Kayserin.
{20} Andronica, das du jetzt so frech vnd mit spitzsinnigen Worten wiederumb fragest, warumb ich auch alleine gehe, soltu wissen, dasz es mir also gefelt. Aber ich frage, wie kömpts doch, dasz du mir so frech vnd trotziglich darffest antworten. Bin ich nicht deine Keyserin, vnd solst nicht wissen, wie hoch du mich ehren soltest; gedenck nun aber nicht, dasz ichs also dabey wil bleiben lassen.
Andronica.
Ja Keyserin, wie mann ins Holtz ruffet, also krieget man ein Widerschall, denn wie jhr mich ausz hoffertigen Gemüth fraget, so antworte ich euch. Ob ihr aber wol Keyserin seyd, wil ich euch {30} drumb nicht vnter den Füssen liegen, denn bedencket dieses: waret jhr nit erstlich meines Herren Vater gefangen, vnd nun weil jhr Keyserin worden seyd, wisset nicht wie jhr euch für Hoffart lassen wollet. Derhalben könnet jhr wol immer hinfahren in ewer Hoffart vnd mich bleiben lassen wer ich bin. Ich frage: was hat diese Stadt Rom für Nutz von euch vnd den ewren gehabt? was hat sie aber für Nutz von den meinigen, vnd mein Herr Vater? ja warlich wenn der es nicht gethan, vnd mit seinen Ritterlichen Händen erhalten, das Kayserthumb vnnd gantz Rom würde vorlangst zu Boden gangen seyn, thut aber so viele böses an mir, was jhr nicht lassen könnet.
Keyserin.
O mein Hertz wil mir im Leibe zerspringen; gehe mir ausz meinen Augen, du verfluchte Creatur, maszen ich dann dein Hochmuth nicht straffen könte, so wolte ich mich selbest tödten. Sich {10} ich thu schweren bey allen Göttern, dasz ich zuvor nicht essen oder trincken, auch nunmehr mein Häupt sanffte legen wil, bisz ich mein Muth sats vnd genugsam an dich gekület, vnnd mit Frewden vber dir triumphiret.
Gehet ein Schritt sex fort; da kommen jhre zween Söhne zu jhr; die Andronica redet vnter dessen in geheim mit jhrem Gemahl.
Helicates.
Gnädige Fraw Mutter, es nimpt vns grosz Wunder, dasz jhr so gar allein vnd von allen spatzieren gangen. Aber vielmehr thun wir vns verwunderen, warumb jhr so sehre betrübet, vnnd in {20} schwermütigen Gedancken gehet.
Mutter.