O mordio, mordio!
Andronica.
Ach wehe, ach wehe! ist dar denn kein wehr vnd zeter dieser {10} mordtliche Todt.
Gehet für den todten Cörper auff die Erde sitzen.
Kayserin.
Sich nun du hoffertiges Weib: Wie gefelt dir disz? was düncket dir? hab ich den Eydt nicht gehalten, welchen ich geschworen? Ja dieser sol noch gar nichts seyn, sondern so wil ich dich zämen, dasz du mir vnter meinen Fuszsolen solt liegen, vnd ich vber deinem Leichnam trete; dein gantz Geschlechte sampt deinem Vateren vnnd Brüder wil ich gar auszrotten vnd bey meinem Gnädigsten Herrn Kayser mit List vnd Practicken zu wege {20} bringen, dasz sie alle eines jämmerlichen Todes sterben sollen. aber ich bin dir hoffertige Mensche so spinne feindt, denn mir vnmüglich ist lenger lebendig fur meine Augen zu sehen. Derohalben mein lieber Sohn; thue mir jetzt dein Schwerdt; damit wil ich jhr selbst jämmerlich jhr Leben nehmen.
JOHANN VALENTIN ANDREÄ.
[Scherer D. 315, E. 314.]
Geboren 1586 zu Herrenberg in Würtemberg. Er war der Sohn eines Predigers, studierte in Tübingen Theologie, reiste dann in Deutschland, Frankreich und Italien und erhielt nach seiner Rückkehr verschiedene Anstellungen als protestantischer Geistlicher. Er starb als Abt von Adelberg 1654. Er schrieb satirische Dialoge und Parabeln und Comödien in lateinischer Sprache. Unter seinen deutschen Werken sind zu nennen: ‘Christenburg’ 1615 (herausgegeben von Grüneisen); ‘Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreuz’ (1616); ‘Geistliche Kurzweil’ 1619.