Die vorstehenden Untersuchungen genügten, um eine richtige Einsicht in die Grösse des Stoffwechsels bei gewöhnlicher Lebensweise zu verschaffen. Im Laufe der 14 Untersuchungstage verlor das Körpergewicht allerdings 451 Gramm, und es ist daraus ersichtlich, dass der Kraftaufwand durch die Zufuhr an Nahrungsmaterial nicht vollkommen gedeckt wurde, wiewohl doch bis zur genügenden, mitunter selbst bis zur reichlichen Sättigung genossen wurde.—Bei nicht sehr kräftigen Verdauungsorganen wird solches Verhältniss aber leicht eintreten, wenn die Arbeit, wie in den vorbezeichneten Untersuchungstagen, eine selten unterbrochene ist, und im Ganzen ist der Verlust von 451 Gramm in 14 Tagen kein erheblicher, vielleicht ein nur durch Mindereinnahme an Fluidis im Verhältniss zu den Tagen vor der Untersuchung entstandener.—

Die Berechnung der Mittelwerthe ergiebt nun Folgendes: Es wurden durchschnittlich täglich 2397 Grm. genossen; davon waren 1405 Grm. messbare Fluida, und 992 Grm. s. g. feste Speisen.—Die tägliche Gesammtausgabe des Körpers belief sich dabei aber auf 2429 Grm., und davon kamen 1433 Grm. auf den Urin, 138 Grm. auf die Faeces, also 1569 Grm. auf Darm und Nieren zusammen; es blieben 800 Grm. für Haut und Lungen.

Die 1433 Grm. = 1405 CC. (Maxim. 1721 CC.; Minim. 1198 CC.) Urin hatten ein mittleres specif. Gew. von etwa 1016, und enthielten im Durchschnitt:

24,5 Grm. Harnstoff (Maxim. 28,5; Minim. 20,3.)
1,68Schwefelsäure (Maxim. 2,01; Minim. 1,46.)
2,40Phosphorsäure( 2,87; 2,03.)
(davon 0,397 Grm. an Erden gebunden)
11,976Chlor (Maxim. 15,8; Minim. 8,9.).

Wenn der Mittelwerth für den Harnstoff und die Schwefelsäure hier geringer ausfiel, als im Januar, so hat das wohl hauptsächlich seinen Grund in der Vertauschung der Morgens genossenen Milch mit Thee. Es wurden damit selbstverständlich weniger Albuminate und weniger Schwefel eingeführt. Zum Theil mochte aber auch der Grund in der im Januar angestrengtern Arbeit liegen, in Folge welcher mehr Material verbraucht wurde. Die Ausgabe an Chlor war beträchtlicher, als im Januar, ausschliesslich wohl deshalb, weil der Kochsalzgenuss absichtlich um Etwas vermehrt war.—Die geringe Vermehrung der Quantität der Phosphorsäure fällt fast in die Gränze der Beobachtungsfehler.—

Die Reaction des in 24 St. entleerten Urins war stets sauer. Allein im Hinblick auf die späten Untersuchungen bedarf es schon hier der ausdrücklichen Bemerkung, dass der frisch entleerte Urin in der vorliegenden Untersuchungsreihe oftmals, und zwar Vormittags ohne alle nachweisbare Veranlassung, Nachmittags wahrscheinlich in Folge der genossenen Vegetabilien, eine neutrale oder nur sehr schwach saure Reaction zeigte. Ich glaube dabei mit Bestimmtheit die Bemerkung gemacht zu haben, dass der reichlichere Genuss von Kartoffeln insonderheit einen Einfluss auf den Säuregrad des Urins ausübt, d. h. denselben herabsetzt, und zwar mehr, als man dem Gehalte derselben an pflanzensauren Salzen nach erwarten sollte. Andere Vegetabilien, Kohlarten u. s. w. zeigten diesen Einfluss in bei Weitem weniger auffälliger Weise. Ich habe den Urin selbst, lediglich in Folge des Genusses von Kartoffelbrei, stark alkalisch, mit Säuren brausend und trüb von präcipitirten Erdphosphaten gefunden, ein Umstand, der für die Beurtheilung des Einflusses der Kartoffelnahrung nicht zu übersehen sein dürfte.

Mit Bezug auf die oben erwähnte Zuckerfrage, so mag hier in Kürze und beiläufig das Resultat erwähnt werden, dass in der Regel, wenn der Thee Morgens mit 20 Grm. Zucker versetzt genossen wurde, bis Mittags 2 Uhr eine grössere Quantität Urin entleert wurde, als wenn er ohne Zuckerzusatz getrunken war. Die Quantität der genossenen Fluida (475-500 CC.) war immer bis auf 25 CC. dieselbe.—Bei Zuckergenuss wurden 378, 470, 516, 396, 453, 614, 553—im Mittel 483 CC. entleert, d. h. fast gleich viel, als Fluida am Morgen genossen waren; ohne Zuckergenuss dagegen 412, 570, 372, 384, 339, 458, 386—im Mittel 417 CC., d. h. fast immer weniger als Fluida am Morgen eingeführt waren. Auf die Abhängigkeit dieses Verhältnisses von dem Einfluss, den der Zucker auf die en- und exosmotischen Vorgänge ausübt, habe ich im „Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten Bd. I. Heft 4.“ im Artikel „Studien zur Urologie II.“ hingewiesen.—

Es bedarf noch der Erwähnung, dass sich die aufgefundenen Grössenverhältnisse des Stoffwechsels, verglichen mit den wenigen bekannten länger fortgesetzten Untersuchungen anderer Männer in den Gränzen des Normalen bewegen.—Prof. Bischoff, ein Mann von 45 Jahren, 216

Körpergewicht (NB.!) und 185 Ctm. Länge entleerte bei gewöhnlicher Kost täglich 1538 CC. Urin von 1022,4 spec. Gew. mit 35,10 Grm. Harnstoff (nach Ausfällung des Chlor bestimmt); stud. Mosler, 22 Jahr alt, 134