[Im Original steht jedes Mal an Stelle des Semicolons ein Häkchen mit untergesetztem Punkt.]
Dem edeln hochgelerten vnd strengen herrn Jergen von absperg ritter vnd doctor der rechten minem lieben herren günner fründ vnd gebieter Enbütt[608] jch niclaus von wyle, des hochgebornen herren herrn Vlrichs grauen zů wirtemberg vnd zů Mümpelgarte etc., mines gnedigosten herren minster[609] cantzler vil hails. du haust (fürtreffender[610] vnd wytverrümpter mane) vor langem; als du des {20} yetz genanten mines gnedigosten herren lanthofmaister gewesen bist; min translatze vnd tütschung boecy de consolacione philosophie zů meren maulen gelopt vnd mir gerauten? die gedruckt, vsz zegeen laussen Vnd als jch das dozemaul nit tůn mocht, vrsachen halb, daz das letscht[611] bůche nit gantz zů end gebraucht was; rietest du; daz jch doch dann etlich ander miner translatzen vnd schriften; die jch in vergangen zyten vsz schwerem vnd zierlichem latine nit aune arbeit zů tütsch gebracht hett; wölt laussen trucken vnd vsgeen; vmb daz die menschen, vil klůger dingen dar Inne begriffen; vnd so zewissen gůt sint ouch antailhäftig werden möchten, vnd ir gemüt zů zyten darmit in kurtzwyle ergetzen. wie wol jch nu {10} waisz dero vil sin[612]; die dise min translaciones schelten vnd mich schumpfieren[613] werden vnd sagen; daz die an vil enden wol verstentlicher möchten worden gesetzet sin, dann von mir beschechen syg[614] noch dann[615] dinem raute vnd gůt beduncken nauch (die ich acht sin oraculum appolinis) so wil ich sölich[616] min translaciones yetz laussen vszgeen; bis vf boecium den jch noch etlicher vrsachen halb wil verhalten[617]. vnd gestee[618] disen maistern minen schumpfierern jrer schuldigung nechst gemelt[619] danne war ist, daz jch in der ersten translatze von Euriolo an den anfange in der andern epistel von Enea siluio an marianum sozimum gestellet; dise latinischen wort {20} (Sed inuenies aliquos senes amantes, amatum nullum) Also hab getütschet vnd transferyeret; du findest aber etlich alt liebhabend mane; aber liebgehapten kainen. Welche wort Ich wol verstentlicher hett mugen setzen also. du findest aber etlich alt mane die frouwen liebhabent; Aber kainen alten findst du, der von frouwen werd lieb gehept. jch waisz ouch daz mir so wyt vszlouffe[620] hier Inne erloupt gewesen wer nauch dem vnd[621] oracius flaccus in siner alten poetrye (als du waist) schribet; daz ain getrüwer tolmetsch[622] vnd transferyerer; nit sorgfeltig sin söll; ain yedes wort gegen aim andern wort zeverglychen, sunder syge[623] gnůg; daz zů zyten ain {30} gantzer sine gegen aim andern sine verglychet werd. als ich dann ouch oft vnd vil in disen nauchfolgenden translatzen an andern orten getaun han vnd etwenne[624] genötiget tůn můst; von gebruch wegen[625] tütscher worten gegen den latinischen; dero der grösser folle[626] ist, in dem latine (als wir dann oft mit ainandern von sölichen worten), etas senium senectus. vnd mens animus. felix beatus. vnd der gelychen hunderterlay geredt hant, daran vns gebruchh ist aigenlicher tütscher worten vnd darumbe man die vmbreden[627] můsz. daz Ich aber kom da hin ich wolt, vnd verstanden werd, warumb ich dise translaciones vf das genewest[628] dem latin nauch {10} gesetzet hab; vnd nit geachtet; ob dem schlechten gemainen vnd vnernieten[629] man das vnuerstentlich sin werd oder nit. das ist darumb. Ich waisz du haust gelesen daz leonardus aretinus der gröst vnd beste redner vnd dichter, so zů vnsern zyten gelept haut in ainem tractaut de studys literarum, schribet der hochgebornen vnd wolgelerten fürstin baptiste de malateste, die dann zů diser kunst wolredens vnd dichtens (die wir nennent oratoriam) entzündet waz; daz sy nit durch ützit[630] belder vnd bas zů sölicher begerter kunste komen noch die erfolgen[631] möcht; danne daz sy oft vnd vil lese in geschriften gůter vnd zierlicher gedichten vnd {20} sich darInne emsenklich[632] übte; vnd lesung grober vnd vnzierlicher gedichten vermitte[633] vnd die fluch[634] als ain dinge hieran aller grösten schaden geberende. disen raute haut ouch geben der hochgelert poet Eneas siluius dem durlüchtigen fürsten vnd herren hertzog Sigmunden von österrych zů zyten siner Jünglikait[635] in ainer epistel die in diesen minen nauchfolgenden translacionen ouch funden wirt. Vnd sagent dise bed. daz durch sölich emsig lesung gůter vnd zierlicher gedichten; dem lesenden menschen, haimlich und verborgenlich nauch vnd nach wachse, ain naigung geschicklichkait vnd arte; daz der selb mensch ouch vf sölich {30} form werd vnd müsz arten[636] zereden zeschriben vnd zedichten. füro hort ich[637] ains mauls als ich zů nüremberg rautschryber was; von dem hochgelerten wyt verrümpten redner hern gregorien haimburg beder rechten doctor; den du allain; an kunst wyshait vnd gesprechnüsz[638] yetz tůst verglychen von vns ersetzen (got syg jm barmhertzig) daz er sagt; daz ain yetklich tütsch[639], daz usz gůtem zierlichen vnd wol gesatzten latine gezogen vnd recht vnd wol getranferyeret wer; ouch gůt zierlich tütsche vnd lobes wirdig, haissen vnd sin müste, vnd nit wol verbessert werden möcht. dem allem nauch; do mir vor zyten vil wol geschickter Jüngling, erberer vnd fromer lüten kinder ouch etlich baccalary von manchen enden her zů tische in min cost wurden verdinget; die in obgemelter[640] kunste schribens vnd dichtens ze Instituwieren zeleren vnd zevnderwysen; {10} fielent mir zů; diser dryer höchstgelerter mannen rät vnd lere; die mich bewagten[641]; daz jch ye versůchen wollt; etlich costlich zierlich vnd verrümpte latinisch gedichte von den gelertesten mannen vnser zyten in diser kunste; gemachet in tütsch zebringen vnd aller maiste die; so disen minen jungern lustig vnd kurtzwylig wurden zelesen; vmb des willen daz vsz dero emsiger lesung in Inen die art wůchs dar von obgemelt ist. als bald jch aber aine oder zwo translaciones volbraucht; vnd die an den tag kament; ward ich von etlichen fürsten fürstin herren vnd frouwen gebetten wyter etliche andere ding zetranferyeren; welich bitte mir {20} wauren ain gebotte vmb nichte zeuerachten. Diser beder vrsachen halb; minen jungern zů gůt; vnd das ich disen herren vnd frouwen jrs willens ouch lebte, vnd also (wie daz sprüchwort ist) mit ainem ainigen zů gelte[642], zwo töchtern hin geben vnd usstüren möcht; hab ich sölicher translacionen etwa vil gemachet; dero ich dann als vil her nauch folgent yetz lausz vsgeen dinem raute nauch obgemelt; Nu hab ich vor etlichen Jaren die colores rethoricales ains tails getransferyeret vnd Jn ain verstentlich tütsche gebraucht; vnd wird yetz von vilen gebetten; darjnne ze volfaren[643] die vsz zemachen[644] vnd gedruckt hin nauch[645] zegeen lavssen; so sint ander gelert die {30} mir daz wider rautent; sagende; daz yemer schad were; daz mancher vngelerter grober laye; dise loblichen kunst von marco tulio cicerone vnd andern so kostlich gesetzt, erfolgen vnd vnderricht werden sölt aune arbeit; die doch vil der gelerten nit anders danne mit arbait vnd groussem flysse haben erfolget vnd zů dero verstentnisz vnd bruhe[646] komen sint; deshalb lieber herre vnd gebieter Ich hierInn hitthabe[647] vnd nit waisz was mir zetůn gebürret[648], danne daz Ich das diner hohen vernunft haim setz[649] vnd gib; Und was du ainiger hierInne rautest vnd vrtailest; dem wil ich leben vnd folg tůn vnd niemant anderm. wo du ouch daz rietest so wurd jch die exempel aller farwen vnd colorn ains tails wysen vnd laiten vf dise nachfolgenden translaciones. In welcher vnd an welchem blatte man die finden wurd. deshalb aber not gewesen ist; mich in disen translatzen by dem latin (so nechst ich {10} mocht) beliben sin, vmb daz nützit[650] der latinischen subtilitet durch grobe tütschung wurd gelöschett[651], vnd wil hiermit mich gegen disen groussen maistern minen schumpfierern gnůgsam verantwort han. dwyle[652] ich aber diner wyshait allain haim geben hab zeurtailen ob ich die colores rethoricales söll laussen ersitzen[653] oder zů ende bringen; so kum ich widerumb vf den vorgenanten doctorem gregorium hainburg; der zů minen zyten zů nürenberg von aim erbern raut daselbs minen lieben herren besöldet was; vnd uf ain maul zů mir redt; daz er in der latinischen rethorick wenig ützit fund zů zierung vnd hofflichkait loblichs gedichtes dienende; daz {20} nit in dem tütsche ouch statt haben vnd zů zierung sölicher tütscher gedichten als wol gebrucht werden möcht als in dem latine etc. daz ich nauch emsiger erfarung diser dingen sidher getaun; yetz gantz geloub vnd dir des ain mustre schick nit wyter danne an den gemainen figuren die wir nennen gramaticales dann warumb solt ich nit wol vnd recht reden oder schriben? die stat costentz das hochzyt ostern der manot[654] maye? daz jm latin haissent apposiciones vnd warumbe nit wol? jch armer schryb so du rycher růwest[655]? daz jm latine sint euocaciones. warumb nit recht? Ich vnd du louffen du vnd der schribent die da haissen concepciones {30} numeri vnd personarum. so ferre man zwüschen disen worten schriben vnd schribent louffen vnd louffent vnderschaid haben wölt in personis als etlich tůnt. Item warumb nit? Ich niclas von wyle vnd Ich Cristina sin elich huszfrouwe Bed burger zů Nüremberg etc. für burger vnd burgerin. Und Jerg rat vnd dorothea von wyle sint liebhaber gotes etc. für liebhaber vnd liebhaberin daz da sin concepciones generis. warumb nit wol vnd zierlich? Ich schryb wie du. du redest wie Ich oder der. die zů latin genennet werden zeumates oder zeume Vnd warumb nit zierlich vnd recht? dise louffent. der bald vnd der gemachh. vnd dise schribent. der wol; vnd der v̈bel. die da haissent prolempses. Item warumb solt nit wol vnd recht geredt oder geschriben sin. bescheche aber daz wir bede oder vnser ains todes abgienge etc. oder bescheche daz vnser ains oder wir bede todes abgiengent. oder bescheche, {10} daz vnser ains todes abgieng oder wir bede etc. vsz der satzung prisciani de verbi propinquioris conformacione also vnd dem gelych mugen die colores rethoricales vnd die transumciones gar nauch alle in tütschen gedichten wie in dem latine gebrucht werden; als du selbs daz bas waist danne jch dir dar von schriben könn oder mug. aber ir groussen patrone tůnt üch nützit annemen noch beladen; so klainer dingen sunder[656] allain grösser; also daz not wer (wie tulius schreibt) daz ainer zeuor ainen menschen ertötet hett der sich üwer hilf wölt gebruchen. Aber anders waisz ich sin an dir, gegenm mir; des hertze du in trüwen erkennest, vnd der du {20} waist daz nützit ain waurer fründe sinem fründe getůn mag gůtes; daz er jm nit schuldig syg; vnd darumb, so wil ich des warten diner vrteil; darInne du dich nit abfüren[657] lassen wöllest dises min langes schriben, dar usz du mich[658] nach diner wyshait merckest (waisz ich) vf wedern taile ich genaigter wer[659]. aber ich wil noch danne lieber wenig geltes[660] mangeln; danne tůn; daz von dir vnd andern hochgelerten sölt werden gescholten. jch wirt ouch noch dann nützit dester minder min translatze boecy de consolacione gedruckt laussen usgeen. wie wol mir darzů schaden komen wirt; daz nechst by vier Jauren ain andere translatze desselben boecij {30} ouch gedruckt usgangen vnd Jn werdem kouffe[661] vertriben worden ist; Vnd haben diser köffern[662] vil gewändt sölich translatze syge min gewesen; nauch dem vnd vor gesagt worden was, Das die In miner schmitten[663] leg vnd bald vsgeen sölte; das Ist aber mir dargegen zů troste; daz sölicher köffern wenig sint, die da sagent daz sy dise translatze mercken oder versten mugen etc. Ich heb aber dich edeln hochgelerten vnd wytverrümpten ritter zelang vf[664], mit disem minem langen schriben; Vnd ja wol zelangem; dan so oft Ich die federn in min hande nim; dir ützit zeschriben; so waisz Ich kain rechte form me schribens noch rechte mausz vf hörrens; Als jch doch yetz hie (gebruchh halb der zyt) stumpf[665] vf hören můsz vnd wil; Mit flysz bittende, daz du mir sölich vorgemelte vrtail vnd din gůt beduncken hierInne; fürderlich[666] vnd so {10} Erst gesin mug schicken wöllest, vnd mich gegen minen schunpfierern wo du die hören wurdest; usz obgemelten vrsachen getrülich verantworten; so ferre dich beduncken werd; das du sölichs vsz waurhait billich vnd wol tůn mugest; wil Ich das v̈brig so Ich noch wyter dir geschriben haben wolt; In der fädern stecken laussen; der hoffung, daz gelück schier fügen werd; daz wir persönlich zesamen komen vnd sölichs vnd anders muntlich vsz gerichtem. mugen Geben zů stutgarten vf dem fünften tage des aberellen[667] Anno domini. M.CCCC.LXXVIIJ.
ERASMUS.
[Scherer D. 272, E. 267.]
Geboren 1466 zu Rotterdam, gestorben 1536 zu Basel. Einer der berühmtesten Humanisten des sechzehnten Jahrhunderts. Sein ‘Lob der Narrheit,’ woraus eine Probe folgt, schloss sich an Brands Narrenschiff an und ist eine Satire auf die kirchlichen und wissenschaftlichen Zustände seiner Zeit.
DE PHILOSOPHIS.
{20} Sub hos prodeunt philosophi, barba pallioque verendi, qui se solos sapere prædicant, reliquos omnes mortales umbras volitare. Quam vero suaviter delirant, cum innumerabiles ædificant mundos, dum Solem, dum Lunam, stellas, orbes tanquam pollice filove metiuntur, dum fulminum, ventorum, eclipsium ac cæterarum inexplicabilium rerum causas reddunt, nihil usquam hæsitantes, perinde quasi naturæ rerum architectrici fuerint a secretis, quasive e deorum consilio nobis advenerint, quos interim Natura cum suis conjecturis magnifice ridet. Nam nihil apud illos esse comperti, vel illud satis magnum est argumentum, quod singulis de rebus inexplicabilis inter ipsos est digladiatio. Ii cum nihil omnino sciant, tamen {10} omnia se scire profitentur, cumque se ipsos ignorent, neque fossam aliquoties aut saxum obvium videant, vel quia lippiunt plerique, vel quia peregrinantur animi, tamen ideas, universalia, formas separatas, primas materias, quidditates, ecceitates videre se prædicant, res adeo tenues, ut neque Lynceus, opinor, possit perspicere. Tum vero præcipue prophanum vulgus aspernantur, quoties triquetris et tetragonis, circulis atque hujusmodi picturis mathematicis, aliis super alias inductis, et in labyrinthi speciem confusis, præterea literis velut in acie dispositis, ac subinde alio atque alio repetitis ordine, tenebras offundunt imperitioribus.
LOB DER THORHEIT, VERTEUTSCHT DURCH SEBASTIANUM FRANCKEN VON WÖRD.
Philosophi die weisen Narren.