Im August 1840.
Ohne Reisegefährten mußte ich Philadelphia verlassen, und der sieben Stunden lange Weg bis Bristol ward mir zur Ewigkeit, da kein gesellschaftliches Gespräch die Zeit kürzte und die matten Glieder oft der Ruhe bedurften. Dabei war der Gedanke, daß man in bessern Verhältnissen, als die meinen, diese Reise schnell und ohne alle Strapaze machen könne, nicht geeignet, meine trübe Stimmung zu erheitern. Erst spät kam ich am letztern Orte an, traf aber zum Glück eine mitleidige Seele, welche mich für wenige Zahlung gut aufnahm.
In Bristol werden die mit dem Dampfschiffe auf dem Delaware-Flusse nach New-York reisenden Passagiere ausgesetzt, und von da auf Wagen 40 Meilen zu Land bis Brunswick befördert, wo sie ein anderes Dampfschiff, welches Passagiere von New-York gebracht hat, als Retour-Fracht aufnimmt und auf dem Rariton-Flusse und Hudson nach letzterer Stadt bringt.
Bei stattfindendem starken Verkehr der beiden Hauptstädte Amerika’s, New-York und Philadelphia, rentirte diese Dampfschifffahrt sehr gut, welches andere Spekulanten auf die Idee brachte, zwischen beiden genannten Städten eine direkte Verbindung herzustellen, und über Newark eine Eisenbahn zu errichten. War auch das Terrain dem Unternehmen wenig günstig, so hielt man sich doch bei der Vorrede nicht lange auf. Die nachgesuchte Erlaubniß zum Bau wurde von der Regierung, um sich der Betheiligten Gunst zu erhalten, gegeben, und über das Aber (welches immer bei uns die größte Schwierigkeit bietet), wie die nöthigen Gelder herbeizuschaffen seyen, war man hier, wie immer, weniger besorgt. Die Presse kam in Thätigkeit, und in Kurzem lagen so und so viele Millionen Papiernoten zur Disposition bereit. Ein Berg wurde in successiver Steigung in krummer Linie befahren, stundenlange Schluchten durch Sprengen haushoher Felsenmassen gebildet, morastige Stellen durch Roste und Knüppeldämme zu festen Unterlagen geschaffen und große, herrliche Brücken geleiteten über die Flüsse.
Terrain-Schwierigkeiten kennt der Amerikaner nicht, denn ist einmal die Ausführung eines projektirten Unternehmens beschlossen, so werden alle Hindernisse beseitigt und ich hege den Glauben, legte sich unser Herr Gott selbst dazwischen, sie wären im Stande, ihn aus dem Wege zu schaffen.
Was zu befürchten stand, traf ein. Die Eisenbahn-Gelegenheit wurde mehr benutzt als die Dampfschiffe, und die Interessenten der Letztern setzten daher den Fahrpreis herab, um dadurch das Publikum wieder für sich zu gewinnen. Doch die Eisenbahn-Gesellschaft blieb nicht zurück und beförderte von dieser Zeit an die Reisenden noch billiger, worauf die Dampfschiff-Aktionäre zum Aeußersten schritten, und ihre Schiffe dem Publikum zur unentgeldlichen Benutzung offerirten. Tausende machten jetzt von dieser Gratis-Fahrgelegenheit Gebrauch, und die Herren Gastwirthe beider Städte befanden sich dabei am wohlsten. Doch nur zu bald sahen beide Gesellschaften ein, daß sie ihr unsinniges Handeln zu Grunde richten mußte, und trafen das Uebereinkommen, nur für einen bestimmten Preis (à Person 4 Dollars) die Passagiere zu befördern.
Die Dampfschifffahrt, welche bei weniger Schnelle dem Reisenden mehr Angenehmes bietet, als es auf der Eisenbahn der Fall ist, hat noch durch ihre Eisenbahn-Verbindung der Städte Bristol und Brunswick, wo früher nur Eilwagen hin und hergingen, sehr gewonnen.
Die schöne Witterung am 12. dieses und der Umstand, daß ich wieder von allem Leibesschmerz befreit war, machte das Fußreisen weniger lästig, und heitern Sinnes durchwandelte ich längs des Delaware die herrliche Gegend, in der immer reichlich angebaute Felder, hübsche Landhäuser und Bauernhöfe, mit Scheunen und Wirthschafts-Gebäuden umgeben, wechselten. Obstgärten, Hügel, Thäler und waldige Höhen boten sich dem Auge in mannichfaltigen Gestalten dar, und das Weiden zahlreicher Heerden auf fetten Wiesen und die geschäftige Thätigkeit der Landleute auf den Feldern brachte Leben in die Natur.
Hier ist es auch, wo am Ufer des Delaware auf einer Anhöhe, welche die herrlichste Aussicht gewährt, Joseph Buonaparte, der vormalige König von Spanien, seinen Landsitz aufgeschlagen hatte und unter dem Namen eines Grafen Survilliers den Amerikanern bekannt ist.