Fassen wir es also nochmals kurz zusammen: der ausschliessliche Genuss der Seeluft auf Wangeroge hatte bei mir eine Steigerung des Nahrungsbedürfnisses zur Folge; in Folge dieses wurde mehr Material eingeführt, in dem Urin fand sich eine entsprechende Vermehrung des Harnstoffs und der Schwefelsäure wieder; Harnsäure und Phosphorsäuregehalt des Urins waren dagegen nicht nur nicht vermehrt, sondern absolut und relativ vermindert; ein gesteigerter Oxydationsprocess fand in dieser Weise seinen Ausspruch. Der Körper gewann an Phosphorsäure und zwar in 4 Tagen etwa 2 Grm.—Das Körpergewicht nahm dabei um 238 Grm. zu.—

Wie vertheilten sich diese Verhältnisse auf die Morgenstunden und übrige Tageszeit?—Werfen wir einen Blick auf die oben mitgetheilten Zahlenwerthe, so ist leicht ersichtlich, dass die Stoffmetamorphose in den Morgenstunden die stärkste Beschleunigung während der 24 Tagesstunden erfuhr. Bei gleicher Quantität und Qualität der Morgens genossenen Fluida wurden statt der 543 CC. in Oldenb., in Wang. 752 CC. Fluida entleert, statt 6,85 Grm. Harnstoff 9,21 Grm., statt 0,30 Grm. Schwefelsäure 0,49 Grm. Die besprochene Verminderung der Harnsäure war eine absolute; statt 0,047 Grm. wurden nur 0,025 Grm. ausgeschieden; die der Phosphorsäure dagegen nur eine relative; statt 0,68 Grm. Phosphorsäure wurden 0,78 Grm. entleert. Nachmittags und Nachts war es anders. Die Beschleunigung des Stoffwechsels war weniger auffällig; statt 17,57 Grm. Harnstoff wurden nur 18,29 Grm., statt 1,10 Grm. Schwefelsäure nur 1,19 Grm. ausgeschieden; die gesteigerte Oxydation sprach sich dagegen auf das deutlichste aus, statt 0,37 Grm. Harnsäure wurden nur 0,18 Grm., statt 2,20 Grm. Phosphorsäure nur 1,59 Grm. ausgeschieden. Ich weiss mir diese Verhältnisse kaum anders zu erklären, als dadurch, dass die Morgenstunden die einzige Zeit des Tages bildeten, in der ich mich einer anhaltenden Thätigkeit im Zimmer unterzog, die Nachmittagsstunden dagegen zum grössten Theil in der frischen Seeluft zugebracht wurden, so dass diese und gleichzeitig die nächtlichen Stunden hauptsächlich als die Zeit der gesteigerten Oxydationsprocesse und des gehobenen Ernährungsprocesses, der Anbildung bezeichnet werden dürften.—

Auffällig war endlich noch ein Umstand; ich meine den der stets stark sauren oder sauren und niemals neutralen Reaction des Urins, wie sie doch in Oldenburg vorkam.—Bei dem verminderten Gehalt des Urins an Phosphorsäure könnte man geneigt sein, diesen vermehrten Säuregehalt des Urins von einem grössern Gehalte desselben an organischen Säuren herzuleiten. Allein es ist dies der Bestimmtheit gesteigerter Oxydationsprocesse gegenüber eine missliche Annahme; möglich, dass das Quantum der mit Natron verbundenen, die saure Reaction des Urins insonderheit bedingenden Phosphorsäure der Einnahme entsprechend eher vermehrt, als vermindert war, das minus der Phosphorsäure in summa aber insonderheit von einem verminderten Gehalte des Urins an Erdphosphaten herrührte.—Ich muss die Frage in suspenso lassen. Das Factum des gesteigerten Säuregrades steht fest.—

Hiernach ging ich zu den Untersuchungen über die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel, inclusive eines täglich genommenen Bades, über.—Wegen der in den nächsten Tagen in die Mittagsstunden fallenden Badezeit, war es nicht wohl möglich, sogleich die momentane Einwirkung des Bades zu studiren, da die Vorbereitungen dazu nur auf ein in die frühen Morgenstunden fallendes Bad berechnet waren.—Ich untersuchte daher in den ersten 3 Tagen nur den Urin von je 24 Stunden, und in den folgenden 4 Tagen erst wieder den der Morgen- und übrigen Tagesstunden getrennt.—Die Temperatur des Seewassers wurde an dem Badeplatze mit einem Greiner’schen in 1⁄10 Grade getheilten Thermometer nach Reaumur bestimmt.—Bevor ich zu den Betrachtungen der Resultate dieser Untersuchungen übergehe, lasse ich sie selbst folgen:


V. UNTERSUCHUNGSREIHE.

17-18. Juli.

Seebad: Mittags 12 Uhr 30 Min.—Dauer: 5 Minuten.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 Uhr. 200 CC. Wasser
815 M. 400CaffeeButterbrod9 Uhr. 94 CC. 1021 st. s.III.
1040 M. 1501012 s.II‑III.
11401701006 s.I‑II.
110390BierButterbrod mit1101501009 st. s.II.
Schinken2103521001,5s.I.
315681016 st. s.II.27,932 Gr. Harnstoff
330150Bouill.Hühner u. Reis; 0,277Harnsäure
470Wein u.Erbsen; Rinder-9 St.9881010 st. s.II.1,827Schwefels.
Wasserbraten; Dessert. 2,663Phosphors.
7 U. 30 M. 2241019 st. s.III.9,500Chlor.
5 135Caffee
10301801021 st. s.(II)‑III.
830200Wasser
9 400TheeButterbrod7 2321024 st. s.III.
153⁄4 St.6361022 st. s.III.
243⁄4 St.2345 243⁄4 St.16241015 st. s.II‑III.
Körpergewicht: 17. Juli Morgens 9 Uhr 25 Min. 122 248 Grm.
18.93012260
Abnahme = 188 Gramm.