Subscriptio,
Johann Faustus, der Erfahrne der Elementen, vnd der Geistlichen Doctor.
3.
WIE DOCT. FAUSTUS ZU ERFFORD DEN HOMERUM GELESEN, VND DIE GRIECHISCHEN HELDEN SEINEN ZUHÖRERN {10} GEWEIST VND VORGESTELT HABE.
ES hat sich auch D. Faustus viel Jahr zu Erfford gehalten, vnd in der hohen Schul daselbst gelesen, vnd viel Ebenthewr in dieser Stadt angerichtet, wie noch etliche Personen beim leben, die jn wol gekandt, solche Ebenthewr von jhm gesehen, auch mit jm gessen vnd getruncken haben. Als er nun seinen Zuhörern einmal den Griechischen fürtrefflichen Poeten Homerum gelesen, welcher vnter andern Historien auch den zehenjärigen Krieg von Troia, der sich der schönen Helenæ wegen vnter den Griechischen Fůrsten erhaben hatte, beschreibet, vnd da vielmals der Tapffern Helden, {20} Menelai, Achillis, Hectoris, Priami, Alexandri, Vlissis, Ajacis, Agamemnonis vnd anderer gedacht wird, hat er derselben Personen, gestalt vnd gesichte den Studenten dermassen beschrieben, das sie ein gros verlangen bekommen, vnd offt gewünscht, wo es jhr Præceptor zu wegen bringen könte, dieselbigen zu sehen, haben jn auch darumb bitlichen angelanget[899]. Faustus hat jn solches verwilligt vnd zugesagt in der nechsten Lection, alle die sie begerten zusehen, vor augen zu stellen, derwegen ein grosser concursch vnd zulauff von Studenten worden. Wie dann die Jugend allzeit mehr auff Affenwerck vnd Gauckelspiel, denn zu dem guten, Lust vnd {30} Zuneigung hat. Als nun die Stunde komen, vnd Doctor Faustus in seiner Lection fortgefahren, auch gesehen, das wegen seiner gethanen zusag, mehr Zuhörer verhanden, dann sonsten, Hat er fast mitten in der Lection angefangen, vnd gesagt: Ir lieben Studenten, weil euch gelüstet die Griechischen berhümbten Kriegsfürsten, welcher der Poet alhier neben vielen andern Scribenten gedenckt, in der Person, wie sie domals gelebt vnd herein gangen seind, anzuschawen, sol euch dieses jtzt begegnen, vnd sind auff solche Wort alsbald obernante Helden in jhrer damals gebreuchlichen gewesenen Rüstung in das Lectorium nacheinander hinein getreten, sich frisch vmbgesehen, vnd gleich als wenn sie ergrimmet weren, die Köpffe geschüttelt, welchen zu letzt nachgefolgt ist, der greuliche {10} Rise Polyphemus, so nur ein Aug im Kopffe mitten in der Stirn gehabt hat, vnd einen langen zottichten fewrrohten Bart, hat ein Kerln, den er gefressen, mit den Schenckeln noch zum Maul heraus zottend[900] gehabt, vnd so gresslich ausgesehen, dass jhnen alle Haar gen Berg gestanden, vnd sie vor schrecken vnnd zittern schier nicht gewust haben, wo sie naus solten. Dessen aber Faustus sehr gelacht, vnd jhnen einen nach dem andern bey namen genandt, vnd wie er sie beruffen, also auch ordentlich heissen wider hinaus gehen, welches sie auch gethan, alleine der eineugige Cyclops oder Poliphemus hat sich gestalt, als wolte er nicht weichen, sondern {20} noch ein oder zween fressen, Darüber sich dann die Studenten noch mehr entsatzt, sonderlich weil er mit seinen grossen dicken Spiesse, der lauter Eisen, vnd eim Weberbaum gleich war, wider den Erdboden sties, das sich das gantze Collegium bewegte vnd erschutterte. Aber Faustus winckete jhm mit eim Finger, da traff er auch die Thůr, vnd beschlos also der Doctor seine Lection, des die Studenten alle wol zu frieden waren, begerten fortan kein solch Gesichte von jhme, weil sie erfahren, was für gefahr hiebey zu fürchten.
THOMAS NAOGEORG.
[Scherer D. 309, E. 308.]
Aus Baiern. Eine Zeitlang Pfarrer zu Kahla in Thüringen. Führte, nachdem er mit Luther zerfallen, ein unstätes Leben. Er dichtete protestantische Tendenzdramen in lateinischer Sprache: ‘Pammachius’ 1538; ‘Mercator’ 1540; ‘Incendia’ 1541; ‘Hamanus’ 1543; ‘Hieremias’ 1551; ‘Judas Icariotes’ 1552.
AUS DEM PAMMACHIUS.
(Porphyrius. Pammachius. Satan.)