, die dasigen Museums zu besuchen und mir gleichsam diesen Genuß bis jetzt aufgespart hatte, so fand ich auch hier zusammen, was wahrscheinlich jene drei Museen nicht bieten können. Aller hier in Peals-Museum zu Philadelphia aufgestellten naturhistorischen Gegenstände zu erwähnen, noch gar zu beschreiben, fühle ich mich viel zu schwach. Es soll diese Bemerkung nur als Fingerzeig gelten, damit meine Landsleute, welche dieses lesen und hieher kommen sollten, nicht versäumen, eines der größten Museen der Welt zu sehen.

Das merkwürdigste Stück ist ein im Staate New-York in einem Sumpf aufgefundenes Mammuths-Skelett, dessen Höhe zwölf und seine Länge 18 Fuß beträgt. Die Vorderzähne fehlen, dagegen sind die beiden Fangzähne um so auffallender, da jeder über fünf Fuß lang und an der Wurzel zehn Zoll im Durchmesser stark ist. Die Backzähne haben, wie angegeben wird, 1½ Fuß im Umfang und sind vier Pfund schwer. — Die über 5000 Exemplare starke Vögelsammlung enthält Alles, vom Strauß bis zum kleinsten Kolibri herab, und unter den schön gefiederten Papageien, Paradiesvögeln &c. zeichnet sich vor Allem eine, in einem besondern Glaskasten stehende Mäunra aus. Von den vielen Schlangen, welche theils leben, sind die Klapperschlangen am Auffallendsten. Außer einer großen Menge vierfüßiger Thiere, Fische, Insekten, Raupen, Schmetterlinge, Conchilien und Mineralien, sieht man noch verschiedene thierische Mißgeburten, Menschen- und Thier-Schädel, wie ganze Gerippe. Eben so interessant sind die mannichfaltigen Waffen und Kostüme indianischer Stämme, so wie die Bildergallerie ausgezeichneter Staatsmänner und Gelehrter aus der alten und neuen Welt.

Ein heftiger Wortkampf, welcher am gestrigen Abende alle Anwesenden in unserer Wohnung in Allarm brachte, gab Anlaß, daß heute mehrere der Gäste an Ort und Stelle sich von der Ursache des Streites überzeugten, welchen ich mich anzuschließen nicht verfehlte. — Es sollten nämlich einige Tage vor meiner Ankunft in Philadelphia in einem Stadttheile, durch das Gesetz dazu berechtiget, von der Eisenbahn-Kompagnie die Schienen gelegt werden, da aber die daselbst Wohnenden sich in ihrem Marktgeschäft beeinträchtigt glaubten, so widersetzten sie sich der weitern Arbeit und demolirten einen Theil der schon fertigen Bahn. Auf desfalsiges Anrufen des Gesetzes, wodurch die Polizei einzuschreiten suchte, nahm die Erbitterung der Demolirenden zu, welches den Gerichtshof veranlaßte, die Miliz zu requiriren, um mit entschiedener Kraft einschreiten zu können. Leider kam aber Letztere den erhaltenen Befehlen nicht nach, wodurch die Insurgenten in ihrem Muthwillen noch mehr bestärkt wurden und sich erfrechten, die Eisenbahngebäude, nebst den Gasthof des Herrn Emory in Brand zu stecken, und die herbeieilenden Spritzen vom Löschen abzuhalten. Herr Emory hatte nämlich für einige zwanzig Polizei-Offizianten, welche zur Herstellung der Ordnung möglichst gewirkt hatten, eine Abendmahlzeit bereitet. — Hiernach kann man beurtheilen, wie schwach die Gesetzgebung bei Ausübung ihrer Rechte in diesem sich freidünkenden Lande ist, da sie nicht einmal vermag, das Eigenthum der Bürger und die erworbenen Rechte einer Gesellschaft vor der Willkühr roher Menschen zu schützen.

Am Morgen des vierten Tages meines Aufenthaltes waren Philadelphia’s Straßen wie ausgestorben, und keine Spur war vorhanden, daß hier 200,000 Menschen zusammen verkehren sollten. Die Feier des Sonntags hatte alle Geschäfte gelähmt, und selten verließ Jemand das Haus eher, als die Kirchenglocken zum Gebet in die Tempel riefen. Auch ich konnte diese Zeit nicht besser benutzen, als in frommer Andacht an Gottgeweihter Stätte mich der ferneren göttlichen Gnade zu empfehlen. In einem Tempel der Quäkergemeinde, welche Sekte mich durch ihre Handlungsweise für sich eingenommen hatte, ließ ich mich nieder. Die Räume waren mehr als überfüllt und eine tiefe Stille, welche nur durch neugierig Kommende und Gehende unterbrochen wurde, herrschte im Gebäude. Wohl eine Stunde harrte ich der Dinge, die da kommen sollten, doch vergebens. Keiner der Frommen glaubte sich vom Geiste inspirirt, um durch lautes Gebet den Andern seine Gedanken vorzutragen und Alle murmelten nur still vor sich hin. Dadurch ward ich zuletzt selbst gelangweilt und verließ den Ort, um eine andere von den 60 hier vorhandenen mitunter prachtvollen Kirchen zu besuchen.

Leider hatte ich durch Erkältung heute wieder viel von Kolik zu leiden und ich sah mich genöthigt, auf dem Wege zum Tempel in einer Apotheke einzusprechen, worauf ich, ins Quartier zurückgezogen, mir Linderung zu verschaffen suchte.

Die Theater hier zu besuchen, erlaubte der Stand meiner Kasse nicht, und nur auf die nöthigsten Ausgaben beschränkt, war es möglich; mit der Baarschaft New-York wieder zu erreichen, wohin ich mit dem Dampfschiffe am Morgen des 11. August abzugehen gedachte. Doch die Schmerzen nahmen am Abend zu, und der Leibesschaden machte die Hülfe eines Arztes nöthig, wodurch die zur Fuhre bestimmten letzten vier Dollars mit angegriffen wurden und ich so am nächsten Morgen zwar von Schmerzen befreit, doch sehr schwach, von Neuem den Wanderstab ergriff und zu Fuße langsam dem auf meiner Tour liegenden Newark zu pilgerte, wo ich in Freundes Armen wieder einen Tag der Ruhe genießen konnte.


Achtunddreißigster Brief.

Wanderung nach Newark.