Nach Beendigung dieser Untersuchungsreihe reiste ich am 10ten Juli nach dem Seebade Wangeroge ab und traf dort am 11ten Mittags ein.—Die Lebensweise war am 9. 10. u. 11ten sehr unregelmässig. Am 9ten war ich den ganzen Tag hindurch mit Besuchen, Reisevorkehrungen u. s. w. beschäftigt; am 10ten wurde erst 5 Uhr Abends dinirt, am 11ten um 2 Uhr.—Am 12ten (Mittwoch) kehrte ich möglichst zu der gewohnten Lebensweise zurück; genoss Morgens 200 CC. Wasser und 400 CC. Caffee mit Butterbrod, trank Abends 400 CC. Thee; Nachmittags 150 CC. Caffee und 200 CC. Wasser. In zwei Beziehungen wurde jedoch während des ganzen Aufenthalts in Wangeroge und so auch schon heute eine Aenderung nothwendig.—Einmal wurde meistens zwischen dem Caffee Morgens und dem Mittagsessen ein Frühstück, bestehend aus Butterbrod mit Fleisch und in der Regel einem Glase Portwein oder Bier eingenommen, und andrerseits wurde Mittags in der Regel mehr getrunken, als in Oldenburg. Das zweite Frühstück wurde deshalb oft geradezu Bedürfniss, weil der Caffee Morgens in der Regel früher, als in Oldenburg genossen wurde und das Mittagsessen oft, je nach der zur Fluthzeit festgesetzten Badezeit, viel später, um 21⁄2, 3, 4 u. 41⁄2 Uhr stattfand; kam gar ein den Appetit stets anregendes Bad hinzu, so fühlte ich zwischen 11 u. 12 Uhr Morgens das dringende Bedürfniss, etwas zu geniessen, und würde durch Nichtbefriedigung desselben einen Fehler begangen haben. Anfangs trank ich dann zum zweiten Frühstück Bier, ging aber später zu Portwein über, um durch die geringere Quantität (50-60 CC.) die dem Körper bis zum Mittagsessen einverleibte Flüssigkeitsmenge so wenig als möglich von der in Oldenburg genossenen differiren zu lassen.—War letzteres aber geschehen, so war der Durst Mittags oft sehr gross; Hautthätigkeit, Urinentleerung, Darmfunction u. s. w. hatten schon mehr erfordert, als Morgens an Fluidis genossen war; es war offenbar der Körpersubstanz schon Wasser entzogen und das Gefühl des Durstes fand in dieser Weise leicht seine Erklärung. In der Regel wurde Mittags dann Wein und Wasser getrunken; immer aber belief sich doch bei der 11⁄2 stündigen Mittagstafel die Quantität des Weines etwas höher, als in Oldenburg (hier auf 2-300 CC., in Wangeroge auf 3-400 CC.), ein Verhältniss, das allerdings für den Stoffwechsel nicht gleichgültig sein konnte, absichtlich aber auch nicht vermieden wurde, weil ich eben den Zweck verfolgte, den Einfluss des Badelebens in summa zu studiren, und mich also dem Verhalten der meisten Curgäste möglichst anschloss.—Es wurde oben schon bemerkt, dass es mir leider nicht möglich war, die Quantität der festen Speisen durch das Gewicht zu bestimmen; die Fluida wurden dagegen stets, wo immer sie auch genossen wurden, in graduirten Gläsern, die ich mir eigens zu diesem Zwecke anfertigte, abgemessen; nur der mitunter unvermeidliche Genuss von Bouillon (Mittags) machte eine Ausnahme nothwendig; die Quantität dieser konnte ich nur annähernd nach Esslöffeln, deren zwei 25 CC. enthielten, bestimmen. Der dabei mögliche Irrthum ist für die Resultate unerheblich.—

Ich hatte mir nun zunächst die Frage gestellt: in welcher Weise der Aufenthalt auf der Insel, ohne zu baden, auf den Stoffwechsel influire?, nahm also in den ersten Tagen kein Bad, sondern genoss nur die Seeluft in vollen Zügen, so viel und oft die Arbeit es erlaubte.—Die Untersuchungen begannen am 13ten Juli und wurden in dieser Weise zunächst 4 Tage lang fortgesetzt. Die Resultate waren folgende[7]:

[7] Die Lufttemperatur-Beobachtungen s. unten.—Die Barometerstände konnten leider nicht notirt werden, da es an einem geeigneten Instrumente fehlte.—


IV. UNTERSUCHUNGSREIHE.

13-14. Juli.

Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 30 M. 200 CC. Wasser 7Uhr. letzte
400CaffeeButterbrod Entlee-
rung
8 33 CC. ?st. s.III. klar.7,544 Gr. Harnstoff
12 100WasserButterbrod mit9 521022 st. s.dto.0,016Harnsäure
Schinken10 2381005 s.II. klar.0,394Schwefels.
11 1681007 s.dto.0,629Phosphors.
2 350Rothw.Fleisch, Bohnen.12 1051011 st. s.II‑III. klar.3,969Chlor.
Mehlspeise; ge-1 601015,5st. s.dto.
kochtes Obst.6 St.6561009,5s.II‑III. klar.
Dessert.
330100Caffee 17,211 Gr. Harnstoff
6 Uhr. 228 CC. 1021 st. s.III. klar.0,142Harnsäure
8 400TheeButterbrod1030 M. 2551023 s.dto.1,052Schwefels.
6 2001025 st. s.dto.1,500Phosphors.
9 150Wasser 5,464Chlor.
17 St.6831023 st. s.III.
23 St.1700 23 St.1339 24,755Harnstoff
0,158Harnsäure
1,446Schwefels.
2,129Phosphors.
9,433Chlor.
Körpergewicht: 13. Juli Morgens 9 Uhr 15 Min. 122 10 Grm.
14.10121100
Abnahme = 410 Gramm.

Befinden: gut; der Appetit ist im Verhältniss zu Oldenburg nur wenig vermehrt.
Beschäftigung: 6 St. Arbeit.—Mittags u. Abends Spaziergang am Strande, im Ganzen circa 5 St.—Es bedarf jedoch der Bemerkung, dass diese Spaziergänge nie anstrengend waren und vielfach Gehen und Sitzen am Strande wechselten. Die körperliche Bewegung war in Oldenburg ohne Frage anstrengender.—7 St. Schlaf.
Hautfunction: nur Nachmittags eine Zeit lang stark transpirirt; sonst trockne, warme Haut.—
Darmentleerung: 11 Uhr Morgens und 101⁄2 Uhr Abends mässig viel, geballt.—
Witterung: stürmisch; Regen.—SW.-Wind.