Und weil ich dich nicht kan schauen,
Wollest du dem Boten trauen, 10
Biss ich selbst dich wieder seh’
Allerschönste Galathe!
ANDREAS GRYPHIUS.
[Scherer D. 324, E. 325.]
Geboren 1616, im Todesjahre Shakespeares, zu Glogau. Seine Jugend war trübe, sein späteres Leben durch die Ereignisse des Krieges sehr bewegt. Er verschaffte sich weitgreifende Kenntniss namentlich in der ältern und neuern Literatur und gewann sich seinen Unterhalt als Hauslehrer, bis er durch ein Vermächtniss seines Gönners, des kaiserlichen Pfalzgrafen Georg von Schönborn, in den Stand gesetzt wurde nach Holland zu gehen, wo er 1638 zu Leiden immatriculiert ward. 1643 kehrte er nach Glogau zurück und reiste 1646 nach Italien und Frankreich. Er verheiratete sich 1649 und wurde 1650 Syndicus der Stände des Fürstenthums Glogau. Er starb plötzlich 1663, ungefähr hundert Jahre nach Shakespeares Geburt. Er dichtete Trauerspiele, Lustspiele, Singspiele, Oden, Sonette, Epigramme, übersetzte ein lateinisches geistliches Drama und Comödien aus dem Italienischen und Französischen. Die Lustspiele und Trauerspiele herausgegeben von Palm (Tübingen 1878 und 1882); dramatische Dichtungen von Tittmann (Leipzig 1880); ‘Horribilicribrifax’ und ‘Peter Squenz’ von Braune (Halle 1876 und 1877); Sonn- und Feiertags-Sonette von Welti (Halle 1883).
1.
THRÄNEN DES VATERLANDES, ANNO 1636.
WIr sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret